baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Über den Wandel in der Wirtschaft

Dienstag 27 Juni 2000

Gibt es ein Leben nach der New Economy? Spottolski steht Rede und Antwort, ein Interjuh. Durch gutes Timing gelang es der Redaktion, Spottolski zwischen zwei Nickerchen aufzustöbern.

Ist das Ende der Fahnenstange erreicht?

Spottolski: Das wissen wir, wenn wir oben sind.

Aber die Neue Wirtschaft liegt am Boden?

Spottolski: Am Boden liegt Gerümpel, ich habe nachgeschaut.

Also Business as Usual, oder wie schätzen Sie das Geschäftsklima ein?

Spottolski: Die Frühjahrsrolligkeit der Miezen war durch Niederschläge beeinträchtigt. Eine Sauerei, dieser April, die Regierung sollte was unternehmen.

Ist das nicht vielmehr ein zyklischer Wandel?

Spottolski: Jedes Jahr gibt’s Jungkater, die meinen sie hätten den Markt für sich. Aber es stimmt, ein paar der älteren Kollegen standen im Regen.

Demnach läuft das Geschäft wie gewohnt?

Spottolski: Die Erfahrung lehrt, dass wir aus der Erfahrung nichts lernen können.

Das hat schon Einer gesagt.

Spottolski: Wer? Den mach ich alle!

Hegel, aber der sagt schon lang nichts mehr.

Spottolski: Er soll sich aus meinem Markt heraushalten.

Konkurrenz stört sie. Ist das ein Kennzeichen der alten, respektive neuen Ökonomie?

Spottolski: Jeder markiert sein Revier, wie er gut zu Fuß ist.

Eine richtungsweisende Bemerkung.

Spottolski: Ich will Ihnen was sagen: Marketing heisst, dass die Miezen wissen, wer dran ist. Markiert ein Kollege in meinem Revier, muss ich hin und übermarkieren. Es heisst nicht umsonst „Mark-eting“.

Was Sie machen, wäre eher ein „Mark-up“.

Spottolski: Und Sie wissen wieder alles besser.

Ich frage mich nur, was „eting“ heisst.

Spottolski: Polnisch ist es nicht.

Zurück zu Ihrem Geschäftsmodell: Wird sich das auf die Dauer halten? Dass die Miezen wissen, wer der Oberkater ist?

Spottolski: Die Miezen … ich will’s mal so sagen: Unsere Kunden erwarten, dass die Dinge so sind, wie sie sind. Für Miezen tun wir alles.

Sogar auf Bäume klettern?

Spottolski: Das sag ich Ihnen: Elstern, die von Ast zu Ast hopsen, mit ihrem Geschrei meine Siesta versauen …

… Haben Sie schon mal eine gefangen?

Spottolski: Ist doch widerlich, dieses Gefieder. Nein, Vögeln widme ich mich nur wegen der Wellness. Das hält die Reflexe auf Vordermann.

Was wiederum den Miezen zugute kommt?

Spottolski: Sie sagen es. Aber Hauptsache, es gibt Mäuse. Gut sind auch Maulwürfe, Igel weniger. Im übrigen habe ich mit Herrchen eine Abmachung: Er bunkert das Dosenfutter, ich schlafe im Papierkorb. Klare Verhältnisse, sowas liebe ich.

Ein konservatives Geschäftsmodell. Aber auch Sie haben sich im Neuen Markt versucht …

Spottolski: Ich? Nie!

Mituh-Dotkomm.AG, Ihr Börsengang?

Spottolski: Ach der.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Spottolski: Die Mituh-Dotkomm AG diente der Ablenkung. Dass Sie das nicht durchschaut haben! Während die Jungkater auf Roadshow unterwegs waren, habe ich lukrative Serviceaufträge bei den Miezen abgefackelt.

Und das Community Marketing, „mit den Kunden einen Dialog aufbauen“ und so: Alles Vergangenheit?

Spottolski: Nichts ersetzt den hautnahen Kundenkontakt! Wer sich da einmengt, kriegt was um die Ohren.

Ich sehe, Ihr Ohr erinnert an Blumenkohl.

Spottolski: Das kommt von der Marktforschung. Aber da sind Sie im falschen Interview. Und jetzt, wo ist Ihre abschliessende Bemerkung?

Fast vergessen: Wie spät ist es?

Spottolski: Das heisst: „Danke für das Gespräch!“

Bitteschön. Übrigens, wer zuerst abgeht, hat verloren…

Die Redaktion hat jetzt den Bogen raus, wie man in der Neuen Wirtschaft Interjuhs macht.


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