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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
So bitte nicht!

Freitag 19 Mai 2017

Der Polizei muss doch mal eine Lanze – wie sehen Sie das, die muss doch mal gebrochen werden, sowie den Opfern, so geht das jedenfalls nicht!

Pressemeldung der Kreispolizeibehörde Wesel vom 6.5.2017

In dieser Meldung wird das Opfer in seiner Eigenschaft als „Mann“ unmissverständlich hervorgehoben, ja verunglimpft. Das wird die Männerrechtler auf den Plan rufen. Zielgerichtete Einengung auf nur ein Geschlecht ist total unstatthaft sowie geeignet bei der Aufklärung des Falles massiv zu stören, schon wegen der Nebengeräusche. Sodann ist der „unbekannte Mann“ zu beanstanden. Ist er unbekannt, wieso steht vorab fest, es handle sich um einen Mann? Als ob in Zeiten der erstarkten Frauenbewegung eine weibliche Täterschaft von vorneherein ausgeschlossen wäre? Und überhaupt, nicht auszudenken, das Täterwesen wäre weder Fleisch noch Fisch, oder gar beides oder überhaupt irgendwas? Bedenklich!

Dass das Alter des Opfers mit dreißig Jahren angegeben ist, muss ebenfalls beanstandet werden, denn das erleichtert seine Identifikation durch Bekannte (BekanntInnen!) sowie durch spitzzüngige Familienangehörige (meistens Weiber, die mit der Zunge). So käme zum Schaden des Opfers der Hohn. Da kann sich die Polizei getrost einer diskreteren Wortwahl befleißigen! Sachlich korrekt ist immerhin die Anmutung, dass der/die Täter(in) geflüchtet sei, indes folgt darauf ein grundlegender Eckgipfel der Peinlichkeit: „Der Täter kann nur als männlich und groß beschrieben werden“. Als ob die Moerser Polizei zu anderen Beschreibungen nicht fähig wäre! Wie steht der Wachtmeister da vor seinen Kindern? Das wirft ein Licht auf die Polizei, das sie getrost unter den Scheffel stellen kann, da brennt nichts an.

Als nächstes wird die Frage impliziert, ob ein vertikal vergleichsweise geringer ausgeprägter Mensch demzufolge kein richtiger Mann sei! So nicht! Auf diese Weise werden großgewachsene Männer diskriminiert, das ist ein Anschlag auf die Selbstbestimmung des Mannes als soziales Konstrukt, der durch den letzten Satz der Polizeimeldung vollends in den Schatten gedrückt wird: „Er sprach akzentfrei Deutsch.“

Da verschlägt es die Sprache schlechthin. Nicht nur muss als selbstverständlich gelten, dass Ausländer hierzulande Deutsch beherrschen, sodass es einer derart sarkastischen Überhöhung wahrhaftig nicht bedarf, sondern vielmehr, außerdem und überhaupt gehören Fremde, die sich redlich um die spurenlose Erfüllung dieser Anforderung bemühen, ausdrücklich gelobt! Der Unterton der Moerser Polizei ist anstößig, ach was, umstößig. Gesetztenfalls das täternde Wesen wäre ein einheimisches deutsches in siebter oder sagen wir achter Generation, wäre sein/ihr akzentfreier Umgang mit ihrer/seiner Muttersprache kaum der Rede wert. Wäre zu hoffen. Also bitte Ihr da in Moers und Wesel, kommt mal klar! Dürfen Frauen keine Opfer mehr sein?


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