{"id":95,"date":"2007-02-27T16:45:58","date_gmt":"2007-02-27T15:45:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.baer-coach.de\/tatze\/archiv\/95"},"modified":"2018-01-14T13:59:40","modified_gmt":"2018-01-14T12:59:40","slug":"spottolski-voll-fokussiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/spottolski-voll-fokussiert","title":{"rendered":"Spottolski voll fokussiert"},"content":{"rendered":"
Spottolski geht in die Politik! Eben noch wurde er auf Gottfried Kaisers Wiese bei fragw\u00fcrdigen Absprachen um Marktanteile beobachtet und nun h\u00e4ngt er das Marketing an den Nagel? Wir n\u00fctzten den Augenblick einer zeitweiligen Leere in seinem Napf, ihn zur Rede zu stellen.<\/em><\/p>\n „Ein Interju?“ Spottolski verlangte Thunfisch, frei Napf, ungef\u00e4hr ein bis acht Dosen, schon waren wir im Gespr\u00e4ch. Was er denn als Programm zu bieten habe, fragten wir. „Wieso Programm?“ Das sei \u00fcblich, ermunterten wir ihn, Politiker brauchen ein Programm, schon wegen des Profils. Profil, das leuchtete ihm ein. „Na sch\u00f6n,“ sagte er: „Marketing ist f\u00fcr Warmduscher!“ „Politik unterscheidet sich ja erheblich vom Marketing,“ fuhr Spottolski fort. „Im Markt wird den Kunden ein X f\u00fcr ein U vorgemacht. Das ist in der Politik ganz anders herum. Ich bin voll darauf fokussiert.“ Das werde die Italiener beeindrucken, versicherten wir. Ob er denn auch f\u00fcr etwas sei, wollten wir wissen. „Wir m\u00fcssen in der Familienpolitik einen beherzten Schritt nach vorne tun, in Richtung auf den richtigen Weg.“ erkl\u00e4rte Spottolski. „Wir stehen am Abgrund.“ „Willst Du die zentralen Eckpfeiler der Familie verschieben?“ wandte sie ein. So w\u00fcrde in der Politik aber nicht gesprochen, warfen wir ein. Politsprech sei in der Tat gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, gab Spottolski zu. Aber er w\u00fcrde jetzt pers\u00f6nlich beraten, jawohl, von Walter Kr\u00e4mer, einem echten Professor aus Dortmund, und alles, von wegen Die Ganzjahrestomate und anderes Plastikdeutsch<\/em> (siehe unten). <\/p>\n „Da kommt jede Menge Politik auf deine W\u00e4hler zu,“ kam ich Veronika zuvor. Spottolski \u00fcberlegte kurz, dann fragte er: „W\u00e4hler?“ Die m\u00fcsse er \u00fcberzeugen, brachten wir ihm bei, sonst w\u00fcrden sie nicht f\u00fcr seine Sache stimmen. Wir rechnen mit Spottolskis R\u00fcckkehr in die Wirtschaft. <\/p>\n Spottolskis Weisheiten werden befruchtet und sein Wirken befl\u00fcgelt durch Die Ganzjahrestomate und anderes Plastikdeutsch<\/a>, im Buchhandel seit dem 27. Februar k\u00e4uflich zu erwerben (auf Deutsch: zu kaufen). Kundige erkennen im Autor Walter Kr\u00e4mer, den Gr\u00fcnder des Vereins Deutsche Sprache e.V. und im anderen Autor jemand anders – n\u00e4mlich Roland Kaehlbrand, der hat schon mal Deutsch f\u00fcr Eliten<\/a> geschrieben. Das kann vorkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Spottolski geht in die Politik! Eben noch wurde er auf Gottfried Kaisers Wiese bei fragw\u00fcrdigen Absprachen um Marktanteile beobachtet und nun h\u00e4ngt er das Marketing an den Nagel? Wir n\u00fctzten den Augenblick einer zeitweiligen Leere in seinem Napf, ihn zur Rede zu stellen. „Ein Interju?“ Spottolski verlangte Thunfisch, frei Napf, ungef\u00e4hr ein bis acht Dosen, […]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-95","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spottolski"],"yoast_head":"\n
\n„Wieso Marketing ade?“
\n„Marketing ist K\u00e4se,“ verk\u00fcndete Spottolski, „Pauli ist kuhl.“
\n„Pauli?“
\n„Sie versteht was von Katern.“ <\/p>\n
\n„Ein durchdachtes Programm mit hohem USP,“ sagte Veronika, unsere Volont\u00e4rin (Kennzeichen: schlecht sitzender, immerhin kurzer Rock).
\n„Das auch,“ sagte Spottolski, „Mein USP ist die kooperative Zusammenarbeit.“
\n„Ein wei\u00dfer Schimmel,“ sagte sie.
\n„Wo? Den mach ich zur Schnecke.“
\nIch \u00f6ffnete die n\u00e4chste Dose Thunfisch.<\/p>\n
\n„Was sind deine politischen Pl\u00e4ne?“ fragte Veronika. (Gut drauf ist sie ja, dachte ich, bis auf das Rockfutter, nicht richtig vernietet, oder wie das hei\u00dft).
\n„Ich bin fokussiert, wiederholte Spottolski, „auf F\u00f6rmchen,“
\n„F\u00f6rmchen?“
\n„F\u00f6rmchen,“ erkl\u00e4rte Spottolski, „F\u00f6rmchen f\u00fcr Gesundheit, F\u00f6rmchen f\u00fcr Rechtschreibung, F\u00f6rmchen so weit das Auge nicht bricht.“ Er hielt inne. „Politik ist eine Art Kuchenb\u00e4ckerei.“
\n„Aber Reformen sind doch altbacken, die kauft dir keiner ab.“
\n„Abwarten.“ Er sei, wie gesagt, ganz sch\u00f6n voll drauf, sagte Spottolski, und der Migrationshintergrund m\u00fcsse weg: „Wird \u00fcberpinselt.“ Er sah aus, als k\u00e4me ihm ein Gedanke. „Pisa muss weg!“ f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\n
\nSo redeten Politiker, nickte die Volont\u00e4rin und ich auch. (M\u00fcsste das nicht Volont\u00e4rIn<\/strong> hei\u00dfen? Nicht, dass sich da ein Volonteur einklagt, der auch nicht bezahlt werden m\u00f6chte?) <\/p>\n
\n„Die Grundpfeiler unserer Familienpolitik verlangen eine positive Bilanz der Vermehrung …“
\n„… mehr Kinder?“
\n„Wir brauchen das Gender Mainstreaming. Jeder wird gleich bezahlt, auch die Vegetarier, zu Kompromissen bin ich bereit. Wir brauchen, ich sag dir, was wir brauchen: Die Geb\u00e4hrenmaschinenwende!“
\n„Ob das Frau Pauli gefallen wird?“
\n„Ich erkl\u00e4rs ihr. Die Miezen werden auf Vordermann gebracht.“<\/p>\n
\n„Dann kriegen sie eins vor den Latz!“ entschied er.
\n„Die Wahlen sind aber geheim.“
\n„Das ist nicht n\u00f6tig.“
\n„Damit soll verhindert werden, dass einer kommt wie du und die Leute m\u00fcrbe macht.“
\n„Ist das wahr?“ Spottolski sah nicht \u00fcberzeugt aus.
\nEs komme auf die F\u00e4higkeit an, die Dinge im gro\u00dfen zu ver\u00e4ndern, erkl\u00e4rte ich, notfalls auch gegen den kurzsichtigen Willen der W\u00e4hler. Da sei \u00dcberzeugungsarbeit n\u00f6tig.
\n„Da kenne ich mich aus,“ erwiderte Spottolski. Er stand auf und kratzte am Fenster, jemand m\u00f6ge ihn jetzt rauslassen.
\n„Ein anspruchsvolles Programm,“ sagte Veronika und zupfte an ihrem Saum.
\n„Und voll fokussiert.“ best\u00e4tigte Spottolski: „Das Interju ist vor\u00fcber.“<\/p>\n
\n