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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Virales Marketing

Sonntag 27 Juni 1999

Spottolski liebt die Nebelkerzen, die von Professionellen im Marketing geworfen werden. Exklusivinterview mit Spottolski, noch eins.

Von der amerikanischen Marketingfront erreicht uns ein neues Fachwort. Spottolski stellte sich den besorgten Fragen.

Was halten Sie vom viralen Marketing?

Spottolski: Enorm viel. Was ist das?

Ein neues Wort für Mundpropaganda.

Spottolski: Ein altes polnisches Sprichwort sagt: „Bad news travels fast“

Das ist Englisch.

Spottolski: Wer stellt hier die Fragen?

Gute Frage. Wir wollen herausbekommen, warum „Virus“ gesagt wird, wo es doch darum geht, dass sich eine gute Nachricht herumspricht.

Spottolski: Prost Mahlzeit!

Was ist Ihrer Ansicht nach die Ursache?

Spottolski: Für was?

Na, die Verwirrung der Marketingfachleute.

Spottolski: Genau, dass sie verwirrt sind. Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund.

Vielleicht hätten Sie ein Beispiel?

Spottolski: Selbstverständlich, ich habe mich ja vorbereitet. Hier habe ich eine Rechnung: „Sie haben bis xten Oktober den Betrag Y zu entrichten“. Sehen Sie, so eine kernige Sprache merkt man sich, sowas erzählt man weiter.

Aber die Marketingfundis meinen doch eher das Gegenteil!

Spottolski: Wundert Sie das?

Was?

Spottolski: Dass Sie nicht mehr durchblicken.

Ob ich vielleicht einen Virus…

Spottolski: …ist das Ihre nächste Frage?

Gott, warum nicht?

Spottolski: Ich gebe Ihnen Beispiel Nr 2, aus dem Autohaus. Der Verkäufer lädt zur Probefahrt „Sie, als guter Kunde…“ usw.., Zur gleichen Zeit schreibt die Buchhaltung „…sehen wir uns widrigenfalls gezwungen, einen Anwalt…“

Und warum zahlen Sie nicht?

Spottolski: Mein PC hat einen Virus. Aber nun habe ich eine Frage: Wieviel ist 42?

Sechs mal sieben.

Spottolski: Gut, dann ist Polen noch nicht verloren.

Ich nehme an, wir danken für das Gespräch


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