baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Deutschsein heißt für mich …

Beitrag vom 28 August 2015

Muslime im christlichen Abendland - warum nicht? Aber nach unseren Regeln: ohne Scharia (Bild Baer)

Für mich enthält das Deutschsein eine Reihe von Selbstverständlichkeiten. Offenbar muss ich sie trotzdem einzeln aufführen. Ich gebe zu, ich nenne sie im Zorn:

Deutschsein heißt, dass wir schon immer in der Mitte Europas lebten.
Wenige Nationen haben so viele Nachbarländer wie wir. Deshalb kann es ohne uns kein Europa geben, und ohne Europa stünden wir ziemlich bescheuert in der Mitte herum.

Deutschsein heißt, dass wir rassisch durchmischt sind, und zwar seit Jahrtausenden.
Irgendwelche Rassenreinheit ausgerechnet in der Mitte Europas zu beschwören, ist so abwegig wie die Hoffnung, dass die Sonne demnächst im Süden aufginge. Hervorgebracht haben uns Mitteleuropäer unter anderen die Germanen, Kelten, Slawen sowie Römer aus allen Teilen der antiken Welt.

Deutschsein heißt, dass sich Fremde bei uns wohlfühlen, nicht nur während der Fußball-WM.
Wir sind gastfreundlich – auf unsere eigene hölzerne Art, wenn auch mit einer etwas faden einheimischen Küche. Ach ja, und vom Tourismus leben hier viele Bürger.

Deutschsein heißt, uns imponiert jeder Vater, jede Mutter, die alles tun, sogar ihren Tod riskieren, damit die Familie überlebt.

In halb Afrika regieren Gangster; sie lassen ehrlichen Bürgern keine Chance. In Arabien fallen Bomben auf die Bürger. Im südlichen Balkan herrscht Korruption, da nagt am Hungertuch, wer nicht dazugehört. Es gibt Motive, die wir als Grund für Flucht und Asylantrag anerkennen – wir würden dasselbe zu unseren Gunsten erhoffen, wenn wir auf der Flucht vor solchen Verbrechern wären.

Deutschsein heißt, dass wir über zwölf Millionen Flüchtlinge und Vertriebene integriert haben.
Mag sein, dass es schwerfiel, aber wir haben nach dem Krieg den Menschen aus dem Osten zu einer neuen Heimat verholfen – was uns auf lange Sicht übrigens sehr genützt hat.

Deutschsein heißt, dass wir uns vor der braunen Vergangenheit nicht davonstehlen.
Ob wir zu den Guten zählen, ist sowieso fragwürdig, und unsere Nazivergangenheit wird nicht dadurch blütenweiß, dass wir Deutsch verschmähen und lieber (schlechtes) Englisch plappern. Immerhin haben wir uns hierzulande mit Judenmord und Kriegsverbrechen jahrzehntelang auseinandergesetzt – da sind wir anderen Nationen weit voraus.

Deutschsein heißt, dass die Nachbarn und wir voneinander lernen.
Dazu zählt, um ein triviales Beispiel zu nennen, die Esskultur. Vor fünfzig Jahren war der Besuch eines deutschen Restaurants ein trostloses Ereignis.

Deutschsein heißt, dass wir die Einwanderer willkommen heißen.
Wir sind klug genug zu begreifen, dass wir zehn (wer weiß, vielleicht bis zu zwanzig) Millionen neue Deutsche benötigen, damit die Wirtschaft mit jungen Arbeitskräften aufblüht, das Rentensystem wieder funktioniert, die Gesellschaft nicht an den Alten erstickt, die jedes Neue mit dem Beelzebub verwechseln.

Deutschsein heißt, dass ich mich einer Tradition der Denker, nicht der Schwätzer verpflichtet fühle.
Ich statte mich mittels eigener Gedanken mit eigenen Überzeugungen aus; ich lehne den Kitsch des “Gesunden Volksempfindens” ebenso ab wie den Kitsch der “Politischen Korrektheit”. Merke: Wenn das Denken nicht wehtat, war der Gedanke kein eigener.

Deutschsein heißt, dass wir die Religionsfreiheit schätzen.
Dazu zählt die Freiheit Konfessionen auch abzulehnen. Muslime sind hier willkommen wie jeder andere, aber auch zum Islam darf hier keiner gezwungen werden, und die Scharia hat in Deutschland schon gar nichts zu suchen.

Deutschsein heißt, wir schätzen an unserem Grundgesetz, dass es weltweit keine bessere Verfassung gibt.
Dazu zählt, dass unser Staat wehrhaft sein muss, damit er seine Bürger gegen jeden, aber auch jeden verfassungsfeindlichen Angriff nach Kräften beschützt, sei es durch Nationalsozialisten, durch Islamisten, durch Antifaschisten oder sonstwen. Wir sind eine Nation friedliebender Menschen, keine Zusammenrottung von Hooligans mit Testosteronproblemen.

Deutschsein heißt, Frauen und Männer genießen in dieser Republik dieselben Rechte.
Wir entfernen zur Zeit die letzten Reste der Diskriminierung von Frauen. Wer hier einwandern und seine Frau weiter unterdrücken möchte, muss umlernen. Merke: Das Kopftuch ist in traditionell-konservativen Völkern ein bewährtes Mittel, Herrschaft über Frauen darzustellen – mit dem Islam hat das Kopftuch nichts zu tun.

Deutschsein heißt, wir verstehen etwas von der Not der Menschen, deshalb: „Flüchtlinge sind willkommen!“
„Refugees welcome!“ist ein Schmarren. Die Flüchtlinge wollen nach Deutschland, hier ist die Lingua franca Deutsch, hier können die wenigsten ein belastbares Englisch, und die Flüchtlinge schon gar nicht. Eure mediengeile Sprachprotzerei passt zur Not der Flüchtlinge wie eine offene Hose zum Besuch ihrer Notunterkunft.

Deutschsein heißt, wir haben nach unseren Erfahrungen mit Diktaturen für Bevormundung jeder Art keinen Bedarf.
Nazis haben uns nichts Bedenkenswertes mitzuteilen, dasselbe gilt für Antifaschisten, für christliche und islamische Fanatiker, für Russen, die wieder an den Storch glauben, und es gilt für unsere türkischen Nachbarn, wenn sie in ihrem Machogehabe mal wieder Kreuzberg mit Anatolien verwechseln.

Deutschsein heißt, wir erkennen unsere gemeinsame Identität in der deutschen Sprache.
Für 97 von 100 Deutschen ist die Sprache das wichtigste, das einzige Kriterium für das Deutschsein: “Deutsch ist, wer Deutsch spricht.” Die gemeinsame Sprache ist der Klebstoff, der uns zusammenhält. Sie ist nicht ersetzbar durch Gedankentreibgut, das hierzulande nur deshalb gut ankommt, weil keiner merkt, aus welchen trüben Tiefen die englischen Sprachfetzen gefischt werden.


Was Deutschsein für andere bedeutet, ist deren Sache. Ich habe meine Positionen genannt, sie sind nicht verhandelbar. Aber Ihr könnt Euch ja mit differenzierter Meinung anschließen.

Es darf jedenfalls nicht zur akzeptierten Norm erstarren, dass wir unsere Muttersprache preisgeben. Mit dieser Forderung richte ich mich erstens gegen die Arschkriecherei, mit der wir hierzulande jeden englischen Furz einem zu Ende formulierten Satz auf Deutsch vorziehen. Deutsch ist immerhin die Sprache, die wir zum Denken benötigen. Nein, Euer Englisch reicht dafür nicht, vergesst es!

Ich richte mich zweitens gegen die Gleichgültigkeit, mit der Intellektuelle die Muttersprache dem rechten Mob überlassen. Ihr habt wohl schon vergessen, wie Hitler und Goebbels die deutsche Sprache zugerichtet haben. Dieses Geschenk hat der Mob nicht verdient. Das sind Menschen, die anderer Leute Gedankengut wiederkäuen ohne eine eigene Synapse auch nur gestreift zu haben. Diese Leute sind nicht Deutschland, ihnen gehört die Muttersprache nicht!

Also liebe Landsleute, lasst Euren Hochmut! Die deutsche Sprache ist das einzige, was diese Nation zu einer funktionierenden Gesellschaft zusammenfügt! Wenn Ihr diese Sprache verschmäht, seid Ihr so arrogant wie die Engländer. Sie halten sich mit Oxfordenglisch den Pöbel vom Hals, so wie Ihr Euch erhebt über Bürger, die nun mal echte Angst haben vor Hunderttausenden von Fremden. Ihr spielt die Flüchtlinge gegen diese Leute aus – wem soll das nützen?

Ich fordere von der Politik, dass sich der Staat gegen gewaltbereite Fanatiker und ihre Mitläufer mit Polizeigewalt durchsetzt. Und wenn sich diese Mitbürger nicht an die Verfassung halten, dann muss auch mal härter durchgegriffen werden, als es das Grundgesetz vorsieht. Dazu wird man mehr Polizisten benötigen.

Oliver Baer, Dresden am 28. August 2015

Oliver Baer @ 22:45
Gespeichert in: Gesellschaft
Sprache ist so leicht ersetzbar wie Energie

Beitrag vom 18 August 2015

Sprache ist eine Ressource des Geisteslebens und so endlich wie Ressourcen der Natur (Bild: Fotolia)

Über sterbende Sprachen hat man Krokodilstränen zu vergießen, das gefällt dem Zeitgeist, und es ändert nichts. Dazu erklärt ein zackiger ZEIT-Leser: „Eine Sprache stirbt dann aus, wenn sie niemand mehr spricht, und eine Sprache die niemand spricht, ist offensichtlich überflüssig.“

Auf öffentlichen Klos habe ich schon klügeren Magerquark gelesen. Also dann mal zackig: Sprachen sind keine Organismen, sie sind Kulturgut, vom Menschen geschaffen, sie leben nicht, sie sterben nicht. Sie können verschwinden, ganz oder in Teilen. Mit einer Sprache „verlieren wir Jahrhunderte menschlichen Denkens über Zeit, Meerestiere, Rentiere, essbare Pflanzen, Mythen, Musik, das Unbekannte und das Alltägliche.“ erklärt Robert Harris°. Da verschwindet mehr als ein paar Vokabeln und die Folgen trägt die Volkswirtschaft – das sind wir alle, auch die Klosettlogiker.

Am Amazonas sterben Indianer aus, die gegen jedes Leiden ein Kraut kennen. Ihr Wissen geben sie mündlich weiter. Verschwindet ihre Sprache, verfällt das in ihr gespeicherte Wissen. Zum Vergleich: Pharmakonzerne investieren Milliarden zur Lösung von Fragen, die im Urwald schon beantwortet wurden. Milliarden die irgendwer bezahlen muss. Wer wohl?

So etwas müsste Thema der Grünen sein. Zwar funktioniert statt Kupfer oft Aluminium, statt Eisen Beton; unersetzbar sind nur Wasser, Luft, Energie – und die Sprache. Dagegen ist invertierter Snobismus („Deutscher kann man nicht mehr sein“) so putzig wie der Furz einer Ente. Stirbt der Vogel X, vermehrt sich Insekt Y und frisst die Ernte Z. Also sprüht der Landwirt Gift, es gerät in die Nahrungskette, daran verrecken der Bauer und die Kunden, auch jene die den Schutz der Umwelt mit einer Glaubensfrage verwechseln.

Aber, so hallt es in den Laubengängen, dafür genüge doch eine, die Weltsprache. Diese können wir umso gründlicher umsorgen. „Man solle etwa an die Möglichkeit denken, aufgrund einer gemeinsamen Sprache mit den Taliban direkt sprechen zu können.“ schlug Ulrich Ammon vor. Nein, wie niedlich! Dass darauf die Amerikaner nicht kamen, als sie einander 1861 bis 1865 in nie gekannter Grausamkeit niedermetzelten!

Sprachen sind Träger von Methoden, Verfahren, Lösungsansätzen, die es in anderen Sprachen gar nicht, oder was noch spannender ist, in ähnlicher Form gibt. Aus dieser Vielfalt erwachsen die besten Lösungen, und Europas Stärke liegt in seiner Vielfalt. Die Monokultur einer englisch dominierten Welt kann nur eintönige Lösungen zustandebringen. Das ist so leicht zu begreifen wie man es ignorieren kann, sei es aus Abneigung gegen die eigene Sprache, weil man die Welt beherrschen möchte oder weil es am besten zum vorhandenen Vorurteil passt.

Ist Deutsch bedroht, muss man sich sorgen? Schwer zu sagen? Wir könnten es abwarten. Die Antwort erfahren wir, wenn es zu spät ist die Folgen zu verhindern. Macht nichts, die Erderwärmung ist schließlich auch nur eine Theorie, oder? Die Sprache der Wissenschaften und der Wirtschaft betrifft die Steuerzahler, das sind Sie, liebe Leser, auch die Grünen und Sozialdemokraten, die mit der Schulter zucken: „Mir fehlt das sprachpatriotische Gen.“ Mit Patriotismus hat diese Sache aber so viel zu tun wie die Auswahl des Ladens, wo Sie Ihren Schlandwimpel erwerben.

Macht nichts, sobald das Problem den Wählern auffällt, findet sich eine Mehrheit, es anzupacken. So naiv möchte ich mal sein, und die Wartezeit verkürze ich mir mit Chinesisch. Ab 2016 gibt es in Südafrika Mandarin-Unterricht – an den Grundschulen. Schade, die englische Sprache, bevor sie als Weltsprache verhunzt wurde, war eine schöne, reichhaltige Sprache. Heute sind dieser Meinung nur noch eine Million gebildeter Angelsachsen. Die übrigen native speakers kotzen ein Englisch aus, dass man sich Ohrenklappen wünscht.

Die Monokultur wird die Vielfalt ausrotten. Der Ersatz der Muttersprachen durch Englisch endet in einer angelsächsischen Denkweise: in neoliberaler Kälte, bei Barbiepuppen und McDonalds. Englisch ist eine antidemokratische Sprache, mit ihr hält sich die Oberklasse den Pöbel vom Halse. Außerdem ist aller Aufwand für die gemeinsame Wissenschaftssprache vergebens, denn auf dem Niveau für kreatives Denken steht sie nur wenigen offen (das C1-Niveau, liebe Leute, reicht für die zweite Liga, mehr nicht). Und was die geschichtlichen Skrupel anlangt: Mit Angloholismus stiehlt sich keiner aus der deutschen Geschichte davon. Ihr Freunde auf der Linken: Wenn es schon die Rechten nicht begreifen, was die Sprache wert ist: Es gibt viel zu tun. Get off the fence!

° Robert Harris vom Living Tongues Institute in Washington

Oliver Baer @ 17:22
Gespeichert in: Gesellschaft
Falsch zitiert!

Beitrag vom 18 August 2015

Zugleich trocken und unterhaltsam, enthält kein einziges Bild spärlich bekleideter Menschen

Das Geschick, eine glückliche oder wichtige Entdeckung durch Zufall zu machen, kommt überall vor, aber die Engländer haben den Begriff mit einem Wort versehen: serendipity – eine Orchidee unter den Wörtern, den meisten Angelsachsen jedoch nicht vertraut.

Ich schulde Ihnen ein Geständnis, ich habe leichtfertig zitiert: Die Weltsprache sei nicht Englisch, ließ ich den prominenten englischen Linguisten David Crystal sagen, sondern schlechtes Englisch. Das stimmt, aber so hat nicht er es geäußert, sondern ein fleißiger SPIEGEL-Journalist hat Crystals Auffassung zu diesem Satz verdichtet. Das wird bestätigen, wer sein Werk English as a Global Language gelesen hat.

David Crystal beschreibt darin ziemlich genau, was ich als Globisch bezeichne. Er nennt es World Standard Spoken English (WSSE), eine Varietät des Englischen. Es ist nicht zu verwechseln mit American Standard English oder British Standard English. Auch wenn sich Crystal akademisch seriöser ausdrückt, die Charakteristika stimmen überein: der reduzierte Wortschatz, der Verzicht auf die komplizierten Verbformen und auf Redewendungen, Redensarten sowie auf Problemzonen wie die doppelte Verneinung. Auch David Crystal sieht im WSSE keinen Raum für Humor, Ironie, Sarkasmus.

Das ist zwar bedauerlich, denn eben das macht Sprachenlernen zu einem besonderen Erlebnis. Aber man muss sich entscheiden, worum es geht. Höherer Kulturgenuss erfordert höhere Sprachbildung, während weltweite Verständigung mit Globisch ganz einfach besser gelingt. Wir sind aber aus geübter Eitelkeit unbelehrbar, wir verlangen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Stellenbewerbern ein Englischniveau, das die meisten Menschen auf dem gesamten Globus (sowie in Europa, Holland und in Eindhoven) nicht können, niemals beherrschen werden und auch gar nicht erwerben möchten. Ihnen genügt die Verständigung, wenn es geht fehlerarm und unkompliziert. Es gibt also mindestens zwei grundverschiedene Ansprüche.

Das bemüht und anscheinend perfekte Englisch der Unbelehrbaren verstehen nur wenige. Im asiatischen Geschäftsleben provoziert zu gutes Englisch schweres Kommunikationsversagen, das aus Gründen der Gesichtswahrung oft nur schwer zu klären ist. Ähnliches geschieht in Arabien, Afrika, Lateinamerika und in fast allen europäischen Staaten. Eine Sprache, die Fehler befördert oder sogar tarnt, ist für die internationale Verständigung ein Handicap. Einen Sinn ergibt sie nur bei der Pinselei des Bauchnabels: Guck mal, was für ein tolles Kerlchen ich bin: „I can English.“ Solchen Leute widerspreche ich gelegentlich. Sydney heißt nicht Sidnäi sondern Sidni mit dem langen /i/ am Ende, und das ist in sämtlichen Varietäten des Englischen so. Aber was geschieht: Die Leute hören die Korrektur, sie staunen, sie nicken und sagen weiterhin: „Mein Freund Harwäi.“

Über die Beratungsresistenz deutscher Eggsekjuhtifs schmunzeln Englischkenner landauf, landab. Ein Wirtschaftsverband schmückt sich mit einem Senate – wahrscheinlich weil Senat an Spinat erinnert – und wie ein Automat wiederholt der Vorsitzende ein merkwürdiges Wort, das wie Ssienäit klingt, wo er Ssennet sagen müsste. Er blamiert sich, nun ja, aber warum? Er tut als ob er zuhörte, aber das rauscht vom einen Ohr zum anderen ohne eine einzige Synapse auch nur zu streifen. Unter der Alterseitelkeit leiden vermutlich auch viele, die Aufwand, Zeit und Geld in gutes Englisch gesteckt haben. Und nun sollen sie wegen Globisch Abstriche machen? Kommt nicht in Frage! Sollen doch die Anderen besseres Englisch erwerben!

Die falsche Logik überliest sich allzu leicht: Nicht wegen Globisch, sondern um sich verständlich zu machen, sollen sie sich beschränken. Falls Sie hier noch mitlesen: Crystals Buch lässt keinen Zweifel, dass der wahre Weltbürger mehrere Sprachen erwerben soll. Er fordert die englischen Muttersprachler auf die Hochsprache ebenso zu beherrschen wie das regionale Englisch oder den heimischen Dialekt, und als drittes sollten sie WSSE, also Globisch erwerben. Ausdrücklich unterscheidet er diese Drei. Als Europäer und Weltbürger erlaube ich mir zu ergänzen: Dem wäre eine Fremdsprache hinzuzufügen, damit die kulturelle Inzucht der Angelsachsen ein Ende nimmt.

Kommen wir zur Kritik seines Buches English as a Global Language. Mir fallen zwei Gesichtspunkte dadurch auf, dass er sie ignoriert. Crystal spricht von Kommunikation und Identität mit einem Unterton, als könne er die Anstößigkeit nur mühsam tolerieren, mit der die Bürger von Singapore Wert auf ihre Identität legen. Der Verlust des Kolonialreiches schmerzt noch immer. Zweitens widmet er der Rolle der Muttersprache beim Denken – keine Zeile. Das Denken interessiert Crystal nicht, vermutlich weil es kein Thema der Linguistik ist. Im Vorübergehen geht er darauf ein: Sollte es jemals dazu kommen, dass nur noch Englisch gelehrt würde, nennt es Crystal the greatest intellectual disaster that the planet has ever known – das größte Desaster für das Geistesleben auf dieser Erde. Recht hat er, aber als Randbemerkung kommt es herüber wie ein politisch korrektes Lippenbekenntnis.

Wer alle Aufmerksamkeit auf Englisch lenkt, tut das auf Kosten seiner Muttersprache. Diese sollte er als erstes lernen und pflegen. Warum? Damit er noch aus eigener Kraft Gedanken formulieren und anschließend verwirklichen kann. Wer sich fortwährend mit Versatzstücken der englischen Sprache schmückt, wirkt cool, aber dieses Sprachragout ist für den Geist so gesund wie McDonalds für die schlanke Linie. So einer wird zum Junkie und merkt es nicht. Nebenbei erwähnt: Auf dünner Muttersprache wächst keine knackige Fremdsprache.

Serendipity muss im Text nur verwenden können, wer in Oxford zu studieren plant. Alle anderen seien gewarnt: Unter fünf Jahren ist gutes Standard English nicht zu haben: Dazu müssen Sie in das Mutterland der Sprache übersiedeln, Ihr Vorhaben kostet Sie viel Fleiß und Sie sollten in dieser Periode kein Wort Deutsch sprechen. Nur dann dürfen Sie mit Aussicht auf Erfolg hoffen, dass Sie sich mit Muttersprachlern auf gleicher Augenhöhe unterhalten.

Das ist zu viel verlangt? Richtig, WSSE/Globisch gibt es billiger. Diesen logischen Schluss aus seiner eigenen Darstellung vollzieht David Crystal jedoch nicht, jedenfalls nicht in diesem Buch. Zu sehr fasziniert ihn, wie wichtig Englisch in der modernen Welt ist. Leider so wichtig, dass die Engländer auf andere Sprachen verzichten. Deshalb ist dem Angelsachsen jeder kleine Gewürzhändler in Madras beim Begreifen fremder Einflüsse überlegen. Und die Geheimdienste der Amerikaner und Engländer suchen händeringend nach Leuten, die fremdsprachlich gut zu Fuß sind und den weltweit belauschten Kommunikationsmüll nach werthaltiger Information durchstöbern könnten.

Für diesen Nachtrag zum Falschzitat in meinem Buch Von Babylon nach Globylon lasse ich mich gegebenenfalls beguttenbergen, aber es war ja keine Dissertation. Es war und ist eine aktuelle Arbeit über die Bedeutung der Muttersprachen für Wirtschaft und Wissenschaft, mit einem ausführlichen Abschnitt über den Erwerb von Globisch bzw. World Standard Spoken English, zu kaufen bei Ihrem Buchhändler sowie bei Amazon, gedruckt und für den Kindle. Kritiker bitte ich das Buch vor dem Verriss zu lesen. Man merkt es, wenn der Kritiker über das Blättern nicht hinauskam.

Oliver Baer @ 09:22
Gespeichert in: Von Babylon nach Globylon
Pingeligkeiten

Beitrag vom 28 Mai 2015

Die Engländer haben der Welt den edelsten Sport geschenkt: Cricket. Diese Tätigkeit erschließt sich Einwanderern in anglophone Länder bereits in der zweiten Generation, in dringenden Fällen schon nach zehn Jahren des intensiven Nichtmehrweghörens, wenn beim Stand von 238 for 6 die Leute bedeutsam nicken: „Das wird hart.“

Die Franzosen haben, von der Provence ausgehend in die frankophonen Länder Pétanque verbreitet. Diese Form des Boule ist so schwierig wie Golf, aber tausend Mal billiger: Es wird dank der französischen Besatzung auch bei uns viel gespielt. Deutschland belegt unter 94 aktiven Nationen den sechzehnten Platz der inoffiziellen Rangliste. Eine Tatsache, auf die Boulisten ein Glas Rotwein heben und eine frische Zigarette drehen.

Womit wir zur Sprache kommen. Zum Cricket haben weder Franzosen noch wir etwas beigetragen, die Begriffe sind englisch. Beim Pétanque hat Englisch so viel zu suchen, wie die Angelsachsen dazu beigetragen haben: nichts. Deshalb sind die Fachbegriffe fanzösisch und das ist gut so, schon damit nicht weltweit alles immer nur auf Englisch lautet. Außer in Deutschland. Zwar gibt es eine Reihe gültiger Verdeutschungen (pointer = legen, tirer = schießen), aber bei jedem Turnier gibt es einen Cup zu gewinnen. Was schlimm genug ist, denn Coupe hätte es auch getan, oder wenigstens Pokal. Es kann aber ein Cup/Coupe/Pokal nur ein Gefäss sein. Jede Skulptur, sei sie noch so schön gestaltet, ist nur dann ein Cup, wenn sich daraus der Siegessekt schlürfen lässt.

Dem Cup geht es wie dem Alpinen Skiweltcup, da ist jedes einzelne Rennen der Weltkapp, natürlich ein Schmarren, denn die Welttasse gibt es am Ende der Saison, nämlich erst nach allen Wertungsläufen. Hier geht es zu wie bei der Relegation. Richtig handelt es sich um Aufstieg und Abstieg, oder Promotion und Relegation, wenn es denn Fremdwörter sein müssen, aber das bekommt kein Reporter auf die Reihe. Also zum Mitschreiben: Relegation = Abstieg! Was Ihr Reporter und Journalisten meint, ist die Auf- und Abstiegsrunde.

Aber noch ein Wort zum Kugelsport.

Pétanque kennt beim Endstand 0:13 eine kuriose Sitte. Zu Null ist die Höchststrafe, und sie hat zweierlei Folgen. Die Verlierer küssen den entblößten Po der Fanny (als Bild), und die Sieger müssen einen ausgeben. Die Sitten dieses Sports entstanden offenbar unter Bäumen neben einem Bistro. Um den französischen Mädchennamen Fanny ranken schlüpfrige Mythen, die wir hier übergehen wollen. Aber man merke: Im Französischen wird die letzte Silbe betont: Fannih. Alles andere führt in die Irre. Dass im amerikanischen Englisch die fanny den weiblichen Popo, im britischen Englisch die fanny etwas weniger Salonfähiges (ungefähr in gleicher Höhenlage) bezeichnet, erhellt die Sachlage keineswegs. Wer sich mit halbgaren Englischkenntnissen für besonders gut informiert hält, befindet sich auf dem Holzweg.

Plattfüßig treten in die Falle – wir Deutschen. Boulisten sprechen hierzulande von der Fänni, oder wenigstens halbwegs französisch von der Fanni, was aber den Nachteil gebiert, dass sie so niedergeschrieben wird: funny. Das ist nun überhaupt nicht funny, sondern nur blinder Reflex: Was von außen kommt, ist erstens gut und kann daher zweitens nur englisch sein. Es kommt noch so weit, dass wir die Muttersprache mit amerikanischem Akzent aussprechen.

Pingelig? Aber ja doch. Giora Feidmans Klarinette hat uns Klesmer nahegebracht, eine Musik osteuropäisch-jüdischer Herkunft. Ausgesprochen wird Klesmer mit einem weichen /S/, daher die Schreibweise Klesmer. Im Englischen erweist denselben Dienst das /Z/, also Klezmer. Ein Unfug wäre im Deutschen Klezmer, aber in vorauseilender Unterwürfigkeit ist diese schon weiter verbreitet als die zutreffende Schreibweise. Das ist eben nicht egal, denn prompt tritt ein, was zu erwarten war: Die Leute sagen Kletzmer, und wie schreiben sie es? Kletzmer, wie denn sonst, das hat doch der Ansager so gesagt, oder? Weder die USA noch ein anderes Land englischer Zunge hat Nennenswertes zum Klesmer beigetragen. Wie es stimmt, weiß die Gruppe Aufwind, Experten dieser Musik, die auf ihrer Website aufwindmusik.de übertiteln: Jiddische Lieder und Klesmermusik und Yidish Songs and Klezmer. Dennoch lässt sich sogar die Wikipedia, sonst pedantisch in diesem Dingen, im deutschen Text auf die Schreibweise Klezmer ein.

Wichtigkeit? Den Boulesport ficht keine falsche Fanny an, und Klesmer wird Kletzmer überleben. Was eingeht, ist unser Gespür, dass es etwas ausmacht, ob eine Sache anscheinend unwichtig oder scheinbar unwichtig ist. Der Schwund schleicht auf Socken daher. Wenn wir dereinst merken sollten, dass etwas fehlt, wird es aber keiner merken, weil dann die Fähigkeit bereits verschwunden ist, das Fehlen noch wahrzunehmen. Den Wenigen, die das Fehlen bemerken, wird man nicht glauben, denn wir haben schon jetzt zum Lernen keine Lust mehr.


Bilder:

13-0 Fanny von Unbekannt 1920 — http://cheznectarine.centerblog.net/rub-la-petanque-et-fanny–3.html. Sous licence Domaine public via Wikimedia Commons

Klesmer: Ablichtung der Titelseite und einer Folgeseite aus www.aufwind.de

Oliver Baer @ 11:24
Gespeichert in: Gesellschaft
Fäulnis angesagt

Beitrag vom 25 Februar 2015

Sex ist schön. Das gehört aber nicht hierher. Sex ist außerdem unersetzbar, jedenfalls hat das geborgte Wort alle heimischen Wortschöpfungen verdrängt. Das ist gut so, denn fast alles, was nicht unter wahre Liebe fällt, zählt irgendwie zum Sex. So lässt sich mit einem Wort aus nur drei Buchstaben Ordnung herstellen.

Ausriss aus dem Spiegel Nr. 8 vom 14. Februar 2015

Sex hat auch Nachteile, und davon gleich zwei. Ein flüchtig auf Svensklish geführtes Gespräch gerät leicht auf schlüpfrige Abwege, denn sex (mit einem scharfen S) steht in Schweden für die Ziffer 6. Schlimmer noch: Wie Sex ausgeübt wird, beschert uns gefühlsaufwallende Wortwolken wie Sex haben oder gar Sex machen. Das ist nicht gut so. Man könnte glatt meinen: Wer sich so äußert, hat in diesen Dingen das Schießpulver nicht erfunden. Also Vorsicht! Im Internet findet sich bei geeigneter Formulierung des Suchwortes (zum Beispiel „Synonym für Sex“) eine sehenswerte Fülle von Wörtern, die größtenteils nicht stubenrein, aber komisch klingen und in allen Fällen dem Haben oder Machen von Sex überlegen sind.

Nicht nur im Bett wird als Anfänger entlarvt, wer mit Englisch um sich wirft. Im SPIEGEL tauchte dieser Tage ein bald zwanzig Jahre altes Bild auf: „VOTE ROT!“, hier als Ausriss wiedergegeben, mit dem sich Politiker als Stümper zu erkennen geben. Es ist doch so: Vote rot überfällt den Betrachter als eine englischsprachige Aufforderung to vote. Wie die Dinge liegen, setzt das Gehirn (es ist ja nicht blöd) den Satz auf Englisch fort (wie denn sonst?), rot also mit dem englischen R, einem kurzen O und dem hartem Auslaut wie unser Doppel-T.

So weit so gut. Sehen wir nach, was wir so nachplappern. VOTE ist klar: Stimme abgeben. ROT bedeutet Verwesung, Fäulnis, Verrottung. Mit diesem Plakat warb die SPD für Verrottung. Alles klar. Euer Ehren, ich habe keine weiteren Fragen.

Oliver Baer @ 13:39
Gespeichert in: Spottolski
One Man One Vote

Beitrag vom 13 Februar 2015

Was stimmt denn nun: Der, die oder das Rolle? (© Behland)

Manche Bezeichnung ist eine glatte Beleidigung. „Putzfrau“ unterstellt, für diese Arbeit kämen nur Frauen infrage, ein „Putzmann“ sei als Wohnungsputzer undenkbar. Um solche Fossilien wird es wenig Streit geben, wenn wir unseren Wortschatz aufräumen. Alle ähnlich besetzten Wörter sind ersetzbar durch geschlechtsneutrale.

Damit müsste das Thema Gendering vom Tisch sein, wir könnten uns echten Problemen widmen. Irrtum, es gibt einen deutschen Sonderweg, den die Leute in vielen anderen Sprachen kaum nachvollziehen können. Davon lassen wir uns nicht beirren, als Steuern Zahlende gönnen wir uns Hunderte von Lehrstühlen, Tausende Gleichstellungsbeauftragte und Aufpasser, die den Steuerzahler abschaffen. Als gäbe es zwischen Gutmenschen und ihren Gegnern keinen heimischen Zoff mit höherem Kaloriengehalt. Etwa die Unterdrückung der Frau in islamischen Milieus – hierzulande!

Nein, lieber lassen wir uns mit dem Propplem plagen, ob neben den Pegidisten auch Pegidistinnen zu unterscheiden wären, da sind wir pingelig, wie bei Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten, auch bei Mörderinnen und Mördern achten wir auf Ausgewogenheit. Bei Vergewaltigerinnen gibt es zwar Ärger, manche behaupten, die könne es gar nicht geben, aber diese Erkenntnislücke schließt schon der SPIEGEL[1]. Übrigens stimmt, dass mehr Männer morden als Frauen. Also los, ihr Weiber! Greift zum Messer, die gespaltene Zunge hat ausgedient.

Wo waren wir? Bei der Putzfrau, die gibt es nicht mehr. Dafür haben wir jetzt zu Fuß Gehende und Mofa Fahrende. So steht es in der Straßenverkehrsordnung. Das muss man sich ausmalen: Da ziehen Hunderte von erwachsenen Abgeordneten die Gesetzgebung durch den Kakao. Als ob das ihre Aufgabe wäre. Dafür sind doch die Satire Produzierenden zuständig!

Zwar wurde längst geklärt, dass das grammatische Genus und der biologische Sexus in der Sprache zweierlei sind: Dass der Kopfsalat so wenig Männliches hat wie die Salatgurke weiblich sein kann, na ja, und Mädchen sind eines jedenfalls nicht: sächlich. Das haben uns die Linguisten eingebrockt. Hätten sie mal von roten, blauen und gelben Hauptwörtern gesprochen, müssten wir jetzt nicht die Frauen sprachlich in die Vordergründin rücken. Damit sie endlich emanzipiert werden. Was uns auch ohne Sprachverhunzung am Herzen liegt, denn was gibt es Schöneres als emanzipierte Menschen, die tun, was sie am besten können und sich dabei durchaus ihrer biologischen Vorteile bedienen und ihrer Nachteile bewusst sind (während der Schwangerschaft lässt man den Stabhochsprung einfach mal sein).

Da könnte man aber schwarz sehen ...

Man könnte entgegenhalten: Es ist doch egal, was die Leute quatschen. Bei dem Schwachsinn im Internet hört sich jeder sowieso nur selbst zu. Aber Sprache stiftet doch Identität! Mag sein, aber die brauchen wir nicht, im Fußball sind wir eh die Besten, siehe die vielen Flaggen auf den Autos. Außerdem sind wir Europäer, ein Blick in die Brieftasche offenbart es: Euroscheine. Und überhaupt: Was heißt Identität? In Mitteleuropa sind wir rassenvermischt seit bei uns Ackerbau und Viehzucht einzogen, seit zehntausend Jahren. Na gut, was bleibt? Die Ästhetik der Sprache, aber muss man sie ernstnehmen? Glaubt man der Wissenschaft, ist das Thema passé: Sprachgefühl ist Geschmackssache, reine Privatangelegenheit, wie das Sammeln von Gummibärchen.

So sprachlässig könnte man die Dinge sehen, gäbe es nicht den einen Umstand, der sämtliche Argumente über den Haufen wirft. Sprache und Denken sind untrennbar verknüpft. Das ist keine Glaubenssache, da kann sich Noam Chomsky auf den Kopf stellen. Liederliche Sprache gebiert wirre Wallungen im Hirn, die man mit Gedanken verwechseln könnte, aber nicht sollte. Ein Denken, das ohne Sprache auskäme, ist einer Handvoll Genies vorbehalten. Wir übrigen, die Dinge zu erfinden, Abläufe zu koordinieren, komplizierte Entscheidungen zu fällen haben, wir brauchen einen klaren Kopf mit dem angemessenen Sprachgebrauch, sonst kommt kein Denken zustande, nur Wiederkäuen von anderer Leut‘ Gedankenfetzen. Was wir daher überhaupt nicht brauchen, sind Ideologen die uns im Gebrauch der Sprache Gesinnungsfallen stellen.

Das Dumme ist: In den Ämtern wird so gesprochen, von dort sickert die Unsitte in den Alltag. Da wappnen sich Vereine, die auf öffentliche Förderung hoffen, mit der passenden Ausdrucksweise, der Antrag soll ja nirgends verschütt gehen. So breitet sich die Seuche aus, mittlerweile auch vom Schulamt über die Lehrerzimmer und Elternabende, bis in jeder Verlautbarung die „Lieben Kolle‘n und Kolleg’n!“ beschworen werden, man kann es schon nicht mehr hören, man hört nicht mehr hin. Die Sprachhülse besiegt das Durchdachte, die Floskel besiegt den Inhalt.

Als die Südafrikaner One Man One Vote forderten, haben nicht einmal die Machos unter den Schwarzen gemeint, das ginge ohne die Frauen ab.


[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/guantanamo-gefangene-von-waerterinnen-zum-sex-gezwungen-a-1013936.html

Dieser Beitrag erschien auch in den Sprachnachrichten des VDS Nr. 65 (I 2015)

Oliver Baer @ 22:51
Gespeichert in: Gesellschaft
Dresdner Demos – kein Nachruf

Beitrag vom 11 Februar 2015

Es gilt Pegida zu rezyklieren (© Fotolia)

Aus dem Westen erreichen mich empörte, hämische, auch verletzende Imäils. Sie bringen mich in eine peinliche Lage. Als Dresdner Bürger habe ich nämlich keine Lust, pegidisches Dumpfbackentum zu verteidigen. Aber bei einigen Kollegen im Westen setzt das klare Denken aus, sobald sie am Gutmenschennerv berührt sind. Ausnahmsweise daher an dieser Stelle ein sehr persönlicher Beitrag.

Eines vorab: Die Pegida ist keine Partei, als Verein hat sie sich sofort gespalten, sie ist auch darnach keine homogene Gruppierung. Selbst wenn sie eine Partei wäre: Auch wir Bravdemokraten machen unser Wahlkreuzchen bei einer Partei, die nicht in allen Positionen der Unseren entspricht. Soll das bei einem heterogenen Haufen wie Pegida etwa geradliniger verlaufen? Ja sicher sind am Dresdner Elbufer auch Islamhasser mitgelaufen. Ich vermute allerdings, sie waren zumeist vom Islam Verängstigte, zum Hassen fehlte das Wissen. Diesen Punkt heben wir uns für den Schluss auf.

Auch Neonazis sind da mitgelaufen. Abgesehen vom Theater in den Medien bleibt ihnen in Dresden der Erfolg versagt. Ja doch, in Sachsen gibt es Braune, und Ihr Gutmenschen haltet sie am Leben. Ihr überlasst ihnen Themen, die eine seriöse Auseinandersetzung verdienten, zum Beispiel was dabei herauskommt, wenn an den Universitäten die Muttersprache durch Englisch ersetzt wird. Schon die Erwähnung dieser Sorge verwechselt Ihr mit Nationalismus. Dann greifen die Braunen das Thema auf, bestätigen Euer Vorurteil und voilà: Es ist ja so schön recht zu haben. Das bedeutet trotzdem nicht, dass im Abseits steht, wer sich in der Gegenwart von Unanständigen zu Wort meldet. Nach solcher Logik wären die Dresdner Straßenbahnen zu meiden, da wurden auch schon Neonazis gesichtet.

Ihr habt mit der Sprache Probleme. Kaum verhält man sich wie ein Profiler – der versucht den Kriminellen zu verstehen, damit er ihm auf die Schliche kommt –, gilt man schon als Versteher: Putinversteher, Pegidaversteher, mein Gott ist das eine Plattdenke! Den Unterschied zwischen verstehen und billigen findet Ihr im Wörterbuch. Und da wir gerade dabei sind: „Das kann man nicht vergleichen!“ ist auch so ein Killerargument. Vorsicht, Gehirn einschalten: Ohne den Vorgang des Vergleichens lässt sich nicht ermitteln, ob zwei Dinge einander gleichen, vielleicht dasselbe sind, oder ob Parallelen an den Haaren herbeigezogen wären. Wer sich über die platten Parolen der Pegidisten erhebt, sollte erst schauen, dass er sprachlich mithält, statt Blähwörter für Überschriften in der taz abzusondern.

Dass Medien und Politiker die Dresdner Demonstranten vorsorglich zwischen dumm, sehr dumm und saudumm ansiedelten, war – im luftleeren Raum – eine tapfere Tat. Es diffamiert sich halt umso leichter, wenn man moralisch die besseren Karten hält. An dieser Platzierung fehlt aber die Wirklichkeit der Nichtwähler, in Sachsen immerhin die Hälfte der Wählerschaft. Darunter befinden sich informierte Bürger, deren IQ dem eines beliebigen Abgeordneten nicht nachsteht. Auch Gutbetuchte haben mit der Pegida demonstriert. Aber verärgerte Gebildete gelten nicht, die sollen mal mit sich selber ins Reine kommen. Sie können doch eine Petition schreiben, oder einer Partei beitreten, ja, oder eine eigene Zeitung gründen. Na siehste, geht doch, die Demokratie. Was die Leute bloß haben, dort in Dresden!

Aber gut, gehen wir der Sache auf den Grund. Mitbürger in prekären Verhältnissen bildeten offenbar eine Mehrheit der Demonstranten, darunter Viele, die der Altersarmut ins kalte Auge blicken. Hallo Fettsäcke! Angst ist kein Doping für klares Denken, so wenig wie Hochmut. Verständnis für die Angst der Mitbürger wäre immerhin ein Ausgangspunkt, besser als: „Die Rente ist sicher!“ Und wenn diese Bürger falsch informiert sind über die staatlichen Leistungen für Flüchtlinge, Asylanten und Einwanderer, und wenn sie diese mit dem vergleichen, wovon sie leben müssen – dann liegt das woran? Vielleicht auch an den Medien? Die sich lieber an allem aufgeilen, was vorgeblich „die Leser so wollen“. Ach ja? Und dafür verteidigen so naïve Publizisten wie ich die Pressefreiheit. Ja doch, die Parole von der „Lügenpresse!“ erinnert im Wortlaut an die Nazis, ein geschmackloser Fehlgriff. Aber ist das Gefasel im Bundestagswahlkampf von geistig höherem Gehalt?

Die Medien verlieren ihre Daseinsberechtigung, wenn sie sich auf dem Niveau des Internets bewegen. Wer hat es den Netzbürgern vorgemacht, wie man Leute und Sachen herunterreißt? Wer sonst trägt die Schuld, wenn in Sachen Islam bei den Bürgern nur hängen bleibt, wie der muslimische Schüler seine Lehrerin als Nutte beschimpft. Weil sie es wagt eine Frau zu sein. Tja, was denken sich diese Lehrerweiber, den Islam so zu beschmutzen! Wenn wir uns schon streiten, ob die Muslime zu Deutschland gehören: Über den Islam gäbe es auch Werthaltigeres zu berichten. Ohne Häme.

Ängstliche Bürger fragen, wieso wir Hassprediger nicht hindern junge Leute zum Dschihad zu verführen – bei deren Rückkehr aus Syrien wir dann alle, nicht nur in Dresden, Angst haben dürfen, dass sie Bomben auf Bahnhöfen unterbringen? Wieso wir es zulassen, dass in saudiarabisch finanzierten Moscheen mitten in Deutschland eine wahabistische Perversion des Islam gepredigt wird. Die aus einem Land stammt, wo Frauen nicht alleine ans Steuer dürfen. Da wir gerade medialen Schwachsinn erörtern: Muslime müssen offenbar erheblich mehr als „nur 0,4 Prozent der Dresdner Bevölkerung ausmachen“, bevor man etwas gegen wahabistische Hassprediger haben darf ohne gleich vom SPIEGEL verhöhnt zu werden?

Genug zurückgepöbelt. Das Pegida-Syndrom lebt weiter. Wer Missstände herausschreien muss, die den gewählten Politikern auch ohne Protest schon lange hätten bekannt sein dürfen, den kümmert kaum, wenn in seiner Demo ein paar Gehirnamputierte mitlaufen. Na und, manche bringen ihrer Mutter Blumen zum Geburtstag! Verachten wir dann die Blumenläden oder die Mütter, die den Strauß nicht gleich in den Müll werfen? Eine Demokratie, die von der Hälfte ihrer Bürger in Wahlen nicht mehr bestätigt wird, hat ein Problem. Das lässt sich auf zweierlei Weise lösen: Die Politiker gehen in sich und ermitteln, wieviel sie zum Problem beitragen. Oder sie verstoßen das Volk und wählen ein neues.

Oliver Baer @ 22:07
Gespeichert in: Gesellschaft
Jeder fünfte Europäer kann nicht richtig lesen

Beitrag vom 31 Januar 2015

Jeder fünfte Europäer kann nicht richtig lesen. Englisch? Nein, was er nicht richtig liest, ist seine Muttersprache. Mit Englisch sind es noch weniger, die damit zurecht kommen.

Jeder 5. Deutsche versteht nur kurze simple Texte. Wie das Nachrichtenportal „Der Westen“ berichtete, liegt „der Anteil derjenigen, die allenfalls kurze Texte mit schlichtem Vokabular verstehen können, (…) in Deutschland mit 17,5 Prozent höher als in der OECD insgesamt (15,3 Prozent).“ In kaum einem anderen
Land hänge die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab.

Wer seine Aufmerksamkeit darauf verwendet, eine fremde vor seiner eigenen Sprache zu lernen, wird beide Sprachen nur schwach beherrschen.

Auflösung: “Please close gate with padlock”

Oliver Baer @ 17:41
Gespeichert in: Gesellschaft
Spät kommt ihr, doch ihr kommt

Beitrag vom 19 November 2014

Wofür private Haushalte Energie benötigen (© Sebastian Matthies)

Wenn ich mal Ihren Blick auf etwas lenken darf, zu dem die Sprache viel beiträgt, aber nicht den Inhalt der Sache darstellt:

Da nun die Energiewende so gut wie abgeblasen ist, hätte die Regierung Gelegenheit alle Projekte zu stoppen, die zur Wende eh nichts beitragen und stattdessen zu fördern, was nichts kostet, aber die Wende noch retten könnte. Vielleicht nicht ganz, aber einen Löwenanteil der Wende könnten die Bürger noch erzwingen.

 border=

Viel Solarthermie, wenig (oder wie hier) keine Photovoltaik - aus gutem Grund (© Sonnenhausinstitut)

Wie Sie das anstellen sollen? Indem Sie erst einmal nichts tun als sich zu informieren, was es – außer kostspielig geförderten – technischen Lösungen noch geben könnte. Eine davon ist die Solarthermie, die fast immer mit Photovoltaik verwechselt wird. Sehen Sie sich das Schaubild links oben an: Das ist die Wirklichkeit in deutschen Haushalten: Die meiste Energie geht zum Heizen drauf (auch zum Duschen), und ziemlich wenig für Dinge, die halt nur mit Elektrizität gelingen (Händi aufladen, zum Beispiel). Solarthermie benötigt zur Versorgung Ihres Haushalts mit Wärme nur Hilfsstrom. Wie das alles funktioniert, erklärt unser Buch, und weshalb es auch für Sie lesbar ist, hat ein Kritiker wie folgt beschrieben:

“Drei Ingenieure mit Leidenschaft für Kommunikation und pädagogischer Ader tun sich zusammen, um ein Buch zu schreiben. Das ist ein Glücksfall für die Solarthermie und alle, die als mehr oder weniger Laien an ihr interessiert sind. Fachleute dürfen das Buch wegen seines durchaus gegebenen Unterhaltungswertes lesen und sollten es allein schon deshalb tun, weil man hier lernen kann, wie man Solarwärme Kunden, Politikern, aber auch Fachidioten nahebringen und erklären kann.”

Ein Buch das die Energiewende noch retten könnte ... (© Sebastian Matthies)

Ja, es ist eine Übertreibung, aber nicht ganz von der Hand zu weisen, dass es die Energiewende noch retten könnte, wenn dieses Buch gelesen würde. Tatsächlich wird durch mehr Solarthermie das öffentliche Stromnetz entlastet (durch Photovoltaik wird es strapaziert), und wir, die Gesellschaft, der Staat, könnten daher auf besonders aufwendige Techniken verzichten – Techniken, die zwar keiner bezahlen möchte, an denen aber einige Anbieter (die mit einer starken Lobby) gut verdienen. Das Dumme ist: Politiker informieren sich ungern über das Vernünftige, sie regieren lieber so, dass Leute sie wiederwählen, die sich nicht informiert haben.

Bestellen Sie bitte am besten mit einem Klick bei der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (Landesverband Franken). Dann erleben sie auch, wie sich die Autoren an Wolf Schneider orientieren: “Information bedeutet nicht: Ich habe etwas mitzuteilen. Information bedeutet auch nicht: “Ich bemühe mich, es verständlich mitzuteilen.” Information bedeutet: “Ich bin verstanden worden.” – Das ist uns in diesem Buch streckenweise gelungen. Vielleicht kommt es noch zur rechten Zeit.

Oliver Baer @ 16:59
Gespeichert in: Gesellschaft
Wrotzlaff ist falsch

Beitrag vom 15 Oktober 2014

Wrotzlaff lässt sich wirschlos bellen, besser als Breslau (© Behland)

Städtenamen der östlichen Nachbarn lösen bei uns eine partielle Schuldstarre aus. Zwar reisen wir unbeirrt nach Neapel, wo die Italiener stur bei Napoli bleiben, und nach Lüttich, das den Belgiern je nach ihrer Sprache als Liège oder Luik vertraut ist. Aber sobald wir gen Osten blicken, trübt sich der Sinn.

Ähnliches gilt für Rom und Roma, welches nicht zu verwechseln ist mit einer anderen Gutmenschenfalle namens …euner, die wir heute aber nicht verarzten können. Stattdessen fahren wir gern nach Kopenhagen, nicht København, denn wir haben keinen Schimmer, wie das auf Dänisch auszusprechen wäre. Oder wir überspringen diesen Stopp und ziehen weiter nach Schtockholm, wie wir zu sagen pflegen.

Anders im Osten. Da kennen wir kein Eger, nur Cheb (welches wir als Tscheb, also falsch wiedergeben). Danzig kommt nur als Gdansk vor, die Besonderheit des n-Lautes fällt uns gar nicht erst auf. Wir lassen uns nicht einmal von polnischen Besuchern beirren, die als Heimat ohne Zögern Breslau angeben. Für uns hat diese Stadt Wrocław zu heißen, in vorweg genommener Durchquerung des Fegefeuers zwecks Tilgung der Sünden unserer Väter. Dem gesellt sich oft als weiteres Motiv hinzu, dass wir unsere Weltläufigkeit beweisen: Wir kennen nämlich die Originalnamen der Städte, jawoll! Ein hübscher Gedanke. Etwas fehlt ihm. Er stimmt nicht. Das liegt nicht nur an der auch hier falschen Aussprache – ein Problem das rückstandsfrei zu lösen wäre mit dem deutschen Namen: Breslau ist kein Zungenbrecher.

Weshalb der hübsche Gedanke falsch liegt, klärt sich beim Blick auf eine Eigenschaft der slawischen Eigennamen. Wie wir früher noch Helenen verehrten (heute Helene), deklinieren die Slawen ihre Namen aber bis heute. Bei uns ist nur der Genitiv übriggeblieben: Berlins bestes Bistro. So bleibt als ein Gebot der Höflichkeit, dass wir die Grammatik unserer Nachbarn respektieren. „Wir fahren nach Breslau“ ist „Jedziemy do Wrocławia“ – man beachte die Endung /ia/. Komme ich aus Breslau, dann heißt es z Wrocławiu, mit /iu/ am Ende. Das ist keine Spielerei, dafür gibt es in Klassenarbeiten Punktabzug – in Polen. Wenn wir uns so frech an der Deklination der slawischen Sprachen vergehen, sind wir nicht nur unhöflich, wir sind überheblich. Umso mehr, wenn wir Wrocław als Wrotzlaff herunterschnarren wir die Wehrmachtsoffiziere in Hollywoodfilmen. So einen Akzent lieben sie im Ausland an uns Deutschen ganz besonders. Also: wenn schon politisch korrekt, dann bitte korrekt!

Aber selbst das bleibt ein Unfug, denn das Theater ist vergebens und verlogen. Kaum ein Deutscher sagt Warszawa oder Mосква, keiner haucht das /p/ in Paris wie die Franzosen und wenn Deutsche London sagen, hört man deutlich zweimal ein /o/. Die Städte bei ihrem deutschen Namen zu nennen, ist nicht falsch, es entspricht den internationalen Gepflogenheiten. Kein Italiener geniert sich unser schönes München als Monaco zu kennen (auf der ersten Silbe betont, bitteschön) und Köln als Colonia. Falls wir also Strasbourg weiterhin Straßburg nennen, verrät das keine latente Rückforderung des Elsass von den Franzosen, sondern es verweist auf das globale Gewohnheitsrecht bei geografischen Eigennamen. International wichtige Orte werden meist in der eigenen Sprache genannt, mit grenznahen geschieht ähnliches.

So vermeiden wir die Parteinahme in einem innerbelgischen Zwist, wenn wir Löwen besuchen, das den Wallonen als Louvain, den Flamen als Leuven bekannt ist. Nennen wir die böhmische Hauptstadt Prag und trösten wir uns mit dem Wissen, dass uns bei konsequenter Deklination von Praha die Haare einzeln ausfallen würden. Und was Breslau anlangt, gibt es viel Anlass die Annäherung der vergangenen zwanzig Jahre zu würdigen. Breslau war vor 130 Jahren die drittgrößte deutsche Stadt und nicht nur nebenbei eine bedeutende Stadt für das deutsche Judentum. Im Jahr 1919 gaben 95 Prozent der Einwohner Deutsch als ihre Muttersprache an, 3 Prozent Polnisch. Dieser Tage ist es eine polnische Stadt, und das nicht zu ihrem Nachteil, denn dort summt und brummt es nur so, auch von gemeinsamen Initiativen der Polen und Deutschen.

Politische Korrektheit ist kein Ersatz für Wissen und keine Entschuldigung für Arroganz gegenüber anderen Sprachen – bloß weil wir unsere geschichtlichen Komplexe auf Kosten der Nachbarn aufarbeiten. Das würde nur die verbohrte Eitelkeit von Provinzlern beweisen, aber keine Weltläufigkeit. Der wahre Name lautet auf polnisch Wrocław, auf deutsch Breslau.


Dieser Beitrag erschien auch in den Sprachnachrichten des VDS Nr. 64 (IV 2014)

Oliver Baer @ 14:00
Gespeichert in: Gesellschaft
China spricht total Englisch

Beitrag vom 10 Juni 2014

Kurz, knapp und klar übersetzbar ins Englische (© Fotolia)

Die Chinesen lesen und verstehen Englisch, außerdem sprechen sie es, ihre Regierung jedenfalls verlautbart auf Englisch. Oder auf Chinesisch. Oder nichts Genaues weiß man nicht? Am besten wir fragen jemand, der dort war.

Da trägt im Chinesischen Pavillon zu Dresden ein Experte aus seiner dreijährigen China-Erfahrung vor, farbig, aufschlussreich, man merkt, er ist neugierig auf das Fremde, das Andere und er berichtet mit Rücksicht und Einsicht. Der Referent spricht Deutsch, gutes Deutsch, ein paar Gutmenschen-Anglizismen kann man ihm nachsehen.

Nicht zu übersehen sind die per Powerpoint an die Wand geworfenen Zitate aus chinesischen Quellen, darunter die Regierung; The war on Pollution liefert den Titel des Vortrags. Zu überhören sind auch nicht seine Hinweise auf die chinesischen Friends of Nature. Im Publikum wächst die Überzeugung: “China kann Englisch!” Nun ist ja einzusehen, dass kein Europäer viel verstünde, wenn ihm diese Texte auf Chinesisch pauergepeuntet würden. Vermutlich ist deswegen alles übersetzt, ins Englische.

Der Sprecher ist übrigens in der DDR aufgewachsen, Englisch war ihm nicht in die Wiege gelegt. Sein Vortrag ereignet sich in Sachsen, wo der Anteil der Englischkenner überschaubar ist. Immerhin, die Dresdner wissen, was sie wissen und was nicht. Einen Sprachkundigen hätte jedenfalls gestört, dass der Referent im englischen Titel Krieg gegen die Verpestung das eine, das wichtigste Wort klein geschrieben hat. Dabei soll es ausdrücklich den Kontrast betonen zu früheren Aufrufen der Regierung. Diese galten der Harmonie, dem Traum, und nun dem Krieg: The War on Pollution. In englischen Titeln, liebe Englischbesserwisser, wird außer den Partikeln jedes Wort groß geschrieben. Besonders das wichtigste Wort in der ganzen Überschrift!

Eine lässliche Sünde, ein Tippfehler? Sicherlich, müsste man nicht dauernd mitanhören, wie da jemand falsch singt. Die Chinesen sprechen nicht Englisch, auch Deutsch nur ausnahmsweise, sie bedienen sich ihrer Muttersprachen – jawoll, da staunt der Laie. Man muss ihre Rede für unsereins übersetzen, aber warum das auf dem Umweg über Englisch besser gelingen sollte als direkt ins Deutsche, erschließt sich dem Publikum nicht.

So hat der Vortrag im Chinesischen Pavillon einen weiteren Beleg geliefert, dass unsere Sprache auf dem Rückzug in die Bedeutungslosigkeit der Ziellinie immer näher kommt. Da sagt man es lieber falsch über die englische Sprache als um Präzision bemüht in der eigenen. Na und? In einer der klügeren Wortmeldungen nach dem Vortrag fiel das Wort level, gemeint war Niveau, kurz darauf kamen „lebbel“ zur Sprache, gemeint waren labels = Etiketten, akustisch von level nicht zu unterscheiden. Nun denn, wenn wir unsere Muttersprache als entbehrlich abwerfen und ersatzhalber das Englische nur auf dem zweithöchstem Lebbel gebacken bekommen, haben wir unseren Lewwel der geistigen Bedeutungslosigkeit bereits verdient.

Wir können das Thema Muttersprache bald begraben. Die Linken und die Grünen halten die deutsche Sprache für ein bürgerliches Thema mit rechtslastiger Schieflage (ihren Marx kennen sie nicht, Brecht bedeutet nichts und von Tucholsky keine Zeile gelesen), die Christ- und die Sozialdemokraten verpennen die Sprachfrage (war da was, da war doch was, so mit Rechtschreibung, oder wie?), allen gemeinsam ist der politische Flachsprech, der mit der deutschen Sprache allenfalls die Benutzeroberfläche teilt.

Ihr werdet euch noch wundern, was Ihr mit der Muttersprache entsorgt habt. Sicher, manches im Leben ist ersetzbar, aber nicht alles. Statt Kaffee geht Tee, statt Kupfer genügt für Kabel Aluminium, statt Weizen schmeckt auch der Reis. Energie ist durch nichts ersetzbar, Sprache auch nicht. Da gibt es nur die Wahl zwischen Sprache, in der man Gedanken fasst und Taten vollbringt oder einem Wischiwaschi, das zum Leiken und Teilen genügt.


Dieser Beitrag erschien auch in den Sprachnachrichten des VDS Nr. 63 (III 2014)

Oliver Baer @ 09:42
Gespeichert in: Gesellschaft
Fähns und Fenns sowie Zuschläger

Beitrag vom 5 Juni 2014

Hulig'n unterwegs zum Rudolf-Harbig-Stadion (© Behland)

Anglizismen gedeihen am schönsten, wenn beim Sprecher und beim Hörer das Gehirn in die Halbzeitpause verschwindet. Da stört kein Denkversuch die eingefahrenen Sprachmuster.

Ein Beispiel dafür sind die Fans von Dynamo Dresden. Zwar trennt der Autor des folgenden die Böcke brav von den Schafen: „Teile der Fanszene haben also mal wieder das Bild bestätigt, das Fußball-Deutschland sowieso von Dynamo Dresden hat – ungerechterweise allerdings von dessen gesamter Fanszene.“ (in Spiegel Online unter dem Titel: Randale bei Dresdens Abstieg: Getroffen bis ins Mark)
Dennoch findet der Autor keinen Weg aus dem Dilemma, dass Fans und Fans zweierlei Getüme sind.

Auf die Idee ganz einfach zwei Wörter für zwei verschiedene Gruppen von Menschen zu verwenden, kommt er nicht. Notfalls könnte er sich beim Englischen bedienen und die Fans von den Hooligans unterscheiden. Diesen Unterschied begreifen sogar Sportreporter: Fähns, liebe Leute, sind die Anhänger eines Vereins, sie bezahlen Eintritt damit sie ihren Verein spielen sehen und feuern ihn dabei an, sie bringen die Kinder mit und verzehren geschmacksarme Bockwürste. Huhlig’ns unterscheiden sich von den Fähns, indem sie über den Durst trinken und weniger das Spiel als die Randale schätzen, meistens nur diese, und den Anlass dafür schaffen sie sich notfalls selber. Womit sie an Tucholskys Beschreibung des Hundes erinnern:

„Der Hund bellt immer. Er bellt, wenn jemand kommt, sowie auch, wenn jemand geht – er bellt zwischendurch, und wenn er keinen Anlaß hat, erbellt er sich einen.“

So erbellen sich die Huhlig’ns ihre eigenen Befindlichkeiten, zu denen eine jedenfalls nicht zählt: die Vereinstreue. Sonst würden sie brav mit den Fähns leiden, still den Heimweg antreten und einander versprechen bessere Menschen zu werden, vorausgesetzt Dynamo steigt nicht ab.

Dynamo ist aber abgestiegen, und nun wäre es zur Abwechslung ganz nett, wenn die Medien aufhörten die Fähns mit den Huhlig’ns zu verwechseln – das kann so schwer nicht sein. Oder? Für Hooligan schlägt mein Wörterbuch vor: der Krawallmacher, der Rabauke, der Randalierer, der Rowdy, ich füge hinzu: der Zuschläger. Wenn es schon Lehnwörter sein müssen: Männliche Fähns sind aficionados, weibliche sind aficionadas, zu deutsch: Kenner, auch Liebhaber. Jedenfalls ist es grotesk, wenn man die Fähns haften lässt für die Taten der Huhlig’ns. Das ist sozialpädagogisch so nahrhaft wie für die Gesundheit ein Teller Cornflakes.

Andererseits muss man verstehen: Bei Blutleere im Hirn gedeihen keine Gedanken, nur Reflexe, und falls die Sprache eine solche Ödnis wiedergeben muss, genießen wir schon, wenn die Leute ihre Anglizismen richtig aussprechen: Fenns ist schon mal total falsch, richtig ist Fähns mit langem Ä, und die Huhlig‘ns sind keine Huligääähns, sondern Blödmänner, die im Stadion nichts zu suchen haben, sondern in eigene Kampfstätten draußen im Grünen gehören, wo sie nur mit Schlägerausweis eingelassen werden.

Wenn ihr die Huhlig’ns so loswerdet, dürft ihr von mir aus die Fans auch Fenns nennen …

Oliver Baer @ 21:05
Gespeichert in: Gesellschaft
Es spielt doch eine Rolle

Beitrag vom 14 April 2014

Wenn zwei Dinge weder dasselbe noch das Gleiche sind (© Fotolia)

Es ist keineswegs gleichgültig, wie wir eine Sache benennen und welche Wörter wir uns verkneifen. Wie Jürgen Trabant ausführte [1], ist es nicht das Gleiche, ob uns eine Person als Freiheitskämpfer oder als Rebell vorgestellt wird.

„Das kann man nicht vergleichen!“ klingt hohl. Der Satz enthält so viel Kalorien wie: „Nachts ist es kälter als draußen.“ Wer A und B für unvergleichbar hält, musste zuerst was tun? Er musste A und B nebeneinander stellen und vergleichen, sonst hätte er zu seinem messerscharfen Schluss nicht gelangen können, dass man A mit B nicht vergleichen könne. Gemeint hat dieser Hohlsprecher etwas anderes: Man könne A mit B nicht gleichsetzen. Tatsächlich sind vergleichen und gleichsetzen nicht das Gleiche, und woher wissen wir das? Indem wir die Bedeutung der Wörter nebeneinander … wie gehabt, siehe oben!

Wer das Wort gleichsetzen aus seinem Wortschatz streicht und vergleichen sagt, wo gleichsetzen korrekt wäre, der halbiert an dieser Stelle sein Denkvermögen. Vergleichen brauchen wir zum Überleben: Zielt dieser Kerl mit der Stange auf meinen Kopf oder will er bloß den Mond weiterschieben – gehe ich in Deckung oder lade ich ihn zu einem fidelen Bierchen ein? Wer sich verbietet, die Verbrechen Hitlers mit denen Stalins und Maos zu vergleichen, dem fehlt die Erkenntnis, dass auch Pol Pot in die Kategorie „Massenmörder“ gehört: Gemessen an der Gesamtbevölkerung, hat er mehr Menschen auf dem Gewissen als die anderen Verbrecher. Wir aber lassen solche Leute an die Macht kommen, lassen uns von ihnen täuschen, wir lassen ihre Massaker zu, und hinterher behaupten wir einfach, das könne man alles nicht vergleichen. Sehr praktisch.

Gut ist auch der „Russlandversteher“ oder „Putinversteher“. Anlässlich Obamas Besuch mussten die Dresdner Bürger hinnehmen, dass die Stadt weitgehend stillgelegt wurde; die Gullideckel waren verschweißt, der Verkehr wurde weiträumig umgeleitet, alle hielten den Atem an: Der ist bald wieder weg! Als hingegen Putin zuletzt in Dresden war, begrüßten ihn zwar Dresdner Bürger mit „Mörder“-Rufen (wegen der Journalistin Politkowskaja). Trotzdem verließ er am Morgen sein Hotel, spazierte gut zwei Kilometer durch die Altstadt, überquerte lose aufliegende Gullideckel und kehrte bei einem Bäcker ein. Ungezählte Dresdner haben ihn erkannt: “Hier liest Putin bei Kaffee & Schnecke die Morgenpost”. Will sagen: Einem Vladimir Putin droht man nicht, dazu hat der Mann zuviel Courage. So einem schlägt man sofort auf die Nuss, oder man lässt es bleiben; man steht nicht herum und schaut gefährlich drein. Am besten, man überlegt sich etwas Klügeres als ein Gerede, dessen Hohlräume dem Gegner bekannt sind.

Nach Jahren einer sagenhaft ungeschickten Russlandpolitik seitens der EU, der NATO, der USA und ihrer eigenen Regierung haben viele Deutsche das Recht, die Weisheit der Oberen zu bezweifeln. Ob sie selber klüger wären, sei dahingestellt, aber diese Bürger als Versteher zu verunglimpfen, ist ganz einfach saudummes Zeug. Derartige Sprachregelung dient nur einem Zweck: Es gibt Gedanken, die dürfen uns gar nicht erst kommen, und wenn, sollen wir uns wenigstens schämen.

Was wäre unsere Gesellschaft ohne Versteher? Kann ich mich in den Kerl mit der Stange hineinversetzen? Wenn nein, sollte ich die Straßenseite wechseln. Was die Sprachregler meinen, ist etwas anderes: Sie möchten nicht, dass wir Putins Verhalten billigen, rechtfertigen, unterstützen. Dann sagt es doch, ihr Lautsprecher, statt mit amputiertem Wortschatz euer Denken zu beschränken!

Übrigens: Äpfel und Birnen sind Obst.


.
.
[1] Feige Rhetorik, Süddeutsche Zeitung, 28. März 2014_blank


Diesen Beitarg konnte man auch in den Sprachnachrichten des VDS lesen: Nr. 62 (II 2014)

Oliver Baer @ 21:17
Gespeichert in: Gesellschaft
Schlimmer als die verpatzte Energiewende

Beitrag vom 7 April 2014

very strong engländisch (© Behland)

Wie Zocker verspielen wir eine Ressource, ihr Verlust wird uns teurer zu stehen kommen als die verpatzte Energiewende.

Unsere Enkel werden fragen, warum wir die Muttersprache nicht auf dem Niveau hielten, das die deutschen Nobelpreisträger (darunter viele Juden) des vorigen Jahrhunderts verwendeten. Sie werden fragen, was wir unternahmen, damit nicht jeder fünfte Jugendliche schon sprachlich am Fahrkartenautomat versagt. Warum Wissenschaftler in schlechtem Englisch statt zuerst in gutem Deutsch publizieren.

Die Antwort: Wir ließen zu, dass die Muttersprache mit dem Vaterland zu einem Eintopf verrührt wird; der schmeckte braun, da fraßen wir lieber junk food aus Amerika.

Was wir mit Englisch anstellen, eignet sich zum Blödeln, nicht aber zum Denken. Gerade die deutsche ist eine jener Sprachen, die ihre Sprecher zum genauen Ausdruck ermuntern. Sie schubst, zügelt, quengelt: „Sag, wie es ist!“ Damit einher geht das klare Denken. Man kann in jeder Sprache Flugtechnik so beschreiben, dass die Flieger nicht vom Himmel fallen, in manchen aber geht es besser. Das beweisen die synoptischen Texte des Normenausschusses Luft- und Raumfahrt. Aus seinen Arbeitstreffen berichtete Gerhard Junker: „Das Ergebnis war stets: Kürzester Text war der englische, aber selbst die sprachstolzen Franzosen befanden: Der beste Text ist der deutsche.“

Das hat nichts mit Nationalismus, sondern mit realen Eigenschaften der Sprachen zu tun. Das Englische eignet sich zur leichtfüßigen Verständigung; deshalb ist es – trotz seiner vertrackten Rechtschreibung – die Weltsprache; für diesen Zweck wäre das Deutsche zu sperrig, besserwisserisch, es bremst die Verständigung. Andererseits kann man im Englischen mühelos zehn Minuten schwafeln, bis die Hörer merken: Der sagt ja nichts! Auf Deutsch wäre der nach einer Minute entlarvt.

Es gibt keine besseren und schlechteren Sprachen, es gibt Werkzeug für diesen oder jenen Zweck. Deutsch müsste aufgrund seiner eigenarten eine bevorzugte Sprache der Wissenschaften sein (wie sie es einmal war). Akademiker fallen lieber auf die Behauptung herein, dass die englische Weltsprache dem Austausch von Wissen am besten diene. Solchen Unfug nennt man Monokultur, das Gegenteil von geistiger Vielfalt. Zudem beherrscht weltweit nur eine überschaubare Zahl von Akademikern so gutes Englisch, dass mit Amerikanern ein Austausch auf Augenhöhe gelänge. In dem frommen Glauben, das alles geschähe folgenlos für ihre Wissenschaft, formulieren deutshe Akademiker holpriges Englisch. Ihre deutsche Terminologie verarmt und die Zusammenhänge radebrechen sie. Das Volk, das sich bei dieser geistigen Auszehrung der Restsprache bedient, hat zur Lösung der Weltprobleme bald nichts mehr zu bieten als eine verlängerte Werkbank.

Schuld an dieser Misere tragen nicht nur die Grünen und Linken, die nicht begreifen: Die geistigen Ressourcen zählen zu den endlichen Rohstoffen, sie müssen ständig erneuert werden. Wer glaubt, die Sprache „entwickle sich vonselber“, verhält sich wie der Faulpelz, der seinen Garten sich selbst überlässt: Sieger ist das „Unkraut”. Schuld tragen indes auch die Sprachschützer, denen der Unterschied zwischen Muttersprache und Vaterland nicht einleuchtet. Sie machen Sprachpflege zu einer deutschnationalen Angelegenheit, so als würde unsere Muttersprache nur in Deutschland gesprochen. Nebenbei: Die Sprache der Nazis war kein gutes Deutsch, sondern ein Gruselsurium der Aufgeblasenheit, auf die man hereinfiel, statt die Unwörter zu jäten.

Dass es bei liederlicher Sprache mit dem Denken bergab geht, ist in den Gesprächsforen des Internets zu besichtigen: Leere im Hirn, Mangel an einfachster Logik und Verfall der Sprache treten gemeinsam auf. Dagegen hilft, liebe Leute auf der Linken, auch nicht Euer geliebtes Englisch. Warum? Weil Schrumpfenglisch nicht genügt und gutes Englisch nur auf Grundlage der gepflegten Muttersprache gedeiht. Das zu kapieren kann so schwer nicht sein…


Der verstorbene Dipl.-Ing. Junker war Gründungsmitglied des Vereins deutsche Sprache

Oliver Baer @ 14:39
Gespeichert in: Gesellschaft
Auge um Auge

Beitrag vom 19 März 2014

Sprachfreunde lassen grüßen: Wie schön, dass wir euch nicht mehr ertragen müssen!(© Behland)

Heute wird mal nachgetreten, zwar freudlos aber gleich zweimal, da sich zwei Gegner der gepflegten Muttersprache in die Bedeutungslosigkeit verabschieden.

Der erste Fall betrifft Sebastian Edathy, aber nicht wegen der Sache, die ihm politisch das Genick gebrochen hat. Da er sich beklagt über die kalte Schulter, die ihm die SPD bietet, erinnere ich mich an eine TV-Runde, wo Edathy „Deutsch ins Grundgesetz!“ routiniert abwimmelte. Bekanntlich darf man auch über Deutsch als Landessprache verschiedener Meinung sein. Edathy aber vergriff sich gleich dreimal: Im Ton, der war anscheinend sachlich (anmaßend); in der Wahl seiner Argumente (längst widerlegt); und er vertat sich in der Temperatur (eisig). Bestens bekannt ist diese Kombination von der Blasiertheit der Politiker, die „keinen Handlungsbedarf erkennen“ und nie auf das Argument eingehen, sondern nur eines tun, das aber geübt: den Gegner mundtot machen. In der Erinnerung aus der Gesprächsrunde (s.unten) bleibt die Eiseskälte des Abgeordneten Edathy. Vielleicht erntet er von seiner Partei nur, was er auch dort gesät hat?

Der andere Fall betrifft Alice Schwarzer, deren Steuerprobleme hier ohne Belang sind. Wolf Schneider zählt sie zu den Persönlichkeiten, die den größten Einfluss auf die deutsche Sprache ausgeübt haben (neben Martin Luther und Konrad Duden). Um die Sprache geht es ihr aber nicht, sie missbraucht sie als Werkzeug (genau wie die Politiker). Auch das Schicksal der Frauen kümmert sie nicht, sonst wäre ihr Feminismus kein Krieg, sondern eine Annäherung zum friedlichen Ausgleich, also ein Erfolg. Was will Alice Schwarzer? Sie will piesacken, manipulieren, Macht ausüben, das hat sie selber vielfach bewiesen. Falls Sie das nicht glauben, schauen Sie doch genauer hin.

Was man statt mainstream gendering tun könnte, um zu einem – für Alle erfreulichen – Erfolg zu kommen, hat in einem Beitrag über Frau Schwarzer so wenig zu suchen wie eine Anleitung zum Getriebewechsel. Das sag ich als Sohn einer alleinstehenden Mutter, die zur Kontoeröffnung eine Erlaubnis ihres Mannes vorlegen sollte, und als Ehemann einer Frau, deren alleinstehende taubstumme Mutter sich genauso wenig unterbügeln ließ. Der bleibt unser Blick auf Schwarzers missratenen Feminismus recht nüchtern. Tragisch: Solcher Unfug entfremdet die Sprache von ihren Sprechern (zu Fuß Gehende statt Fußgänger). So viel Machtausübung stand dieser Frau nicht zu. Und Zigtausende, die unseren Müttern nicht das Wasser reichen könnten, sind der Schwarzer nachgelaufen. Na, vielleicht hat sich das endlich erledigt.


Die Diskussionsrunde im Fernsehen: Deutsch ins Grundgesetz – Überflüssig oder überfällig?, Phoenix Runde, 17.11.2010, Anne Gesthuysen diskutierte mit Prof. Monika Grütters (CDU), Sebastian Edathy (SPD), Wolf Schneider (Journalist und Sprachkritiker), Rudolf Hoberg (Gesellschaft für Deutsche Sprache).

Oliver Baer @ 19:05
Gespeichert in: Gesellschaft