baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Fäulnis angesagt

Mittwoch 25 Februar 2015

Sex ist schön. Das gehört aber nicht hierher. Sex ist außerdem unersetzbar, jedenfalls hat das geborgte Wort alle heimischen Wortschöpfungen verdrängt. Das ist gut so, denn fast alles, was nicht unter wahre Liebe fällt, zählt irgendwie zum Sex. So lässt sich mit einem Wort aus nur drei Buchstaben Ordnung herstellen.

Ausriss aus dem Spiegel Nr. 8 vom 14. Februar 2015

Sex hat auch Nachteile, und davon gleich zwei. Ein flüchtig auf Svensklish geführtes Gespräch gerät leicht auf schlüpfrige Abwege, denn sex (mit einem scharfen S) steht in Schweden für die Ziffer 6. Schlimmer noch: Wie Sex ausgeübt wird, beschert uns gefühlsaufwallende Wortwolken wie Sex haben oder gar Sex machen. Das ist nicht gut so. Man könnte glatt meinen: Wer sich so äußert, hat in diesen Dingen das Schießpulver nicht erfunden. Also Vorsicht! Im Internet findet sich bei geeigneter Formulierung des Suchwortes (zum Beispiel „Synonym für Sex“) eine sehenswerte Fülle von Wörtern, die größtenteils nicht stubenrein, aber komisch klingen und in allen Fällen dem Haben oder Machen von Sex überlegen sind.

Nicht nur im Bett wird als Anfänger entlarvt, wer mit Englisch um sich wirft. Im SPIEGEL tauchte dieser Tage ein bald zwanzig Jahre altes Bild auf: „VOTE ROT!“, hier als Ausriss wiedergegeben, mit dem sich Politiker als Stümper zu erkennen geben. Es ist doch so: Vote rot überfällt den Betrachter als eine englischsprachige Aufforderung to vote. Wie die Dinge liegen, setzt das Gehirn (es ist ja nicht blöd) den Satz auf Englisch fort (wie denn sonst?), rot also mit dem englischen R, einem kurzen O und dem hartem Auslaut wie unser Doppel-T.

So weit so gut. Sehen wir nach, was wir so nachplappern. VOTE ist klar: Stimme abgeben. ROT bedeutet Verwesung, Fäulnis, Verrottung. Mit diesem Plakat warb die SPD für Verrottung. Alles klar. Euer Ehren, ich habe keine weiteren Fragen.


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