{"id":1079,"date":"2012-03-06T10:19:27","date_gmt":"2012-03-06T09:19:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.baer-coach.de\/tatze\/?p=1079"},"modified":"2015-06-09T10:11:50","modified_gmt":"2015-06-09T09:11:50","slug":"wir-gucken-nur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oliver-baer.de\/tatze\/wir-gucken-nur","title":{"rendered":"Wir gucken nur"},"content":{"rendered":"
Am 1. August 2007 fiel in Minneapolis eine Br\u00fccke in den Mississippi. Dreizehn Menschen kamen ums Leben, 145 wurden verletzt. Solches geschieht \u00fcberall in der Welt, sogar hierzulande. Alleine in den USA sollen in jenem Sommer 75.000 Br\u00fccken in einem \u00e4hnlichen Zustand gewesen sein: einsturzgef\u00e4hrdet.<\/em><\/p>\n Es ist nichts typisch Amerikanisches, wenn wir festhalten: W\u00e4hrend der Jahre vor dem Ungl\u00fcck haben die zust\u00e4ndigen Ingenieure ihre vorgeschriebenen Messungen getan und die Ergebnisse in Berichten festgehalten. Sie haben h\u00f6heren Ortes gewarnt, dass etwas geschehen m\u00fcsse, und sie wurden sicherlich abgestumpft unter der wiederholten Erfahrung, dass ihre Arbeit ignoriert, aber immerhin gut abgeheftet wurde. Ein ausf\u00fchrlicher Bericht \u00fcber die Br\u00fccke Nummer 9340<\/a> auf dem Interstate Highway 35W steht in der englischen Wikipedia, eine Kurzfassung gibt es in der deutschen; Neugierige finden dort sogar eine Animation aus Bildern einer \u00dcberwachungskamera, wie die Br\u00fccke kollabiert.<\/p>\n Da fragt sich der Leser, was die Mississippi-Br\u00fccke mit der Sprache zu tun habe. Nichts. Aber mir f\u00e4llt jedesmal diese Br\u00fccke ein, wenn ich an die Sprachwissenschaftler denke, die sich darauf versteifen zu beobachten, aufzuschreiben, abzuheften und im \u00fcbrigen darauf zu hoffen, dass es schon gutgehen werde. Schlie\u00dflich hat die Sprache schon ganz anderes \u00fcberstanden (schlie\u00dflich wurde die Br\u00fccke mit so viel Sicherheitsmarge konstruiert), dass man die Sache tiefer h\u00e4ngen kann: Es \u00e4ndert sich eh nichts.<\/p>\n Genau, so ist es. Bis es zu sp\u00e4t ist. Da mag man einwenden, der Vergleich mit einer Katastrophe mit Toten und Verletzten sei geschmacklos. Auch das stimmt. F\u00fcr die Geschmacklosigkeit meiner spontanen Gedankenassoziation an jenem Tage kann ich nur um Nachsicht bitten. Sie verfolgt mich seither, nun habe ich sie aufgeschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Am 1. August 2007 fiel in Minneapolis eine Br\u00fccke in den Mississippi. Dreizehn Menschen kamen ums Leben, 145 wurden verletzt. Solches geschieht \u00fcberall in der Welt, sogar hierzulande. Alleine in den USA sollen in jenem Sommer 75.000 Br\u00fccken in einem \u00e4hnlichen Zustand gewesen sein: einsturzgef\u00e4hrdet. Es ist nichts typisch Amerikanisches, wenn wir festhalten: W\u00e4hrend der […]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-1079","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft"],"yoast_head":"\n
<\/a>