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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Vorschlag zur Gendergüte

Donnerstag 25 Februar 2016

Dass di der Teifi hol! (© Bild Behland)

Gesteuerter Sprachgebrauch im Sinne der sprachsensiblen Gleichstellung verändert die Sprache. Das ist ausdrücklich gewollt und es wirkt. Über die ästhetischen und politischen Aspekte ließe sich streiten. Schwerer wiegt hier der Umgang mit der Wirklichkeit: Das angesagte Ziel wird verfehlt, etwas Wichtiges wird zerstört.

Dass grammatisches und biologisches Geschlecht verwechselt werden, liegt im Interesse der genderbewegten Sprachveränderer. Dass die Verwechslung einem Denkfehler entspringt, gilt als ein verpönter Einwurf, typisch für die männliche Missachtung der Frau. Sprache, so die Erklärung, werde doch dauernd manipuliert, das müsse – zu einem ausnahmsweise guten Zweck – dann auch mal statthaft sein.

Das kann man so sehen, vorausgesetzt wir nehmen Zusammentöße mit der Wirklichkeit in Kauf. Verwirbeln wir Fragen der Gleichstellung mit Fragen des Sprachgebrauchs, geraten wir nämlich in einen Kategorienstreit (gugelbarer Begriff), und ein solcher ist bekanntlich unlösbar. Ein plattes Beispiel: Vermengung der Kategorien träte ein, wenn auf dem Fußballplatz nach den Regeln des Kegelns gepfiffen würde.

Sprache dient als Medium und Werkzeug zum Denken. Wer seine Sprache abstumpft, nimmt ihr die Schärfe, Klarheit und Fülle zur Formulierung von neuen, schöpferischen Gedanken, die übrigens im eigenen Gehirn Synapsen bilden müssen, damit sie etwas nützen. Dass vom Binnen-I über Passivsätze bis zur Doppelnennung die Sprache immer sperriger wird, kann ernsthaft keiner bestreiten. Die Folge ist zunehmende Verflachung des Denkens, Verdummung, Versklavung.

Tatsächlich wird nicht nur das Denken behindert, in Frage steht auch der Nutzen für die Gleichstellung. Je stumpfer die gegenderte Sprache, desto abgestumpfter die Wahrnehmung solcher Rede durch Leser und Zuhörer. Wer binnen Sekunden dreimal „die Kolleginnen und Kollegen“ erwähnt, erreicht vor allem eines: Unsere Aufmerksamkeit lässt nach, hinhören lohnt nicht mehr, da ist das Geschehen auf dem Flachfon spannender als der immer gleiche Sermon. Zu Ende gedacht: Das erzwungene Bekenntnis zur sprachlichen Sensibilisierung verpufft nicht nur zum Lippenbekenntnis, es wendet sich in seiner Wirkung gegen den ursprünglichen Zweck. Wenn aus Radfahrern Rad fahrende werden, wie soll man die Verfasser der Straßenverkehrsordnung noch ernst nehmen?

Versuchen wir einen Brückenschlag zwischen den Kategorien. Feministen beklagen, dass etwa die Funktionsbezeichnungen auf Männer verweisen, nur bei niederen Diensten auf Frauen: die Krankenschwester gegenüber dem Doktor. Tatsächlich gelten der Schreiner, der Zählerableser, der Psychopath, der Armleuchter als Männer. Bliebe es bei der hergebrachten Ausdrucksweise, seien die Frauen immer bloß mitgemeint.

Was anscheinend so logisch daherkommt, ist aber geschwindelt. Dass Frauen nur mitgemeint seien, ist kein linguistisches Argument, sondern ein biologistisches. Linguistisch spielt es nämlich keine Rolle, wer mit der, die oder das gemeint ist: Biologisch mag es wichtig sein, linguistisch ist unerheblich, ob das Mädchen sächlich ist. Mitgemeint sind stets sowohl Frauen wie Männer. Dass nur Frauen mitgemeint seien, ist also eine sehr unfreundliche Zwecklüge. Ginge es noch um Wahrheit, müsste das Mitgemeintsein linguistisch nicht mehr zurechtgegendert werden. Man glaubt ja fast schon selber, es handle sich beim Lehrer um einen männlichen Beruf (real sind 90 Prozent Frauen!). Manches muss man nur oft genug behaupten, dann wird es geglaubt.

Dennoch bietet sich ein Kompromiss sogar aus linguistischer Sicht an. Besinnen wir uns erstens auf die biologische Geschlechtslosigkeit der grammatischen Bezeichnung, so können wir zweitens sämtliche Erweiterungen ausmerzen, die auf das biologisch weibliche Geschlecht verweisen. Dann gibt es keine Sekretärinnen mehr, keine Präsidentinnen, Faschistinnen, Narzistinnen, Pfarrerinnen, Armleuchterinnen. Dann lautet die korrekte Anrede „Frau Präsident!“, während „Sehr geehrte Ehebrecher und Ehebrecherinnen!“ keiner benötigt. Tatsächlich brauchen wir das /in/ nur, wo es genannt sein muss, etwa in der Tarifverhandlung: „Gleicher Lohn nun auch für die Laborantinnen!“ LaborantInnen würde dieselbe Information wertlos machen.

Zugegeben, gewöhnungsbedürftig ist so eine Umkehr zur Vernunft schon, aber auch unendlich viel praktischer als mit aller Gewalt zum Sportwart die Sportwartin zu erfinden. Auch werden wir viel Sprachunfug los: „Frauen sind die vernünftigeren AutofahrerInnen“ ergibt nur ohne Gendern einen Sinn. Auch Kollateralnutzen hat der Vorschlag: Es muss nicht jedesmal „Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten“ gesagt werden…

In Wirklichkeit nähern wir uns doch – abseits der genderbedingten Sprachmanipulation – mit Riesenschritten der Emanzipation der Geschlechter. Wie schön! Verschonen wir daher die Sprache, wir brauchen sie in bester Verfassung zur Behandlung immer noch ungelöster Probleme, zum Beispiel: Wie geht es weiter, wenn in Arabien und Afrika das Grundwasser erschöpft ist? Streben dann die überlebenden fünfhundert Millionen in das gemäßigte Klima zu uns?


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