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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Schlimmer als die verpatzte Energiewende

Montag 7 April 2014

very strong engländisch (© Behland)

Wie Zocker verspielen wir eine Ressource, ihr Verlust wird uns teurer zu stehen kommen als die verpatzte Energiewende.

Unsere Enkel werden fragen, warum wir die Muttersprache nicht auf dem Niveau hielten, das die deutschen Nobelpreisträger (darunter viele Juden) des vorigen Jahrhunderts verwendeten. Sie werden fragen, was wir unternahmen, damit nicht jeder fünfte Jugendliche schon sprachlich am Fahrkartenautomat versagt. Warum Wissenschaftler in schlechtem Englisch statt zuerst in gutem Deutsch publizieren.

Die Antwort: Wir ließen zu, dass die Muttersprache mit dem Vaterland zu einem Eintopf verrührt wird; der schmeckte braun, da fraßen wir lieber junk food aus Amerika.

Was wir mit Englisch anstellen, eignet sich zum Blödeln, nicht aber zum Denken. Gerade die deutsche ist eine jener Sprachen, die ihre Sprecher zum genauen Ausdruck ermuntern. Sie schubst, zügelt, quengelt: „Sag, wie es ist!“ Damit einher geht das klare Denken. Man kann in jeder Sprache Flugtechnik so beschreiben, dass die Flieger nicht vom Himmel fallen, in manchen aber geht es besser. Das beweisen die synoptischen Texte des Normenausschusses Luft- und Raumfahrt. Aus seinen Arbeitstreffen berichtete Gerhard Junker: „Das Ergebnis war stets: Kürzester Text war der englische, aber selbst die sprachstolzen Franzosen befanden: Der beste Text ist der deutsche.“

Das hat nichts mit Nationalismus, sondern mit realen Eigenschaften der Sprachen zu tun. Das Englische eignet sich zur leichtfüßigen Verständigung; deshalb ist es – trotz seiner vertrackten Rechtschreibung – die Weltsprache; für diesen Zweck wäre das Deutsche zu sperrig, besserwisserisch, es bremst die Verständigung. Andererseits kann man im Englischen mühelos zehn Minuten schwafeln, bis die Hörer merken: Der sagt ja nichts! Auf Deutsch wäre der nach einer Minute entlarvt.

Es gibt keine besseren und schlechteren Sprachen, es gibt Werkzeug für diesen oder jenen Zweck. Deutsch müsste aufgrund seiner eigenarten eine bevorzugte Sprache der Wissenschaften sein (wie sie es einmal war). Akademiker fallen lieber auf die Behauptung herein, dass die englische Weltsprache dem Austausch von Wissen am besten diene. Solchen Unfug nennt man Monokultur, das Gegenteil von geistiger Vielfalt. Zudem beherrscht weltweit nur eine überschaubare Zahl von Akademikern so gutes Englisch, dass mit Amerikanern ein Austausch auf Augenhöhe gelänge. In dem frommen Glauben, das alles geschähe folgenlos für ihre Wissenschaft, formulieren deutshe Akademiker holpriges Englisch. Ihre deutsche Terminologie verarmt und die Zusammenhänge radebrechen sie. Das Volk, das sich bei dieser geistigen Auszehrung der Restsprache bedient, hat zur Lösung der Weltprobleme bald nichts mehr zu bieten als eine verlängerte Werkbank.

Schuld an dieser Misere tragen nicht nur die Grünen und Linken, die nicht begreifen: Die geistigen Ressourcen zählen zu den endlichen Rohstoffen, sie müssen ständig erneuert werden. Wer glaubt, die Sprache „entwickle sich vonselber“, verhält sich wie der Faulpelz, der seinen Garten sich selbst überlässt: Sieger ist das „Unkraut“. Schuld tragen indes auch die Sprachschützer, denen der Unterschied zwischen Muttersprache und Vaterland nicht einleuchtet. Sie machen Sprachpflege zu einer deutschnationalen Angelegenheit, so als würde unsere Muttersprache nur in Deutschland gesprochen. Nebenbei: Die Sprache der Nazis war kein gutes Deutsch, sondern ein Gruselsurium der Aufgeblasenheit, auf die man hereinfiel, statt die Unwörter zu jäten.

Dass es bei liederlicher Sprache mit dem Denken bergab geht, ist in den Gesprächsforen des Internets zu besichtigen: Leere im Hirn, Mangel an einfachster Logik und Verfall der Sprache treten gemeinsam auf. Dagegen hilft, liebe Leute auf der Linken, auch nicht Euer geliebtes Englisch. Warum? Weil Schrumpfenglisch nicht genügt und gutes Englisch nur auf Grundlage der gepflegten Muttersprache gedeiht. Das zu kapieren kann so schwer nicht sein…


Der verstorbene Dipl.-Ing. Junker war Gründungsmitglied des Vereins deutsche Sprache


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