{"id":112,"date":"2007-07-18T08:04:22","date_gmt":"2007-07-18T07:04:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.baer-coach.de\/tatze\/archiv\/112"},"modified":"2009-02-28T15:25:40","modified_gmt":"2009-02-28T14:25:40","slug":"verandert-sich-die-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/verandert-sich-die-sprache","title":{"rendered":"Ver\u00e4ndert sich die Sprache?"},"content":{"rendered":"
Die Sprache ver\u00e4ndert sich. Wohl jeder von uns hat diesen Satz schon verwendet. Und viel wird mit diesem Satz gerechtfertigt:<\/em><\/p>\n „Wir m\u00fcssen die Anglizismen hinnehmen, die Sprache hat sich doch immer schon ver\u00e4ndert“, „Wir m\u00fcssen die Rechtschreibung ver\u00e4ndern, weil sich die Sprache ver\u00e4ndert.“ Der Durchschnittsmensch h\u00f6rt diesen Satz und akzeptiert dann [jeden sprachlichen Unfug als „nat\u00fcrliche“ Ver\u00e4nderung]. Und doch ist er falsch, die Sprache ver\u00e4ndert sich<\/strong> nicht. <\/p>\n Halt, halt, wird da manch einer sagen, das stimmt doch nicht, wir sprechen doch nicht mehr wie im Mittelalter, ohne Studium kann man Althochdeutsch nicht verstehen, nicht einmal immer Luther. Nun, ich bestreite nicht, da\u00df die Sprache anders ist als fr\u00fcher, aber sie ver\u00e4ndert sich nicht. Schon Wittgenstein wies darauf hin, da\u00df das Denken durch die Ausdrucksweise der Sprache in die Irre gef\u00fchrt werden kann. Die Sprache ver\u00e4ndert sich nicht, sondern sie wird ver\u00e4ndert, und zwar vom Menschen.<\/p>\n Fr\u00fcher haben Herrscher, Sprachakademien, Sprachgenies wie Dichter oder Sprachpfleger und das gemeine Volk sie ver\u00e4ndert, heute nehmen sich vornehmlich die internationalen Konzerne dieser Aufgabe an. Die Sprache wird vom Menschen ver\u00e4ndert, aber nicht immer bewu\u00dft, absichtlich, sondern auch unbewu\u00dft (vgl. Keller, Rudi: Sprachwandel, UTB 1567), so wie ein Stau ja nicht absichtlich von Menschen verursacht wird, aber von Menschen verursacht wird.<\/p>\n Man kann aber den Satz „Die Sprache ver\u00e4ndert sich“ schon benutzen, n\u00e4mlich wie den Satz „Der Porsche hat sich in den letzten zwanzig Jahren ver\u00e4ndert“, also im \u00fcbertragenen Sinne, aber nicht im Sinne von „Tante Kunigunde hat sich in den letzten zwanzig Jahren ver\u00e4ndert“, denn der Sprache wohnen keine Gene inne, welche die Geschichte der Sprache steuern. Das gro\u00dfe Problem, das zu vielen Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen gef\u00fchrt hat, ist, da\u00df viele Menschen die Sprache bewu\u00dft oder unbewu\u00dft als einen Organismus behandelten und behandeln.<\/p>\n