baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Einer, der anderen die Bücher hält

Donnerstag 25 Mai 2006

So einen nennt man Buchhalter. Der Freiberufler betraut mit dem Halten seiner Bücher ein Programm mit eben diesem Namen, zum Beispiel von Lexware. Er vertraut der Weichware, sie hat ihm anstandslos gedient, ihre jährlichen Aktualisierungen durchgezogen, ihn in Sicherheit gewogen, auf dass reibungslos verlaufe, was immer schon gelang: die Buchhaltung. Sogar das Finanzamt hatte nichts zu klagen, Elster funktionierte von Anfang an.

Wie wir aus den Tragödien der Griechen wissen, geht so etwas nicht ewig gut. Eines Tages schlägt er zu, der böse Geist der Buchhalter, oder ist es der Gott der Diebe und Händler, Hermes persönlich? Eines Tages verstopft er, mitten in der Aktualisierung, die Leitung. Ein Programm-Molekül liegt quer oder es kratzt sich hinter dem Öhrchen und weiß nicht recht, bricht vorsichtshalber den Vorgang ab und hinterlässt eine Fehlermeldung von solcher Informationsdichte und Verständlichkeit, sie könnte glatt von Microsoft stammen, tja, und das wars.

Der molekülgeschädigte Benutzer, bei Hermes als Juser bekannt, wendet sich via Lexware-Heißleine an seinen Gott und verflucht den Moment, da er dies begann. Hätte er seinen PC abgefackelt, einen Versicherungsfall herbeigeführt, die Auswanderung eingeleitet oder sonstwas Konstruktives erwogen – er hätte nicht zwei volle Arbeitstage verloren. Die Hotlines von Lexware kaufen ihm den Schneid ab. Keine Angst, wir übergehen die Einzelheiten, hier kommt die Zusammenfassung: Nach einem halben Dutzend kostspieliger Gespräche (auf 0900er Nummern!) besaß der Juser sechs (6!) einander widersprechende Lösungen, probierte sie alle, natürlich vergebens, und löste sein Problem schließlich auf unorthodoxe Weise, siehe oben.

Mich verblüfft nur eines: Dass ein deutscher Anbieter sich traut, dass ihn kein Stolz hindert, Dienste auf einem Niveau zu leisten, mit dem er selbst in Sambia sauer aufstieße. Aus Afrika bin ich Besseres gewohnt. Falls ein Leser eine Weichware weiß, die mir das verlässliche Halten meiner Bücher erleichtert – ich bin für jeden Rat dankbar.

Bevor ich es vergesse: Die Leute im Finanzamt waren nicht nur höflich, sie kamen dem Juser in der Not entgegen. Es war geradezu ein Vergnügen, mit dem Finanzamt zu telefonieren. Soviel zum kundenzentrierten Marketing in der freien Wirtschaft.

Nachtrag: Telefonrechnung ist eingetroffen, ich habe die Weichware praktisch ein zweites mal bezahlt.


  1.  
    12/10/2006 | 08:00
     

    Lieber Oliver Baer,
    zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu dem neuen Outfit und den neuen Dialogmöglichkeiten via Blog ! Die erfrischende Sprache ist zum Glück erhalten geblieben !
    Nun zum Thema Buhl/Lexware: Ich arbeite mit dem „Sparbuch“. Kommt auch von Buhl, ist deren „Premiumprodukt“ und vielfach prämiert. Ich bin damit sehr zufrieden – auch mit deren „Heißlinie“. Deshalb habe ich ein Abo, bekomme jeweils im November die neue Ausgabe zum Vorzugspreis. Die ist jedes Mal erkennbar besser. Buhl hat anscheinend das japanische KAIZEN (Prozess der permanenten Verbesserung) begriffen. Das sollte man anerkennen (nicht nur meckern).

  2.  
    Uwe Neumann
    31/07/2006 | 19:21
     

    Hallo, als kleine Ergänzung hier ein Brief an Lexware, den ich auch in deren Forum gestellt habe, mal sehen ob er da bleibt.

    Dank und schöne Grüße

    Uwe Neumann

    Migration Lexware Financial Office pro –“ Lexware Warenwirtschaft Pro

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wir nutzen seit Jahren Ihre Software Financial Office Pro und wollten, aufgrund der Auslagerung unserer Lohnbuchhaltung und Buchhaltung zum Steuerberater auf eine neuere und um diese Funktionen reduzierte Version Warenwirtschaft Pro umsteigen. Ihre Beratung (Hotline) bestätigte uns, dass wir die alten Daten problemlos übernehmen könnten. Verschiedene Anrufe bei Ihrer Installationshotline haben zwar unterschiedliche Wege dazu aufgezeigt, dies sollte jedoch laut Ihren Mitarbeitern möglich sein.

    Wir haben daraufhin die Software bestellt und installiert. Der Installationsvorgang und vor allem der Deinstallationsvorgang gestaltete sich eher schwierig, da die Deinstallationsroutinen der alten Software nicht richtig funktionieren und einige hundert Schlüssel in der Registry einfach vergessen wurden. (also von Hand hinterher). (Übrigens hinterlässt auch die neue Version 485 Einträge in der Registry!)

    Nun stellt sich heraus, dass der Import der alten Daten Kunden und Lieferanten zwar funktioniert, jedoch bereits der Import der Artikel nicht richtig funktioniert hat. Weiterhin werden alle Geschäftsvorgänge (Aufträge, Rechnungen, Projekte)m die essentiell sind, einfach nicht berücksichtigt.

    Ein ehrlicher Mitarbeiter hat uns dann aufgeklärt und bestätigt, dass es von Seiten Ihres Unternehmens gar kein Interesse daran gibt, Unternehmen zu unterstützen, die Ihre Software downgraden. In der Tat stellen die angebotenen Importfunktionen der Warenwirtschaft keinen gangbaren Weg dar.

    Ich bin gelinde gesagt enttäuscht von der Art, wie Ihr Unternehmen mit seinen Kunden umgeht. Ich bin gezwungen auf die alte Version von Financial Office Pro zurückzukehren und mich nach einer Alternative zu Ihrer Software umzusehen. Sie verlieren einen Kunden und ich versichere Ihnen, eine Empfehlung für Ihr Haus kann ich nicht geben.

    Schade um die 2 Tage, die ich damit verbracht habe, als Versuchskaninchen für Ihre Mitarbeiter und Ihr Haus zu dienen.

    Ein frustrierter Nutzer Ihrer Software,
    Neumann Vertriebsagentur OHG
    Uwe Neumann

  3.  
    12/06/2006 | 10:15
     

    Aber, aber, lieber Herr Haeger,

    Feuerfuchs, Donnervogel, Offenes Büro – das sind eingetragene Marken, die darf man nicht … doch man darf, wir sind ja unter uns.

    Danke für Ihre Tipps, ich bin gnu_g verärgert , sie auszuprobieren. Und ja, darüber berichte ich gegebenenfalls an dieser Stelle.

  4.  
    G.Haeger
    12/06/2006 | 09:54
     

    Mit Lexware waren in der Vergangenheit recht viele zufrieden, aber seit ca. einem halben Jahr häufen sich die Berichte verärgerter „Juser“. Eine gute Empfehlung habe ich auch nicht. Um weitere Desaster zu vermeiden, kann ich nur noch vor Programmen aus dem Hause Buhl Data (= WISO-Irgendwas) warnen. Meiner bescheidenen Meinung nach, fehlt denen schlicht und ergreifend Software-Knowhow. Bei Buhl/WISO erhält man schlecht zusammgenfrickelte Softwarekomponenten anderer Firmen (primär von Microsoft).

    Bevor man durch weitere schlechte kommerzielle Produkte die Glatzenbildung fördert, könnte man vielleicht quelloffener Weichware mal eine Chance geben? Der Feuerfuchs, das offene Büro und der Donnervogel sind schließlich auch gescheite und im gewerblichen Kontext nutzbare Programme

    Für den kleineren Rahmen
    http://www.gnucash.org/

    Für die größere Anwendung
    http://www.compiere.org/

    Wenn Sie was testen, schreiben Sie doch mal über Ihre Erfahrungen damit.

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