baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Management by Pilzing

Mittwoch 1 November 2006

Ein Kunde aus Südafrika, nennen wir ihn Mr. Tony Fornali, denn so heißt er, hat Spottolski besucht, unseren Experten für ländliches Marketing. Bei einem Glas Merlot (einem Napf verdünnter Sahne für den Kater) plauderte Fornali aus dem Nähkästchen der Unternehmensführung. Seine Beobachtungen bestätigen eines unserer zahlreichen Vorurteile (wozu hätten wir sie denn?), sodass wir uns mit einiger Begeisterung genötigt sehen, diese hier breitzuschlagen in aller Unbefangenheit zu verewigen.

Was gehe in ihm vor, stellte Fornali die rhetorische Frage, wenn ihm best practice angetragen werde, lean management, benchmarking? „Nichts! Bei corporate responsibility schaltet mein Hörsinn auf Standby. Bei networking wird es sogar kritisch, das löst einen vegetatitiven Reflex im Knie aus.“ Ein Bild, das Spottolski spontan einleuchtete. diese Beinbewegung wolle er sich für Futternapfverhandlungen merken.

Da die Wissensgesellschaft nicht wisse, was sie will, werde ihr statt Gehirnnahrung junk food angedreht, fuhr Fornali fort. Inhalt und Verpackung werden in einem Fertigungsschritt hergestellt, wobei die Verpackung besser schmeckt als der Inhalt. In Deutschland sei es noch leicht, meinte er, das Nahrhafte herauszupicken, denn meist komme, was man gefahrlos ignorieren kann, auf Englisch daher, das erkenne man sofort. Hat der eine Ahnung, dachte ich, hielt aber den Mund, das war ja Spottolskis Party. Hersteller der Schmonzes seien die Institute zum Erwerb des Master of Business Administration (MBA). Und die Distribution sei genial, sie entspreche der Verbreitung von Pilzkulturen.

Spottolski bestätigte dieses: „Kaum ist etwas Neues verkündet, sprießen die Human Resources-Trompeten, die CRM-Schwammerln, die Knowledge Management-Täublinge.“ Unser Kater führt eine blumige Sprache, das muss man ihm lassen. Und mit der Natur kennt er sich aus. Und mit dem Essen. Das geschehe natürlich geplant, rief Fornali. Den Business Consultants, sprich Absolventen dieser Institute, gebe das immer den Aufhänger zum Lancieren neuer Beratungsprodukte.

    Hier darf ich zum Verständnis einfügen: Fornali erlaubt bei Konferenzen keine Powerpoint-Präsentationen und Excel-Tabellen nur in gedruckter Form. Besprechungen hält er im Stehen ab, und wer sich bei ihm mit einer Frage rückversichern möchte, kommt mit fünf neuen Fragen aus seinem Büro heraus.

„Damit die Früchte dieser Berater als schmackhaft gelten,“ erklärte Fornali unserem Experten, „tragen sie Qualitätssiegel edelster Herkunft, aus Massachusetts, Connecticut oder aus Pariser und Genfer Vororten.“ Ihnen gemeinsam sei die Lingua franca, nämlich Englisch. Darüber sollten wir mal nachdenken, verlangte Fornali.

Ihm imponiere der Marketingkniff, fasste Spottolski zusammen. Exportiert würden nicht die geschnittenen Pilze, sondern Pilzkulturen, und so sprieße es allenthalben. Bis dann, kurz vor dem Verfallsdatum, ein neuer Pilz beschrieben wird, bald darauf neue Pilzkulturen wuchern. Das müsse man einsehen, gab sich Fornali versöhnlich, schließlich stünden die Institute in einem harten Wettbewerb zueinander.

    Seinem Betrieb nützt das Management by Pilzing nichts. Es hindert seine Leute am eigenen Denken, ist er überzeugt. Deshalb schult er seine Führungsleute selbst, mithilfe einfacher Aufgaben, an denen sie sich abarbeiten. Zum Beispiel Sprachspiele: Erklären Sie Customer Relationship Management; für jedes Modewort zieht er ein Punkt ab! Oder: Erörtern Sie die Marktführerstrategie anhand einer Metapher! und dann zieht der Prüfling eine Metapher aus dem Hut, zum Beispiel Pilzkulturen.

Fornali sagt, wer es kapiere, dem gelinge das mit jedem Bild. Etwa die Hälfte habe begriffen, was er wolle. Andere kündigten von alleine, ein paar warteten ab. „Sie hoffen, ihren Chef zu überleben.“ Auch eine Methode. An der Spottolski nichts auszusetzen hat. Notfalls könne man nachhelfen, schlägt er vor. Mit einem Pilzgericht.


  1.  
    15/02/2012 | 16:13
     

    […] sitzen ja die Miezen. Damit habe er jüngst mieze Erfahrungen gemacht, mit dem Konjunktiv, siehe Management by Pilzing, aber in der Sache gebe er keinen Fußbreit […]

  2.  
    02/12/2006 | 13:20
     

    […] Vor allem der Konjunktiv der indirekten Rede gehöre auf den Kompotthaufen der Geschichte, schrie Spottolski und die Kater johlten und hörten zu streiten auf. Einer hatte entdeckt, da vorne sitzen ja die Miezen. Damit habe er jüngst mieze Erfahrungen gemacht, mit dem Konjunktiv, siehe Management by Pilzing, aber in der Sache gebe er keinen Fußbreit ab. […]

  3.  
    Paulousek
    01/11/2006 | 23:39
     

    Vielen Dank, Herr Lehrer, für diesen Kurzkurs im Ausdauer-Konjunktiv. Vermittelt ein bisschen die Art von Spannung, wie sie auch nordischen Walkern anzumerken ist.
    Aber hier:
    „In Deutschland sei es noch leicht, meinte er, das Nahrhafte herauszupicken, denn meist komme, was man gefahrlos ignorieren kann, auf Englisch daher.“
    Müsste es da denn nicht das „könne“ statt des „kann“ dem „ignorieren“ folgen?
    Aber der Indikativ ist da, VerratVerrat!, eine von den Früchten, an denen man die großartig Kleinkarierten erkennt, weil, nämlich dämlich: Man kann es ignorieren, das konjunktive Exempel…

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