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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Frühling wirds, und wieder ist CeBIT

Donnerstag 28 Februar 2002

Spottolski kennt bezüglich CeBIT nur eine Sorge, dass er fehlen könnte: Die Hostessen, die Häppchen, die halbgaren Versprechungen. Da fühlt sich der Marketer wohl, man weiß, man ist unter sich.

Von einer fünftägigen Tour zurückgekehrt, stand Spottolski am letzten Februartag vor dem Hause und brüllte aus Leibeskräften.

„Wir habe den Dings, den Markt studiert“, erklärte er und zwängte sich an mir vorbei. „Wo ist mein Napf?“

„Den Markt?“ fragte ich. Kaum scheint die Sonne auf die bekloppten Kater, schon ist Frühling.

„Wir sind mausmäßig voll auf die CeBIT eingenordet“, schrie er, „und ich hab noch nichts im Magen.“

„Du machst einen Krach wie die NASDAQ“, sage ich, „da sind binnen zwei Jahren 4.000 Milliarden Dollar Kapital vernichtet worden.“

„Nasdeg, die aus dem Oberdorf?“ Neue Miezen sind seine Zuständigkeit. „Wie war das mit meinem Napf?“

„NASDAQ“, sage ich, und gab ihm Thunfisch doppelt, „das ist der Neue Markt im Neuen York.“

„Toll, Und wie ist der neue Jork miezenmäßig drauf?“

„Das ist die Börse, es geht um Kapital, vier Millionen Millionen davon wurden verbraten.“

„Echt? Ist das mehr als zwei Napf voll?“

„Das sind mehr als zwei Napf voll.“

„Egal, morgen geht’s los, zur CeBIT.“

„Wieso morgen?“

„Du hast es versprochen!“, begann er wieder zu brüllen.

„Was willst Du auf der CeBIT, seit dem bescheuerten MAPI habt Ihr Zoff-Kater nichts Neues gebracht.“

„MAPI war unser totaler Knüller! Die Mäuse, die Miezen, ich hatte sowas von zu tun! Auch gibt es einen Update“, fügte er hinzu, denn Spottolski versteht die Fachsprache: „MAPI 02, der vollfette Kundenverdingungs-Weichmacher.“

„Kundenbeziehung“, sagte ich, „nicht -verdingung.“

„Wir werden die Ersten im Markt!“ schrie mein Kater, „wir haben ein Emil-Responsat eingebaut, wir plaggen den Zufriedenheits-Messungs-Router hinein, und mit dem Kontent-Klappmodul kann uns sowieso keiner: Du-sagst-es-wir-liefern-es“. Er sah mich mitleidig an, als wäre ich zu blöde.

„Wer hätte das gedacht?“

„Nicht zu schweigen von unserem Kommunalen Beziehungs-Management mit dem automatischen Rückwirkungsverstärker, Du weißt schon“, blickte er mich treuherzig an, „wegen der Fidbäcksache, das wird der Rohrkrepierer aller Zeiten.“

„Der was?“

„Wir zeigen alles, was auf- und zugeht. Kannzemasehn. Übrigens machen wir das ambulant. Wegen der Kundennähe …“

Und schon war unser Marketingexperte wieder draußen, den Anderen erzählen, dass ER auf der CeBIT sein wird und sie nicht.

Er weiß: Wer sich im Marketing nicht rührt, der friert, und so leuchtet uns Spottolski mit laufendem Beispiel voran. Oder so.


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