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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Mögen die Deutschen keine Reformen, oder wie?

Dienstag 10 Oktober 2006

Siebzig Prozent der Deutschen wünschen Reformen, so heißt es. Und etwa dieselbe Menge sei gegen Reformen. Sobald es konkret wird.

Das könne nicht sein, ergehen sich die Kommentatoren: Die Deutschen seien entweder dumm oder sie möchten nicht, dass man ihren Besitzstand befummelt.

Die Lösung ist einfacher. Sieben von Zehn sind für wirkliche Reformen. Ein ebenso großer Teil der Bevölkerung, der von den genannten Sieben mindestens Vier ein zweites mal zählt, mag Reformen nicht, die keine Reformen sind. Ihre Reaktion ist ganz vernünftig: Für Bockmist den Besitzstand aufgeben, wäre unverantwortlich.

Ob die Zahlen stimmen, ist Nebensache. Dass die Reformen keine sind, lautet das Thema. Es handelt sich bestenfalls um Reformoiden. Uns wurde im Labor an der Uni diese Definition ans Herz gelegt, gleich am ersten Tag: Fummeln ist unsachgemäßes Hantieren.

Die billigste Lösung für die Volkswirtschaft wäre demnach diese: Sobald ein Politiker das Wort Reform absondert, muss er eine Gebühr von 1000 Euro entrichten, sofort, bar auf die Kralle.


  1.  
    Paulousek
    23/01/2007 | 19:33
     

    „Reformen“ mögen wir alle nicht mehr. Seit uns im Sandkasten die Förmchen und Re-förmchen immer geklaut, bzw. deren Resultate, zerstört oder weggenommen worden sind.
    Reformen in Deutschland, und das soll damit gesagt sein, sind was für Naive. Die Erwachsenen wissen worum es in Wahrheit geht: unten nehmen, oben geben. Und das als Wettbewerbsfähigkeit, aka Globalisierung, rechtfertigen. Ungerechtfertigt, wie alle Wirtschaftszahlen künden… aber dennoch schön, dass hier und so klargestellt wird, wer eigentlich der Dumme ist.

  2.  
    20/01/2007 | 09:34
     

    […] Es fehlt der Mut, zum Unwort zu erklären, womit die Gesellschaft ein ums andere mal aufs Kreuz gelegt wird: In bester Orwell’scher Manier gilt als Reform jede Initiative, die diesen Begriff verhöhnt. Echte Reformen haben schon deshalb keine Chance, weil das Wort Reform nur noch für Stümpereien steht, die zwar manches ändern, aber nichts verbessern. An anderer Stelle sagten wir: Fummeln ist unsachgemäßes Hantieren. […]

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