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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Gestammel am Quartier F

Dienstag 18 Oktober 2011

Vor dieser Schaufenster-Collage fragt meine Jennifer (immerhin eine englische Muttersprachlerin): „Was meinen die bloß mit clothed bath?“ Ein angezogenes Badezimmer? Escada bekleidet Badezimmer? Ist ein Bad zum Designer geworden? Während wir unser Eis schleckten, haben wir die Frage hin- und hergewälzt. Wir haben es nicht herausbekommen. Zusammen bringen wir beide immerhin 69 Lebensjahre in englischsprechender Umgebung auf die Waage. Auch Stummelenglisch haben wir drauf, schlechtes Englisch, Pidgin, und diverse Dialekte (sowie Globisch) – dachten wir jedenfalls. Ich zücke die Kamera, genauer: das Händi, von dem ich meist vergesse, dass es auch Fotos fertigbringt und trete näher.

Wortcollage am Schaufenster einer Dresdner Modeboutique

Gestammel Nummer 1 am Quartier F

Der zwanglose Umgang mit der Weltsprache – von der die Boutique sicherlich vermutet, dass Millionen Dresden-Pilger sie verstehen -, findet sich auch am nächsten Fenster: renewal open coming soon. Renovierung offen kommt bald? Also was nun: Isses oder kommtes? Man ahnt irgendwie, was die Escada-Leute meinen, denn es folgt – im zeitgemäßen Sprachallerlei – die Aufforderung zum Besuch ihres temporary store im 1. Stock.

Hineis auf der Tür zur Boutique

renewal open coming soon

Collagierte Sprachlosigkeit als Sinnbild für – teure Klamotten. In London gibt es ähnliches. Bei John le Carré findet der Leser in fast jedem Roman Beispiele für Belgravia Cockney, das zusammengefaltete Englisch der Londoner Oberklasse – das Ende aller intelligenten Verständigung.

Gesehen im Quartier F an der Frauenkirche zu Dresden, gleich neben der (übrigens vorzüglichen!) Gelateria Bellagio. Es handelt sich im zweiten Bild tatsächlich um die Tür zur Escada-Boutique. In der Sonne spiegelt das Glas die Fassade des Jüdenhofs zwischen Verkehrsmuseum und Fürstenzug.

(Bilder: O. Baer)


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