{"id":5189,"date":"2020-11-01T18:35:01","date_gmt":"2020-11-01T17:35:01","guid":{"rendered":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/?p=5189"},"modified":"2020-11-01T18:35:01","modified_gmt":"2020-11-01T17:35:01","slug":"was-man-so-sagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/was-man-so-sagt","title":{"rendered":"Was man so sagt"},"content":{"rendered":"
\u201eDas wird man doch noch sagen d\u00fcrfen!\u201c Kaum geh\u00f6rt, schon knallen die Jalousien herunter. Was sich wie Sprache anh\u00f6rt, ist Get\u00f6se; was fehlt, ist das Gespr\u00e4ch, die Er\u00f6rterung, worum es in Wirklichkeit gehen k\u00f6nnte. <\/em><\/p>\n Zur Erinnerung: Sprache kann zun\u00e4chst dem Versuch dienen, ein Problem zu beschreiben: \u201eH\u00f6r mal, mir geht da was durch den Kopf, das kapier ich nicht.\u201c Das w\u00e4re ein Einstieg, die Chancen auf gemeinsame Probleml\u00f6sung st\u00fcnden gut. Leider beginnt ein Streit selten so, sondern mit dem Schwung einer Wortkeule. Dennoch k\u00f6nnte man, bevor die L\u00e4den zuklappen, versuchen zuzuh\u00f6ren, auch wenn es schwer f\u00e4llt. Als erstes m\u00fcsste man diesen Busfahrer beim Wort nehmen, und wenn das nichts Gedeihliches ergibt, m\u00fcsste man sich, oder am besten Otto fragen: \u201eWas genau meinst du eigentlich?\u201c Gewalt ist n\u00e4mlich auch (Vorsicht, hier wird aufgekl\u00e4rt!), wenn die Lehrerin Karla gar nicht erst versucht zu verstehen, was der Busfahrer sagen m\u00f6chte, aber irgendwie nicht kann, schon gar nicht, wenn er schon anderswo abgeb\u00fcgelt wurde. Nun aber schreit er: \u201eDas wird man doch noch sagen d\u00fcrfen!\u201c, und wenn die Lehrerin nicht v\u00f6llig verbohrt ist, kann sie ihm auch ein bisschen Recht geben. So ganz grundlos hat er das nicht gesagt. <\/p>\n Was in dem Universum progressiver Lehrerinnen verp\u00f6nt ist, muss ein konservativer Otto meinen d\u00fcrfen, ohne dass er vom Kindergeburtstag ausgeladen wird. Die Nase r\u00fcmpfen hei\u00dft: \u201eDas muss ich mir nicht anh\u00f6ren\u201c, wom\u00f6glich gefolgt von: \u201eDu bist ein ***, mit dir rede ich nicht.\u201c Da aber k\u00e4mpft Kitsch gegen Kitsch, mit anderen Worten: Es wird versagt, das Gespr\u00e4ch wird vers\u00e4umt, stattdessen wird gep\u00f6belt und zur\u00fcck gep\u00f6belt, da k\u00f6nnten schlichte Gem\u00fcter zuschlagen, weil sie verbal die Schw\u00e4cheren sind. Oder sie schlie\u00dfen sich anderen an, die sich zu wehren wissen.<\/p>\n \u201eDas wird man doch noch sagen d\u00fcrfen!\u201c ist ein Signal, das unter vern\u00fcnftigen Menschen nicht zum Ende, sondern zum Beginn von Dialogen f\u00fchrt. Sonst werden wir in dieser ohnehin angespannten Zeit erleben, dass immer \u00f6fter Pr\u00fcgel die Sprache ersetzen, und Verursacher sind dann nicht nur die Ottos, sondern auch die Sprachkundigen, die Gebildeten, die Karlas, die sich zur Elite z\u00e4hlen, die vom Klang ihrer eigenen Worte so begeistert sind, dass sie nicht h\u00f6ren, wie ihre Worte bei den Ottos ankommen. Wir Elit\u00e4ren k\u00f6nnten dazulernen. \u201eDas wird man doch noch sagen d\u00fcrfen!\u201c muss man sagen d\u00fcrfen.<\/p>\n \u00a9 Oliver Baer<\/p>\n Dieser Beitrag wurde im Fr\u00fchjahr 2020 in den Sprachnachrichten des Vereins Deutsche Sprache (2\/2020) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" \u201eDas wird man doch noch sagen d\u00fcrfen!\u201c Kaum geh\u00f6rt, schon knallen die Jalousien herunter. Was sich wie Sprache anh\u00f6rt, ist Get\u00f6se; was fehlt, ist das Gespr\u00e4ch, die Er\u00f6rterung, worum es in Wirklichkeit gehen k\u00f6nnte. Als diese Worte zum ersten Mal ge\u00e4u\u00dfert werden, gibt es bereits eine Vorgeschichte. Da hat ein B\u00fcrger \u2013 nennen wir ihn […]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-5189","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft"],"yoast_head":"\n
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