{"id":4696,"date":"2017-10-27T10:02:52","date_gmt":"2017-10-27T09:02:52","guid":{"rendered":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/?p=4696"},"modified":"2017-12-06T17:07:23","modified_gmt":"2017-12-06T16:07:23","slug":"symbole-sind-zu-schaetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/symbole-sind-zu-schaetzen","title":{"rendered":"Symbole sind zu sch\u00e4tzen"},"content":{"rendered":"
Gegenderte Sprache soll den Frauen zugutekommen. Tut sie aber nicht. Sie behindert die Gleichstellung der Frau, und je l\u00e4nger und gr\u00fcndlicher gegendert wird, desto weniger l\u00e4sst sich der angerichtete Schaden umkehren. Gesch\u00e4digt wird, au\u00dfer den Frauen und unversehens, auch die Sprache. Sie wird mit Unsinnigkeiten durchsetzt, deren Gebrauch zum guten Ton geh\u00f6rt. An anderer Stelle werden die Klimmz\u00fcge beschrieben, die den Sprechern und Autoren zugemutet werden; hier betrachten wir eine Folge der genderbedingten Sprachverhunzung.<\/em><\/p>\n Was regt sich in uns, wenn da vorne am Mikrofon einer ansagt: \u201eLiebe Kollegen und Kolleginnen!\u201c statt wie fr\u00fcher: \u201eLiebe Kollegen!\u201c Nichts regt sich. Der Redner floskelt, und wir freuen uns auf sein Schlusswort. Da wir zwischendurch auch mal zuh\u00f6ren, bemerken wir, was bei uns ankommt. Es h\u00f6rt sich an wie \u201eLiebe Kolleen und Kolleein!\u201c Das verzeihen wir dem Sprecher, derlei Abrieb kennen wir aus dem Alltag, er ist unvermeidbar, und wir h\u00f6ren, selbst wenn wir zuh\u00f6ren, sowieso nur die Floskel. <\/p>\n L\u00e4stiger ist schon der ganz Korrekte, der Silbe f\u00fcr Silbe artikuliert: Da sind die Mit-ar-bei-ter-in-nen kaum zu \u00fcberh\u00f6ren. Was das bei uns bewirkt, geht nicht zugunsten der Frauen, sondern zu Ungunsten des vollmundigen Gleichstellers, der uns belehrt: \u201eH\u00f6rt her, ich trage das Los der immer noch Ungleichgestellten auf der Zunge!\u201c Sind wir gut aufgelegt, rufen wir im Stillen: \u201eIs ja gut, bist ein Guter!\u201c Meist aber sind wir schlecht aufgelegt, uns nervt die st\u00e4ndige Wiederholung, da fehlt uns die Lust, \u00fcberhaupt noch hinzuh\u00f6ren. Den Redner auszubuhen, sind wir zu h\u00f6flich, au\u00dferdem gucken die Leute immer so. Was bleibt, ist eine miese Laune, und wer hat sie auszubaden? Die Frauen. Sie sind ja gottseidank schon fast gleichgestellt, den fehlenden Rest kriegen wir noch hin, also Ihr Guten, lasst es mal gut sein! <\/p>\n Warum machen die gleichstellungssympathischen Synapsen schlapp, kann man die nicht umschulen? Etwa durch beharrliches, noch h\u00e4ufiger wiederholtes Gendern? Eher nicht, denn da steht dem Erfolg eine F\u00e4higkeit entgegen, die wir als Kinder erworben und bis ins Alter nicht vollends versch\u00fcttet haben. Wir unterscheiden trennscharf zwischen Rede, die wir sch\u00e4tzen und Floskeln, die wir verachten (\u201eEr schon wieder\u201c). Kinder kann man schlecht anl\u00fcgen, sie merken, wenn einer falsch singt. Symbole sind zu sch\u00e4tzen, nicht zu verheizen!<\/strong> Als moderne M\u00e4nner stehen uns die modernen, gleichgestellten Frauen n\u00e4her als die Hollywood-P\u00fcppchen der F\u00fcnfziger Jahre (\u201eStreng dein h\u00fcbsches K\u00f6pfchen nicht an\u201c). Wir f\u00fchlen uns von den ach so Guten \u00fcber die Kante gezogen, wir sind sogar zum Fremdsch\u00e4men gen\u00f6tigt, denn vor unseren Augen werden die Frauen blo\u00dfgestellt: als Wesen, denen zuliebe die Sprache bis zur Ungenie\u00dfbarkeit verbogen wird, damit sie zu ihrem Recht kommen. Da k\u00f6nnte man glatt wieder galant werden und den Frauen die T\u00fcr aufhalten: Auf in die frische Luft, in die Freiheit von sprachlicher Bevormundung! Ach ja, und nehmt die Guten, die ideologischen Artikulierer gleich mit, sie geh\u00f6ren gr\u00fcndlich durchgel\u00fcftet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Gegenderte Sprache soll den Frauen zugutekommen. Tut sie aber nicht. Sie behindert die Gleichstellung der Frau, und je l\u00e4nger und gr\u00fcndlicher gegendert wird, desto weniger l\u00e4sst sich der angerichtete Schaden umkehren. Gesch\u00e4digt wird, au\u00dfer den Frauen und unversehens, auch die Sprache. Sie wird mit Unsinnigkeiten durchsetzt, deren Gebrauch zum guten Ton geh\u00f6rt. An anderer Stelle […]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4696","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft"],"yoast_head":"\n
\nDas Gehirn zweigt den Kitsch hierhin ab, das Echte dorthin. Als Erwachsene schalten wir den mentalen Kitschmelder ein, wenn wir die Netze im Gehirn mit frischen Impulsen beleben, wenn wir die aufrichtig gemeinten Symbole vom Kitsch bewusst unterscheiden. Beide, die Symbole wie der Kitsch verwenden die Sprache, manchmal sogar dieselben Worte. Der Unterschied ist wichtig, denn im Kitsch denken wir anderer Leut Gedanken, keine eigenen. Selbst wenn uns beim Lesen oder Zuh\u00f6ren nichts sofort auff\u00e4llt \u2013 so abgeh\u00e4rtet wird man ja \u2013 im Stillen funken die neuen Synapsen und die sympathischen \u00e4lteren lassen wir verk\u00fcmmern. Schade drum, im eigenen Interesse. <\/p>\n