baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Hauptversammlung der Zoffer

Sonntag 28 Oktober 2001

Keine Katerstimmung nach dem Dotcom-Sterben: Auf der HV der Zoffer ging es wieder um den kürzesten Weg zu einer festlichen Schlägerei, getreu dem 3D-Theorem: Drauf halten, dumm halten, durchhalten!

Demokratie übten erneut die Zoffer auf der Hauptversammlung der Ohorner Felinen. Sie haben mit dem Schnüren durch die Märkte alle Pfoten voll zu tun, fern sehen sie eher selten, es gäbe etwas durch das Küchenfenster zu sehen, da muss man schnell hinüber. Jedoch schwappen in das feline Dasein die Gebräuche der TV-geplagten Mitlebewesen.

Die Versammlung wurde eröffnet vom Senior, einem Kater aus dem Oberdorf: „Liebe Kolle’n und Kolle’nen“,

„… Schon falsch!“ schrie eine Gestreifte, „ich möchte hier nicht als Kollege diffamiert werden.“

Der Senior, der gelegentlich durchblicken lässt, er habe noch Gustav Adolf erlebt, dessen Winterlager am Schwedenstein jedoch nie bewiesen wurde, aber das ist jetzt irrelevant, jedenfalls fragte er gütig, wie sie es denn lieber hätte.

„Wir sind Katzen,“ gab sie zu verstehen, ganz à la mode, will sagen: ungnädig.

„Na schön. Sehr geehrte Katzen, liebe Kater! Wir haben uns heute …“

„… und Kater-Innen!“ warf eine Alt-Felinistin aus Gickelsberg ein. „Wieso innen?“ maulten die Faulen, „bei dem Wetter?“ Und die Anrainer der Streuobstwiesen moserten, man möge „endlich!“ zur Sache kommen!

„Sache ist …“ der Senior sah hinter sich: „Was war nochmal Sache, schnell?“ – „Sache ist,“ flüsterte King Cat, „Die Azubi-Verordnung der Ohorner Marketing-Zoffer.“ Ihm stand der Geifer um’s Maul, bald würde er diesem und jenem eine verplätten, aber hallo!

„Die Azubis. Richtig. Also, Liebe Mütter, liebe Väter unseres felinen Nachwuchses,“ kam er jedoch ein weiteres mal auf keinen grünen Zweig, da nun einer von diesen Schleimern, die überall mitmeiern, verlangte, man möge bitteschön zu einer geschlechtsneutralen Ausdrucksweise finden: „Wir leben nicht hinter dem Mond, schlussendlich, möchte ich mal sagen.“

„Geschlechtsneutral, geschlechtsneutral!“, skandierten da die Jungfatzken, das sind die mit den völlig verpeilten Frisuren, es ist eine Schande, jedenfalls hub der Senior erneut an: „Liebe Eltern!“, da knallte ein Antrag zur Geschäftsordnung dazwischen: Ein Single legte Wert auf die Feststellung, er sei ein Elternteil. Jawohl.

Aus den hinteren Reihen der Felinisten (und Innen) gab es nun Unappetitliches zu hören, unter anderem den Hinweis, der mit seinem Teil habe noch nie einen Stich gemacht, das wurde natürlich ins Protokoll gar nicht erst aufgenommen, wir haben uns das auch so gemerkt, soll der Datumsschutz mal kommen.

„Liebe Elternteile“, rief der Senior mit dem Mute der Verzweiflung.

„… und Teil-Innen!“

„Auch die“, schon wähnte er sich auf dem Trockenen, da verkündete King Cat: „Wir schreiten zur Abstimmung.“

„Können wir hier bleiben?“ krähten die Kleinen, „Wir wollten erst den Igel allemachen, bevor wir gehen …“

„Wer für die Lehrlingsausbildung ist, miaut jetzt!“ schrie King Cat. Sollte heißen, die Anderen halten die Fresse.

Woraus sich die festliche Rauferei ableitete, die den Höhepunkt jeder Hauptversammlung abgibt, da kriegen alle was ab. Ich selber lenkte die Kleinen vom Igel ab, weil ich mit dem gut kann – eine Pfote wäscht die andere, na ja, und schon war die schöne Schlägerei vorbei.

Merke:
Wirtschaft IST,
Marketing ist MANCHMAL, und
Gleichstellung ist überhaupt was ANDERES.

(Das ganze ist Transskript eines Eigenberichtes von spo-to’l-ski)


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