baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Nachts ist es kälter als draußen

Dienstag 21 November 2006

„Höhere Steuern für die Bürger bei gleichzeitiger Senkung der Unternehmenssteuern sind unsozial.“ ist ein Standardsatz der sozialen Marktwirtschaft, aber stimmt er?

Tatsächlich muss ein Unternehmen alle sozialen Abgaben, Steuern usw. verdienen, sonst würde es seine Existenz vernichten. Dabei spielt es keine Rolle, ob Umsatz oder Gewinn besteuert werden. Die Unternehmenssteuern schlagen selbstverständlich auf die Preise durch und der Verbraucher bezahlt sie sowieso. Unternehmenssteuern verringern demnach die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, wenn zur gleichen Zeit sein chinesischer Konkurrent steuerfrei davonkommt. Unsozial ist demnach, dass inländische Unternehmen überhaupt besteuert werden. So vernichtet man Arbeitsplätze.

Es ist immer sinnlos, zwei Kategorien gegeneinander auszuspielen. Dass sich viele Unternehmer unsozial verhalten, bestreitet keiner. Sie deshalb zu besteuern, entwickelt etwa die gleiche Logik wie der Verkäuferschnack: „Nachts is kälter als draußen.“ Einer Lösung kommt man keinen Schritt näher, wenn man die Sprache zum Verkleiden ärmlicher Gedanken missbraucht.


  1.  
    02/04/2008 | 13:45
     

    Wie geil ist denn diese Überschrift… Ich lach mich vom Tisch ;-D

  2.  
    G.Haeger
    22/05/2007 | 21:28
     

    @ Paulousek
    «In aller Kürze nur so viel: Die Unternehmen verdienen prächtig, und die Investoren wissen schon gar nicht mehr wohin mit dem ganzen Kapital (=abgeschöpften Gewinnen).»

    Das Lieblingsfeindbild der Linken: Der gierige Aktionär. ‚tschuldigung, aber wie einfältig ist das? Haben Sie Aktien, Aktienfonds, Zertifikate? Nein? Aber bestimmt einen Riester-/Rürupvertrag oder eine Kapitallebensversicherung? Das muss fast jeder mit Ja beantworten. Somit ist fast jeder direkt oder indirekt „böser, gieriger Aktionär“.

    Aber es kommt noch besser. Die weltweit mit Abstand größten Investoren sind nachweisbar Pensionsfonds von Arbeitnehmern (nicht nur aus den USA). Dagegen fällt beispielsweise das Investitionsvolumen von Hedgefonds und Privat-Equity-Gesellschaften in die legendäre Kategorie Peanuts. Die Pensionsfonds haben fast alle gesalzene Renditevorstellungen, schließlich stehen auch sie im Wettbewerb und der investierende Arbeitnehmer will ja im Alter nicht schlecht leben. Noch besser: Pensionsfonds legen das Geld ihrer Arbeitnehmer teilweise auch bei den „Heuschrecken“ an. Da beißt sich die Katze doch etwas in den Schwanz. Fast jeder von uns ist mitverantwortlich für die Renditefixierung vieler Unternehmen.

    Richtig ist, das es heute einige unschöne Ungleichgewichte gibt. Volkswirtschaft fand jahrhundertelang primär in einem regionalen bzw. staatlichen Rahmen statt und konnte dort reguliert werden. Durch die Globalisierung können sich global aufgestellte Unternehmen dem entziehen, können Ländern und Arbeitnehmer gegeneinander ausspielen und sitzen aktuell einfach am längeren Hebel. Sind die Unternehmen daran schuld? Oder vielleicht doch die Gewerkschaften? Müssten die Gewerkschaften nicht endlich mal ihre Egoismen überwinden, sich auch global aufstellen und somit das wünschenswerte Gegengewicht zu global aufgestellten Konzernen bilden?

  3.  
    11/05/2007 | 20:15
     

    […] Bauen Sie mal Ihre Steuererklärung selbst, das muss man erlebt haben! Das deutsche Steuersystem ist obszön, es bremst alle schöpferische Energie. Der Staat käme zur gleichen Summe Geldes mit einem Bruchteil des Aufwandes (und ohne seine Bürger zu verdächtigen, sie seien Kriminelle, sobald man sie ließe), wenn er Steuern nicht am Anfang, sondern am Ende des Produktionsprozesses erhöbe. Der Endkunde bezahlt ja sowieso sämtliche Steuern und Sozialabgaben, die den Unternehmen abgeknöpft werden, egal was das sozialistische Herz davon hält (siehe Nachts ist es kälter als draußen). Götz Werners Modell wäre sowohl ehrlicher als auch sozial bekömmlicher. […]

  4.  
    Paulousek
    20/01/2007 | 17:01
     

    Zum Punkt der Steuern:
    Natürlich entstehen *alle* Einkünfte eines Unternehmens aus dem, was die Kunden zahlen. Unbestritten. Nur: darum geht es hier meines Erachtens gar nicht. Es geht darum, wem welcher Anteil dieser Einkünfte zufliesst:
    Dem Unternehmer/Eigentümer als Gewinn, dem Angestellten als Gehalt, oder dem Staat als Steuer.
    Es ist also eine Verteilungsfrage, und die ist sozial, nicht die Entstehung des Einkommens per se. Ich glaube, das haben Sie verwechselt..

    Und zum bedingungslosen Grundeinkommen:
    Ich halte eigentlich einen Mindestlohn und ein Arbeitslosengeld in etwas geringerer Höhe für die bessere Lösung. (Dieser „Lohnabstand“ wäre der Freiraum für abzugsfreie Zuverdienste in geringem Umfang, der festgesetzte Mindeststundenlohn vermeidet, dass das Arbeitslosengeld als indirekter Lohnzuschuss arbeitgeberseitig „mitgenommen“.
    Alle Arbeitsagenturen, ABM-Maßnahmen und Kombilohn-Modelle werden abgeschafft, ebenso die ganze Sozialbürokratie. Damit dürfte schon ein großer Teil gegenfinanziert sein. Und warum finde ich das besser?
    Nun, weil ich nicht einsehen kann, warum jemand, der ein eigenes Einkommen hat, ein zusätzliches vom Staat bekommen sollte. Er braucht es ja nicht. Das führt voraussichtlich nur wieder zu „Mitnahme-Effekten“, insofern die Löhne um eben diesen Sockelbetrag kürzbar wären, das wiederum würde sich fatal auf das Steueraufkommen auswirken, die Steuern müssten überdies für ein BGE für alle enorm steigen, was sich auf die wirtschaftliche Dynamik alles andere als positiv auswirken dürfte.

    Nur noch den Verbrauch zu besteuern wäre dann wohl ein dritter Punkt.

    Ich denke, wir sind jetzt weiter, oder?

  5.  
    20/01/2007 | 14:32
     

    Also, Herr Palousek,

    versuchen wir es noch einmal.

    Vielleicht haben Sie sich von meiner Formulierung in die Irre führen lassen. Ich möchte gerne den Punkt geklärt sehen, dass ein klassenkämpferischer Ansatz, der den Bürger gegen den Unternehmer ausspielt, nur eine Illusion gebiert.

    Es mag sozial ungerecht aussehen, aber es ist unwiderlegbar: Steuern und Sozialabgaben bezahlt der Kunde des Unternehmers, nicht der Unternehmer selbst. Vielleicht können wir diesen Punkt bald überschreiten und zum Kern der Sache vorstoßen:

    Wovon wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger zu finanzieren?

    Ein interessantes Argument: Dass es dafür nur Mehrwertsteuer geben sollte, als Ersatz für Einkommen- und Körperschaftsteuer usw. sowie sämtlicher Sozialabgaben. Dafür oder dagegen gibt es sicherlich vieles zu sagen. Mir ging es im oben Aufgeführten nur darum, die vorherrschende Illusion als solche zu kennzeichnen. So lange wir diese Illusion nicht durchschauen, lähmen wir das Gespräch über andere Lösungen, beispielsweise das bedingungslose Grundeinkommen.

  6.  
    Paulousek
    13/12/2006 | 23:16
     

    Also „honneurs“, wie man früher wohl sagte. Ich bin aufrichtig beeindruckt von Ihrer Fairness, diesen Link auf „Herrn Paulouseks Blog“ anzugeben. Ich habe meinerseits ja auch den Ihren angegeben, aber das fällt in eine andere Kategorie.
    Die sachliche Auseinandersetzung, falls es eine solche gibt, und Sie daran interessiert sein sollten, müssen wir dann wohl, angesichts dieser Spaltung, auf anderem Wege fortsetzen.

    mit (wirklich) freundlichen Grüßen,
    Paul Paulousek

  7.  
    12/12/2006 | 10:19
     

    Lesen Sie die Fortsetzung dieser Sache auf Herrn Palouseks Blog, s.o..

  8.  
    12/12/2006 | 02:01
     

    […] Unsozial ist demnach, dass inländische Unternehmen überhaupt besteuert werden. So vernichtet man Arbeitsplätze. baer-couch […]

  9.  
    05/12/2006 | 10:25
     

    Lieber Herr Palousek,

    mich freut es immer wieder, von Ihnen so nett zurechtgewiesen zu werden. Allerdings kommt mir so vor, als seien Sie auf mein Argument nicht eingegangen. Insofern erhellt Ihr Beitrag die Lage nicht. Da Sie in einer ganz anderen Kategorie diskutieren, widersprechen wir einander auch nicht. Sie denken offenbar an die Schattenseite unseres Systems, Stichwort Heuschrecken usw., Ich rede vom Normalfall, vom Alltag des Mittelständlers und wie sich, rein rechnerisch, Unternehmenssteuern auswirken. Vielleicht widerlegen Sie mich mal?

  10.  
    Paulousek
    04/12/2006 | 02:16
     

    Lieber Oliver Baer, von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen haben Sie offenbar auch nicht die geringste Ahnung. So ein einfältiger Kommentar ist mir ja noch nicht mal vom BDI höchstselbst untergekommen, und der lügt ja wenigstens nicht aus Unkenntnis, sondern aus Vorsatz!
    In aller Kürze nur so viel: Die Unternehmen verdienen prächtig, und die Investoren wissen schon gar nicht mehr wohin mit dem ganzen Kapital (=abgeschöpften Gewinnen). Den Arbeitnehmern geht’s genau andersrum. Seltsam? Gar nicht seltsam: Verteilungslogik!
    Was lernen wir daraus? Vieles, zunächst aber, dass dieses Statement von Ihnen mit der Wirklichkeit aber nun wirklich gar nichts zu tun hat…
    erhellenden Gruß!

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