{"id":5064,"date":"2018-04-09T13:32:16","date_gmt":"2018-04-09T12:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/?p=5064"},"modified":"2018-04-09T13:32:16","modified_gmt":"2018-04-09T12:32:16","slug":"die-liebe-und-das-gendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/die-liebe-und-das-gendern","title":{"rendered":"Die Liebe und das Gendern"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_5065\" aria-describedby=\"caption-attachment-5065\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Menschen-vernetzt-Fotolia_187865145_XS.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" class=\"size-full wp-image-5065\" srcset=\"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Menschen-vernetzt-Fotolia_187865145_XS.jpg 350w, https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Menschen-vernetzt-Fotolia_187865145_XS-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5065\" class=\"wp-caption-text\">Die sattsam bekannten linguistischen Einw\u00e4nde sind dagegen harmlos (Bild: \u00a9 Fotolia).<\/figcaption><\/figure> <em>Zwei kaum genannte Gr\u00fcnde stehen gegen gegenderte Sprache. Sie wiegen schwerer als die Motive, die f\u00fcr eine geschlechtergerechte Sprache angef\u00fchrt werden.<\/em> <\/p>\n<p>Als bei sanfter Musik und Kerzenlicht zum ersten Mal das Zauberwort \u201eIch liebe dich!\u201c f\u00e4llt, leuchten ihre Seelen auf. Sie r\u00fccken einander n\u00e4her, sie planen das Morgen, sie sprechen die Worte erneut und immer wieder \u2013 und irgendwann, bei der elfundneunzigsten Wiederholung, wiegt die liebliche Formel kaum noch ein Quentchen ihres fr\u00fcheren Wertes. Immer \u00f6fter schwingt darin ein Unterton: Warum ist es nicht mehr wie zu Anfang? Schlie\u00dflich, und wenn es gut geht, d\u00e4mmert dem Paar, sie h\u00e4tten \u00f6fter zuh\u00f6ren sollen, was dem anderen fehlt, statt die Blume ihrer Bindung mit Beschw\u00f6rungen zu pl\u00e4tten. Liebe kann mit Worten sprachlos gemacht werden. Sie kann mit Worten auch nicht erzwungen werden. <\/p>\n<p>Je \u00f6fter wir die gleichen Rechte der Geschlechter mit den daf\u00fcr genehmigten Worten anmahnen, desto sicherer ger\u00e4t die gute Absicht zur Floskel, die Worte verkommen zum Lippenbekenntnis. Die \u201eGenossen und Genossinnen!\u201c verschleifen zu \u201eG\u2018nossn und \u2018Nossn!\u201c, und man h\u00f6rt nun schon zum f\u00fcnften Mal, wie die j\u00e4hrliche Konferenz mit \u201eLiebe Mitgliederinnen und Mitglieder!\u201c er\u00f6ffnet wird \u2013 und keiner traut sich, den Wortbl\u00e4ser an sein Sprachgef\u00fchl zu erinnern. Das ist kein erdachtes Beispiel. Auch keine Ente ist ein Prospektentwurf, der an die \u201eLieben  Prostatapatientinnen und -patienten!\u201c gerichtet war. Gut gemeinte Ausrutscher kommen vor, man k\u00f6nnte mit einem L\u00e4cheln dar\u00fcber hinweggehen. Aber solcher Unfug ergibt sich, wie von allein, aus dem Gebrauch von Sprache, der die Gedanken abhandenkommen.<\/p>\n<h3>Selbstgerecht wissen, was richtig ist<\/h3>\n<p>Was man nicht mehr h\u00f6ren mag, rutscht zum rechten Ohr so flott hinaus, wie es zum linken eindrang. Im Gehirn bewirkt die Floskel nichts mehr, nur der Unmut \u00fcber das umst\u00e4ndliche Sprechen und Schreiben w\u00e4chst, er wird gespeichert und ger\u00e4t am Ende noch zu einem geistigen Tumor. Dass gegendertes Gerede die Verst\u00e4ndigung tr\u00fcbt, mag hartgesottenen Genderideologen noch als vertretbares Opfer erscheinen. Aber so geht dem Feminismus die Glaubw\u00fcrdigkeit verloren. Wer m\u00f6chte schon fortw\u00e4hrend bevormundet werden? Die Sprache geh\u00f6rt allen, nicht den Lautstarken, die sich in ihrem eigenen Eifer sonnen, und schon gar nicht Leuten, die das Wort \u201eMann\u201c als Schimpfwort verwenden. Und dem Tatbestand einer rassistischen Hetze gef\u00e4hrlich nahe kommen: Frauen gegen M\u00e4nner \u2013 die eine H\u00e4lfte der Mennschheit gegen die andere.<\/p>\n<p>Warum ist das Gendern der Sprache so unangenehm? Nicht nur wegen der Sperrigkeit der \u201ekorrekten\u201c Sprachh\u00fclsen. Wo wir andere bevormunden, n\u00f6tigen wir ihnen unsere Denkweise auf. Je heftiger wir es treiben, desto weniger Freiheit bleibt m\u00f6glich. Davon betroffen sind nicht nur die Opfer, auch die T\u00e4ter verfangen sich in der gestifteten Unfreiheit. Treue entsteht so nicht. Selbst wenn die Manipulation gelingt, bewirkt sie nur, dass zwanghaftes Nachplappern mehr wiegt als die Erkenntnis aus ureigenem Antrieb. Merke: Wer sich so weit g\u00e4ngeln l\u00e4sst, verkauft seine Seele bei Gelegenheit auch der Gegenseite. <\/p>\n<p>Dass uns alle Welt mit sprachlicher G\u00e4ngelei unfrei halten m\u00f6chte \u2013 Politiker aus Angst vor den W\u00e4hlern, Unternehmen aus Angst vor den Kunden, Angstmacher aus Angst vor der Wahrheit \u2013 bietet noch keine Rechtfertigung, dass nun die Frauen mit denselben kurzlebigen Tricks zu ihrem Recht kommen. In Wirklichkeit fordern doch die Frauen, dass die M\u00e4nner ihnen aus freier Entscheidung entgegenkommen und aus eigens gewonnener \u00dcberzeugung das Unangenehme und das Sch\u00f6ne gemeinsam ertragen.<\/p>\n<h3>Gendern geht gegen die W\u00fcrde<\/h3>\n<p>Das Gendern der Sprache vernichtet die gute Sache von innen her, es widerspricht dem Sinn und Text des Grundgesetzes: Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Wie sollen sich Frauen als gew\u00fcrdigt erleben, wenn die M\u00e4nner zum Wohlverhalten, zum Absondern von Lippenbekenntnissen gen\u00f6tigt werden? Falls diese F\u00fclle an Widerspr\u00fcchen nicht schl\u00fcssig aufgearbeitet wurde, kann es mit der so penetrant behaupteten Wissenschaftlichkeit der Gender Studies nicht weit her sein. Ein Fachgebiet, in dem Widerspr\u00fcche ignoriert werden, ist keine Wissenschaft, sondern eine Lobbyveranstaltung, bestenfalls blo\u00df eine P\u00fctscherei. Das m\u00f6gen die moderaten Feministen (damit sind die mitlaufenden M\u00e4nner mitgemeint) bedenken. Und wenn sie schon dabei sind, pr\u00fcfen sie die Quellen, aus denen sich die Genderideologie speist. \u201eM\u00e4nnerfeindlich\u201c w\u00e4re eine Verharmlosung. <\/p>\n<p>Was aber fangen wir mit der bereits besch\u00e4digten Sprache an? Hier ein Vorschlag zur G\u00fcte, er \u00e4hnelt einem Kompromiss, keiner wird ihn m\u00f6gen. Akzeptieren wir vorab, dass noch viel zu tun bleibt, aber viel bereits erreicht wurde, und zwar ohne die Sprache zu verbiegen. W\u00f6rter erfahren \u00fcber die Zeit einen Wandel ihrer Bedeutung. Volksschullehrer waren zuerst nur M\u00e4nner, inzwischen sind neun von zehn an den Grundschulen Frauen. Sie pr\u00e4gen unser Bild, das wir mit dem Wort Lehrer verbinden. Dass es fr\u00fcher anders war, nehmen wir zur Kenntnis, es ist bedeutungslos. Wir sind weitergekommen.<\/p>\n<p>Auf dieser Basis bietet sich eine Verst\u00e4ndigung an:  Wir erkl\u00e4ren den Bedeutungswandel f\u00fcr s\u00e4mtliche Bezeichnungen schlichtweg als erledigt, wir bekennen uns dazu, dass stets alle gemeint sind, niemand ist mitgemeint. Wir neutralisieren die Begriffe: Wir sprechen Frau M\u00fcller als Frau Lehrer, Frau Pr\u00e4sident, Frau Richter an, fertig, denn Frauen besetzen jetzt oder bald alle Positionen, die uns bisher als m\u00e4nnlich vorkommen. Die letzten Ausnahmen verschwinden bereits: Putzfrauen, Krankenschwestern, Bardamen werden Putzkr\u00e4fte, Krankenpfleger, Tresenkr\u00e4fte &#8230;  <\/p>\n<p>Auf diese Weise gewinnen wir Ausdruckskraft zur\u00fcck, die wir beim Gendern verlieren: Wo es beispielsweise darum geht, Frauen ausdr\u00fccklich zu nennen, greifen wir \u2013 bis dereinst das gleiche Recht f\u00fcr alle ohne Rest verwirklicht ist \u2013 auf die grammatisch weibliche Form zur\u00fcck: \u201eF\u00fcr die Dozentinnen brauchen wir f\u00fcnf beleuchtete Parkpl\u00e4tze!\u201c Man findet die veraltende Form im Wahrig oder Duden, daf\u00fcr halten wir sie reserviert, so auch f\u00fcr die Bitte: \u201eF\u00fcr die Vorstandswahlen m\u00f6gen bitte ein paar Juristinnen kandidieren!\u201c Frauen sind uns mehrheitlich normalen, psychopathisch unverd\u00e4chtigen M\u00e4nnern willkommen. Sie werden bitter ben\u00f6tigt, denn in aller Regel bringen sie mehr Teamf\u00e4higkeit mit. Vive l\u2019\u00e9galit\u00e9 et vive la diff\u00e9rence!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei kaum genannte Gr\u00fcnde stehen gegen gegenderte Sprache. Sie wiegen schwerer als die Motive, die f\u00fcr eine geschlechtergerechte Sprache angef\u00fchrt werden. Als bei sanfter Musik und Kerzenlicht zum ersten Mal das Zauberwort \u201eIch liebe dich!\u201c f\u00e4llt, leuchten ihre Seelen auf. 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