{"id":89,"date":"2007-02-28T16:05:57","date_gmt":"2007-02-28T15:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.baer-coach.de\/tatze\/archiv\/89"},"modified":"2009-06-06T23:45:47","modified_gmt":"2009-06-06T22:45:47","slug":"menschen-im-betrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/menschen-im-betrieb","title":{"rendered":"Menschen im Betrieb"},"content":{"rendered":"
F\u00fcr einen Kunden durfte ich eine Stellenanzeige formulieren. Zuvor hatte er seine s\u00e4mtlichen Mitarbeiter in einer Schulungsma\u00dfnahme aufgekl\u00e4rt, was sie wegen des Allgemeinen Gleichbehandungsgesetzes (AGG) von nun ab zu tun und zu unterlassen h\u00e4tten.<\/em><\/p>\n In der Anzeige formulierte ich „die Menschen im Unternehmen“. Die Firmenanw\u00e4ltin pr\u00fcfte den Text auf weiche Stellen, damit nur keiner wegen Diskriminierung klagen k\u00f6nne. Sie schlug vor, „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ zu sagen. „Wieso?“ – „Weil es AGG-m\u00e4\u00dfig besser klingt,“ schrieb sie zur\u00fcck. Meine Antwort: Siehe unten!<\/p>\n Etwa zur gleichen Zeit h\u00f6rte man im Deutschlandfunk einen Akademiker, der brachte in drei S\u00e4tzen viermal „Doktoranden und Doktorandinnen“ \u00fcber die Lippen. Ohne sich zu vertun. Nach dieser Logik wird demn\u00e4chst einer \u00fcber die Stasi-Informanten und Stasi-Informantinnen sprechen, \u00fcber M\u00f6rder und M\u00f6rderinnen, Veruntreuer und Veruntreuerinnen. F\u00e4llt es nicht auf, dass negativ besetzte Begriffe stets m\u00e4nnlich bleiben? Apropos Gleichstellung?<\/p>\n Mit Gleichbehandlung hat es wenig zu tun, wenn wir das grammatische Geschlecht mit dem verwechseln, was die Leute zwischen den Beinen haben. Sonst m\u00fcssten wir kl\u00e4ren, weshalb die Mauer weiblich ist und der Schuh m\u00e4nnlich. Es gibt Sprachen, da ist das grammatisch M\u00e4nnliche und Weibliche zu einem Geschlecht verschmolzen, dem sogenannten Utrum<\/a>. Das Englische gar kennt nur noch ein Geschlecht; Gleichbehandler h\u00e4tten wom\u00f6glich die Frage zu kl\u00e4ren, wie sich die Leute dort vermehren. <\/p>\n Um den Kern der Sache geht es in Wirklichkeit nicht. Tats\u00e4chlich kann mit Aussicht auf Erfolg ein B\u00f6swilliger drei Monatsgeh\u00e4lter einklagen, weil er sich durch ein Stellenangebot diskriminiert f\u00fchlt. Firma Hase sucht eine Sekret\u00e4rin<\/em>, das darf sie nicht. Es k\u00f6nnte sich n\u00e4mlich ein Mann melden wollen. Nehmen wir an, er wollte sich bewerben. Dann k\u00f6nnte er seinen Verstand einschalten und schreiben: <\/p>\n „Alles, was Sie laut Anzeige von einer Frau erwarten, kann ich besser als jede Sekret\u00e4rin, der ich begegnet bin. Muss es eine Frau sein oder wollen Sie mich zum Gespr\u00e4ch einladen?“ <\/p>\n Ich w\u00fcrde ihn sofort zum Gespr\u00e4ch bitten. Selbst wenn ich gute Gr\u00fcnde h\u00e4tte, eine Frau vorzuziehen, weil mich der M\u00e4nner\u00fcberschuss in meinem Betrieb nervt. <\/p>\n Solche Gedanken kann sich der Unternehmer von nun ab schenken, sie passen nicht in den Sinn des neuen Gesetzes. Es dient denen, die sich nicht bewerben wollen, eine flotte Mark zu kassieren. Seit dem AGG sind Vorurteile verboten, aber immer noch da. Mord und falsch parken sind auch verboten. Jetzt wohnen die Vorurteile eine Etage tiefer. Wo sie umso schwerer zu packen und so gut wie gar nicht mehr auszurotten sind.<\/p>\n Ist eine erzwungene Tugend eine echte Tugend, oder nur eine Pflicht\u00fcbung? Welchen moralischen N\u00e4hrwert besitzt vorurteilsfreies Handeln, wenn es vorgeschrieben wird? Eine Tugend, die wir selbst erwerben, schafft Charakter, eine auferlegte Aufgabe ersetzt den Charakter durch Druck von au\u00dfen. Druck schafft Gegendruck, also das Gegenteil dessen, was gew\u00fcnscht war. Jemand die Chance zu nehmen, dass er seine Tugend selbst erwerbe, hei\u00dft, ihm die W\u00fcrde zu verweigern, die ihm als Menschen zusteht beziehungsweise ihr als Menschen zusteht. Entschuldigung, das muss nat\u00fcrlich Menschin<\/strong> hei\u00dfen. Gar nicht so einfach, das.<\/p>\n Somit vergreift sich das Gleichbehandlungsgesetz am Grundgesetz, Artikel 1, Absatz 1: „Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar“. Und was sich in der Wirklichkeit abspielt, seit dieses Gesetz in Kraft trat, ist nur noch w\u00fcrdelos, und spottet vollends der Absicht des Gesetzes. Dabei w\u00e4re es so einfach gewesen, Gut und B\u00f6se zu unterscheiden, denn wie immer verr\u00e4t sich das B\u00f6se in seiner Sprache. Die Wortfolge „Doktoranden und Doktorandinnen“ beweist n\u00e4mlich keinen Respekt, sie verh\u00f6hnt die Zuh\u00f6rer und macht die Betroffenen zu Instrumenten einer Ideologie. <\/p>\n Meine Antwort lautete: „Hier beginnt der Widerstand!“<\/p>\n Die baerentatze verspricht: Hier wird auch in Zukunft f\u00fcr Menschen geschrieben.<\/p>\n F\u00fcr einen Kunden durfte ich eine Stellenanzeige formulieren. Zuvor hatte er seine s\u00e4mtlichen Mitarbeiter in einer Schulungsma\u00dfnahme aufgekl\u00e4rt, was sie wegen des Allgemeinen Gleichbehandungsgesetzes (AGG) von nun ab zu tun und zu unterlassen h\u00e4tten. In der Anzeige formulierte ich „die Menschen im Unternehmen“. Die Firmenanw\u00e4ltin pr\u00fcfte den Text auf weiche Stellen, damit nur keiner wegen […]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-89","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-marketing"],"yoast_head":"\n
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