baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Service braucht Rollenspiele

Samstag 27 April 2002

Wie man mit der Ungewissheit fertig wird, die sich in Gesellschaft und Unternehmen breit macht. Spottolski begreift das Thema in bewährter Weise.

Unsere Volontärin hatte Spottolski als ambulanten Mitarbeiter begrüßt. Das führte zu Interaktionsproblemen, sprich Zoff, in der Redaktion.

Was das heißen solle, tobte Spottolski: ambulant?

„Wie ein Schmetterling“, flötete sie, „von Blüte zu Blüte flatternd.“

„Lass den Unfug,“ sagte er, „was heißt Mitarbeiter?“ und warf einen Blick auf seinen Honorarnapf. „Nichts los“, verkündete er. „Ihr redet schon wie Wolf Lotter.“

Dass Spottolski brand eins bemosert, hat es noch nicht gegeben. Erst kürzlich hatte er den dort zitierten Birger Priddat gepriesen und sofort beim Wort genommen: Die Dienstleistungsgesellschaft erfordere neue Bildungen: des Herzens wie des Rollenwechsels. Das käme ihm zupass, tönte Spottolski, als Marketing-Kater müsse er die Rollen wechseln wie wir die Miezen.

Das haben wir natürlich sofort überhört. Zum Beweis seiner These mimte Spottolski nun einen Hasen, liegend, was einem Dachhasen nahe kam, aber immerhin, dann den Fischotter, eine stets beliebte Nummer, und neuerdings macht er auf Gnu, mitsamt Buckel und diesem fernwehen Savannen-Blick, der im Kino mit Violinen unterlegt wird. Ein Gnu, in Sachsen.

Als er anfing, wie Günter Grass auszuschauen, öffneten wir rasch eine Dose Thunfisch. Er könne auch Wolf Lotter, behauptete er: Ob wir ein Foto hätten? Also der sei nicht echt, erläuterte darauf unser Experte. Was der über Mäuse schreibe, nämlich nichts. Auch Miezen kämen in brand eins nicht vor, keine Igel, keine lärmenden Elstern, brand eins gehe dem Karlo Normalkater so am Rückwärtigen vorbei: „Immer nur umts, bumts und tubumts, wassollas?“

„Ich lese alle Medien, sogar brand eins, mit langen Armen,“ wandte ich ein, „meine Meinung bilde ich aus dem eigenen Denken.“ – „Alle Achtung!“ sagte Spottolski, er kippte den leeren Napf um und murmelte etwas Abschätziges.

Damit er auf keinen Fall vergisst, seine Expertise sei bei der Auswertung der Tschäcklisten gefordert, hielten wir ihm seine überregionale Bedeutung vor: Im Marketingcliff-Verzeichnis gebe es eine Unterkategorie Ländliches Marketing, darin stünde nur ein Eintrag: Spottolskis Website [die wurde inzwischen stillgelegt: wegen des Fischvorkommens zu unbedeutend]

Da ist er spontan aus der Redaktion getürmt, im Dorf herum erzählen: Weltmeister des Marketings sei nur einer, er, Spottolski.


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