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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Der Nutzenbegriff im Marketing

Samstag 27 September 2003

Die in der Zoff-Community vereinigten Kater des Dorfs Ohorn haben eine Lücke im Marketing geschlossen: Sie haben den Gebrauch des Nutzenbegriffs kodifiziert und auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben.

Umnutzung

„Ob und wann man ausnützen sagen darf, anstelle von nützen, diese Debatte ist ab sofort überflüssig,“ verkündete Spottolski, der bekannte Experte für ländliches Marketing anlässlich der Enthüllung einer Gedenkdose im Oberdorf.

Die Kater haben sich darauf verständigt: Das Wort Ausnützen bedeutet die lückenlose Markierung des Katerreviers, im Sechsstundenintervall, mindestens. „Rund um die Uhr!“ legte Spottolski einen drauf, und ließ sein Auge wohlwollend auf der Dose ruhen.

Arbeitsrechtliche Einwände erwartet die Zoff-Community nicht. Notfalls werde zu nützlichen Abgaben gegriffen, der sogenannten Abnutzung. „Ist aber nichts Neues,“ raunten die älteren Kater, und ließen ihrerseits Spottolski nicht aus dem Auge. Unter der Umnutzung, führte dieser aus, verstehen die Kater die Umkreisung des Opfers bis zum Zeitpunkt der Benutzung. Die anschließende rasche Entfernung vom Tatort gilt als Entnutzung.

Übernutzen

„Dieses System schnallen sogar Hunde,“ rief ein von der Midlife Crisis gezeichneter Rotbrauner aus der zweiten Reihe. „Und die Miezen,“ fügte ein Halbstarker hinzu, wofür er eine gepfeffert bekam. Auf die Frage, welchen Nutzen die Zoff-Community von ihrer Initiative genieße, wurde darauf verwiesen, dass gewisse Nutzenslücken zu stopfen bleiben; mit dem Wirtschaftsministerium würden bereits metanützliche Gespräche geführt.

Entsprechend dem Über-Ich in der Psychologie wollten sie künftig den Über-Nutzen propagieren, fuhr Spottolski fort: „Darunter ist die Marge der Agentur zu verstehen. Ihr reziprokes Gegenüber ist der Unternutzen, berechnet als Quadrat aus dem seitens des Kunden vermissten Zusatznutzen, vermindert um Vier.“

Nießnutz

Warum Vier, diese Frage wurde mit Hinweis auf die statistische Wissenschaftlichkeit des Ansatzes unbeantwortet gelassen: Das könne man sich im übrigen denken! Bei Regen könnte es auch umgekehrt sein, schlug Spottolski vor, klopfte auf die Dose und erläuterte den Nießnutz, ein weiteres Opfer der allgemeinen Sprachschlamperei in Medien, Schulen und auf Kegelbahnen. Auf die Dose deutend, bezeichnete Spottolski als Nießnutz den typischen Fall, „dass Frauchen ein namenloses Katzenfutter vom Lidl anschleppt, dann hat einer den Dosenöffner versaubeutelt und der Hauskater ist mal wieder auf die mobile Frischkost vor Ort angewiesen.“

Das an dieser Stelle entstandene Kopfschütteln nutzte Spottolski und büchste mit der Dose aus, worauf die Mehrzahl der Community die Verfolgung aufnahm. „Das geht hier immer so zu“ murmelte ein Altkater. So endete die Vorstellung einer hoffnungsvollen Marketinginnovation mit einem nutzensteigernden Eklat.


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