baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Nein, kein Mobbing

Montag 14 November 2011

Manche glauben fromm an den Duden, als wäre er das Neue Testament der rechten Schreibung: Wenn’s im Duden steht, dann gibt es das und und zwar in genau der Schreibweise.

Steht es jedoch nicht im Duden, beweist das zwar ebenso wenig, gibt aber zickigen Zweiflern anscheinend recht: „Dann gibt es das Wort gar nicht. Dann dürfen Sie es auch nicht verwenden!“

Andererseits enthält der Duden Wörter, die es zwar gibt, die in der angegebenen Form aber völlig falsch sind. Zum Beispiel findet sich dort das Wort mobbing – denn es stammt vermeintlich aus dem Englischen. Vermeintlich, denn es stimmt so nicht, und es gibt einen unverdächtigen Zeugen; er belegt, dass Engländer und Amerikaner nie als mobbing bezeichnen würden, was wir hierzulande (zur klammheimlichen Belustigung der englischen Muttersprachler) so nennen. Linguisten meinen gern, es könne keine falsche Bedeutung geben, sondern es zähle nur der tatsächliche Gebrauch des Wortes. Das können sie gerne auch weiter so behaupten: Falsch bleibt aber falsch, auch wenn eine Mehrheit es für richtig hielte.

Rückmeldeformular bei Facebook

Richtig sind: bullying, harassing - falsch ist: mobbing - und wenn es schon in den Duden kommt, würde es seinen Nutzwert verzehnfachen, wenn solche Fehler mit dem Eintrag richtiggestellt würden

Wer sein Facebook-Konto auf Englisch verwaltet (das kann man probehalber selber einstellen und anschließend wieder auf Deutsch zurückstellen), findet dieses Rückmeldeformulärchen. Damit wehrt er sich gegen Einträge, die ihn belästigen. Man sehe die vierte Meldezeile und lese: Steht da mobbing oder steht da harassing or bullying?

Die bei Facebook können nämlich Englisch, es ist ihre Muttersprache, da kann sich die Duden-Redaktion auf den Kopf stellen: Sie hat eine völlig falsche Bedeutung als richtig abgesegnet (wie so oft). Blödsinn bleibt Blödsinn, den kann der Duden noch so oft als realen Sprachgebrauch durchgehen lassen. Das tut er übrigens oft, und das darf er. Und der Leser darf den Duden dafür ernst nehmen, muss es aber nicht. Gesetzeskraft hat der Duden nicht.

Siehe dazu auch Von Babylon nach Globylon (Seiten 117 bis 121) zu der Frage, ob Anglizismen beim Englischlernen nützen oder schaden. Dort steht auch, was Wolf Schneider von diesem „Rechthaberbuch der Deutschen“ hält.


  1.  
    Regin Reuschel
    06/03/2012 | 14:53
     

    Exactly: Fälschlicherweise halten fast alle Deutschen den Duden für so etwas wie die institutionalisierte Macht einer Académie Francaise – und die Duden-Redaktion freut’s, auch wenn der Duden-VERLAG mitnichten etwas Vergleichbares ist. Jüngere halten GOOGLE für die Akademie der deutschen Sprache und googeln mit Wörtern. Im Sächsischen gibt es so etwas wie gogln, und damit meint man: mit dem Feuer spielen. Wer also im Duden nachschaut, der tut dudln – oder gar DÖDELN.

  2.  
    15/01/2012 | 11:09
     

    Das Beispiel belegt: Der Dudenanwender könnte es ganz nützlich finden, wenn ihm die Redaktion die ergänzende Information gäbe. Zumal Facebook nicht mehr so ganz unbedeutend für den Alltag vieler Menschen ist.

    Übrigens: Warum dürfte eine Lexikonredaktion die Sprache nicht kritisieren? Tut sie es nicht ohnehin?

  3.  
    Bernd L.
    15/01/2012 | 10:15
     

    Sehr geehrter Herr Baer,

    der Duden ist ein Wörterbuch der deutschen Sprache. Er ist kein Englischlexikon. Darum beschreibt der Duden, welche Bedeutung ein im Deutschen verwendetes Wort hat. Ob das in diesem Fall an das Englische angelehnte Wort in dieser Sprache auch so existiert, ist dabei nicht sonderlich von Belang.

    Dieses Vorgehen mag vielleicht manchmal irritieren, aber es hat schon Sinn. Es ist nicht die Aufgabe einer Lexikonredaktion, die deutsche Sprache zu kritisieren. Es gibt das Wort Mobbing, so wie es das Wort Handy gibt. Aufgabe des Duden ist, die Schreibweise und die Bedeutung dieser Wörter zu klären.

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