Wie wirklich ist die Wirklichkeit? (Bild: Jeanette Zangs)

Zum Sprachgendern gibt es Tatsachen und Ansichten, sowie die Grammatik. Über Ansichten und Auslegungen lässt sich streiten, nicht über Tatsachen, die ähneln dem Wetter. Es ist da und geht nicht weg.

Da meint ein Linguist, Forschungen hätten gezeigt, die Nutzung des generischen Maskulinums habe eher negative Auswirkungen, sie manifestiere eine bestimmte Vorstellung von einer eher männlich geprägten Gesellschaft. Wer da aus seiner Erfahrung anderer Auffassung sei, habe nur „anekdotische Evidenz“ zu bieten (etwas, was man selbst erlebt und daher als wahr annimmt).

Solche Evidenz ist selbstverständlich wissenschaftlich wertlos, nämlich auf dem Niveau der Forschungen, auf die sich der besagte Linguist beruft. Ihm muss erwidert werden: Diese Forschungen dienen keineswegs gesicherter Erkenntnis. Da wird, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen, so manche Studie gebastelt. So riskiert die Psycholinguistik ihren guten Ruf. Zu den Tatsachen gehört:

  1. Realität wird nicht durch Sprache geschaffen. Sonst hätten wir längst den Weltfrieden. Unwiderlegbar, hält aber nicht davon ab, mit rufen nach dem „Frieden!“ zu glauben, man habe etwas für diesen getan. Hat man das?
  2. Es gibt Sprachen, die kennen nur ein Pronomen (weder weiblich noch männlich), die kann man nicht gendern. Auf die Lage der Frauen wirkt sich das nicht aus, zum Beispiel in Finnland sind sie weiter als wir hier. Kommt da jemand ins Grübeln?
  3. Wer unsensibel mit Frauen, Diversen, Negern und Muslimen umgeht, tut das genau so, wenn er seine Sprache „sensibilisiert“. Sprache als Mittel der Ablenkung? Alles schon da gewesen. Vielleicht mal in der Weltgeschichte nachlesen?

Missverständnis: Wenn etwas an einer Hochschule geschieht, ist es nicht schon Wissenschaft. Einem Widerspruch nicht zu widersprechen, sondern ihn gar nicht erst zu bemerken, das ist Blasiertheit. Sie besteht aus Ignoranz (wenn ich nicht hingucke, sieht es mich nicht), gepaart mit Arroganz (was kann es, außer mir, schon Erwähnenswertes geben?). Zu den Tatsachen und Ansichten: siehe Problemzonen des Sprachgenderns.