{"id":5790,"date":"2023-07-31T17:46:23","date_gmt":"2023-07-31T16:46:23","guid":{"rendered":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/?p=5790"},"modified":"2024-04-03T14:32:29","modified_gmt":"2024-04-03T13:32:29","slug":"martin-walser-gestorben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/martin-walser-gestorben","title":{"rendered":"Martin Walser gestorben"},"content":{"rendered":"
\u201eMartin Walser war zeitlebens ein Beirrbarer. Daraus zog er seine enorme literarische Kraft\u201c , schreibt der Spiegel. Er war einer, der sich \u201est\u00f6rrisch einfachen Antworten verweigerte.\u201c In seinem Menschenbild k\u00e4mpft der Mensch mit sich, \u201eer macht es sich nicht leicht, und es ist nie leicht mit ihm.\u201c <\/em><\/p>\n Das geschah in einer Sprache, die alles m\u00f6glich macht, auch ihn falsch zu verstehen. Aber man muss sich mit Literatur eben ein bisschen bem\u00fchen. \u201eSolange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird\u201c, reagierte er auf Vorw\u00fcrfe \u00fcber die mangelnde Weitsicht seiner Romanfiguren im Nationalsozialismus. In besonderer Erinnerung geblieben ist der Eklat bei seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche am 11.Oktober 1998. Ihm wurde \u201egeistige Brandstiftung\u201c attestiert und, dass er einer \u201eSchlussstrichmentalit\u00e4t\u201c das Wort geredet habe. So gr\u00fcndlich missverstehen darf man jemanden nur absichtlich. Seine Dankesrede kann man nachlesen, und die Parallele zwischen dem Unverstand vor 25 Jahren und heute entdecken, da auf stichhaltige Argumente gar nicht erst eingegangen wird. Der kommunikative Widerwille verschmilzt zu einem Syndrom aus erstens nicht hinh\u00f6ren k\u00f6nnen (mit eigenen Gedankenfetzen besch\u00e4ftigt), zweitens nicht hinh\u00f6ren wollen (den Kerl wom\u00f6glich noch verstehen), drittens Deutsch nicht hinl\u00e4nglich beherrschen (da muss man ja mitdenken), viertens es nur nicht mit den Meinungsf\u00fchrern verderben. F\u00fcr Walser war \u201erecht zu haben ein minderer Bewusstseinszustand.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" \u201eMartin Walser war zeitlebens ein Beirrbarer. Daraus zog er seine enorme literarische Kraft\u201c , schreibt der Spiegel. Er war einer, der sich \u201est\u00f6rrisch einfachen Antworten verweigerte.\u201c In seinem Menschenbild k\u00e4mpft der Mensch mit sich, \u201eer macht es sich nicht leicht, und es ist nie leicht mit ihm.\u201c Das geschah in einer Sprache, die alles m\u00f6glich […]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-5790","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft"],"yoast_head":"\n