{"id":1832,"date":"2012-06-01T12:19:53","date_gmt":"2012-06-01T11:19:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.baer-coach.de\/tatze\/?p=1832"},"modified":"2017-12-07T18:36:53","modified_gmt":"2017-12-07T17:36:53","slug":"schauble-schwatzt-und-stellt-was-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/schauble-schwatzt-und-stellt-was-an","title":{"rendered":"Sch\u00e4uble schw\u00e4tzt und stellt was an"},"content":{"rendered":"
\u201eDie Simultandolmetscher im Br\u00fcsseler Ratsgeb\u00e4ude haben einen schwierigen Job, vor allem wenn Wolfgang Sch\u00e4uble [\u2026] das Wort ergreift.\u201c berichtet der SPIEGEL (21\/2012). Sch\u00e4uble sagte etwas \u00fcber Griechenland, \u201edoch die \u00dcbersetzer hatten M\u00fche, seinen Worten zu folgen. Der Minister ist von dem unersch\u00fctterlichen Ehrgeiz besessen, in der Euro-Gruppe Englisch zu sprechen [\u2026]. \u201aIch versteh den Wolfgang nicht\u2018, klagte Jean-Claude Juncker schon mehrfach. Der Luxemburger ist mittlerweile dazu \u00fcbergegangen, den Bundesfinanzminister auf den Sitzungen auf Deutsch anzusprechen, aber Sch\u00e4uble antwortet beharrlich auf Englisch.\u201c <\/p>\n Er ist Minister in einem Land, wo heute 20 Prozent mehr Kinder an Sprech- und Sprachst\u00f6rungen leiden als vor acht Jahren, Jungen mehr als M\u00e4dchen, betroffen sind zumal die Kinder von Einwanderern. Au\u00dfer Lispeln und Stottern geht es um das Formulieren und Verstehen von kurzen vollst\u00e4ndigen S\u00e4tzen (siehe 1). In demselben Gemeinwesen k\u00f6nnen 14 Prozent der erwerbst\u00e4tigen Erwachsenen nur einzelne S\u00e4tze lesen und schreiben: Das sind \u00fcber sieben Millionen B\u00fcrger, die Texte nicht verstehen. Weitere 13 Millionen k\u00f6nnen Texte nur langsam und fehlerhaft lesen und schreiben. (2) <\/p>\n Wolfgang Sch\u00e4uble ist zweifellos ein f\u00e4higer Minister. Seine Borniertheit, die er mit vielen ebenso gedankenlosen Politikern teilt, wird aber daf\u00fcr sorgen, dass vom Deutschen nur eine sogenannte Regionalsprache \u00fcbrig bleibt. Sie wird sich anh\u00f6ren fast wie das Deutsch im Jahr 2012 und auf den ersten Blick so aussehen. Ein Vorbote dieses Flachschwatzes ist das Geschnatter der Moderatoren in den Dudelsendern. Dialekt bringen sie so wenig zustande wie ein korrektes Hochdeutsch, daf\u00fcr aber viele W\u00f6rter aus dem Englischen, die inhaltlich manchmal sogar stimmen, daf\u00fcr aber fast immer falsch ausgesprochen sind. <\/p>\n Verloren geht unsere Hochsprache. An den Hochschulen entf\u00e4llt sie bereits, man k\u00f6nnte meinen, Wissenschaft gelinge nur noch auf Englisch. Der Beitrag unserer Universit\u00e4ten dazu ist zwar kein schlechtes<\/strong> Englisch, es ist nur ein halbes<\/strong> Englisch: F\u00fcr den wissenschaftlichen Austausch unter aller akademischen W\u00fcrde<\/strong> gen\u00fcgt es. In dem Ma\u00dfe wie Wichtiges und Neues – mangels eigener Terminologie – nicht mehr auf Deutsch er\u00f6rtert werden kann, tr\u00e4gt der akademische Hochmut gegen\u00fcber der deutschen Sprache dazu bei, dass die Muttersprache verk\u00fcmmert. <\/p>\n Kein Problem, daf\u00fcr bekommen wir ja Englisch, die Weltsprache; sie verbindet uns alle, sie enthebt uns aller Fehler bei der \u00dcbersetzung und sie bringt uns den Weltfrieden, jedenfalls das Ende allen Nationalismus. Na ja, und das Englisch bringt der Klapperstorch. Aber es gibt gen\u00fcgend Gr\u00fcnde, mit dieser Entwicklung, wenn nicht zufrieden, so doch einverstanden zu sein, und sei es nur, weil sich daran nichts mehr \u00e4ndern lie\u00dfe.<\/p>\n Das bedeutet mithin: In Zukunft denken wir weder Deutsch noch Englisch. Wenn es gutgeht, findet etwas Denk\u00e4hnliches ein bisserl oberhalb von Globisch statt, aber weit unterhalb dessen, was wir in der deutschen (franz\u00f6sischen, polnischen) Hochsprache im Jahr 2012 noch fertigbrachten: Sch\u00f6pferisch originell zu denken; was in Deutschland immerhin die \u00f6konomische Basis f\u00fcr das Wohlergehen von 82 Millionen B\u00fcrgern bildet.<\/p>\n Diesen anges\u00e4uerten Ausblick provozierte ein Leser mit seiner Reaktion (\u201eMir fehlt vielleicht das Sprachpatriotismus-Gen<\/strong>.\u201c) auf den Beitrag Berliner BSE-Biotope<\/a><\/p>\n Nun sind Sie dran, liebe Leser: Geht es auch ohne ein solches Gen, gen\u00fcgt nicht what the English call common sense<\/em>? Oder halten wir es mit der Gattin des Louis XVI, Marie Antoinette: „Sollen die B\u00fcrger doch, wenn sie kein Brot haben, Kuchen essen …“? (3)<\/p>\n Dieser Beitrag erg\u00e4nzt den Abschnitt Was Politiker nicht k\u00f6nnen m\u00fcssen<\/em> (Seite 115 f.) in Von Babylon nach Globylon<\/a><\/em><\/p>\n (1) Siehe Eine Million Kinder leiden unter Sprachst\u00f6rungen<\/a><\/p>\n
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