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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Für Nachäffer kaum geeignet

Donnerstag 16 Januar 2014

Null Bock auf politisch korrekte Poesie (© Behland)

Gutmenschen in Parteien, Gewerkschaften, Schulbehörden und Universitäten verachten die Sprache, in der Karl Marx schrieb, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Bert Brecht, Stefan Heym, Jurek Becker, Christa Wolf, sowie Feridun Zaimoglu, Wladimir Kaminer und Rafik Schami.

Im kleinen Kreise saß schweigend eine junge Dame, deren Glas selten nachgefüllt wurde, bis sie sich räusperte und fragte: Ob der Diskus, dem sie da beiwohnt, mit etwas anderem irgendetwas zu tun habe? Will sagen: Hat die deutsche Sprache irgendetwas mit Deutschland zu tun? Die Antwort geben uns Einwanderer aus Anatolien und Andalusien. Sie merken schon am Tag ihrer Ankunft: Für den täglichen Umgang eignet sich die Landessprache, nur sie ist das Medium, in dem die Eingeborenen aus Augsburg und Aachen miteinander sowie die Einwanderer untereinander verkehren.

Aber leider ist Deutsch natürlich politisch total unkorrekt, die Sprache der Nazis. Es ist schon kaum unglaublich, was sich diese Ausländer in unserem Land leisten. Politisch korrekt ist, dass die Eingeborenen die Einwanderer als Nomaden bezeichnen, als „Menschen mit Migrationshintergrund“, als würden diese fortwährend migrieren. Guckstuhier Schweinfresser: Immigration ist Einwanderung, Emigration ist Auswanderung; demnach kann ein Migrationshintergrund nur was sein? Richtig, ein nomadischer.

Fremdwörter verwechseln und Deutsch verachten – das wird die Leitkultur weiterbringen!

An den Schulen wird nämlich immer mehr Englisch unterrichtet, gestrichen wird bei den Deutschstunden. Seltsam, es bestreitet kein Pädagoge: Sämtliche Fächer, von der Mathematik bis zu den Fremdsprachen, lernen die Schüler auf welcher Grundlage am besten? Richtig, auf Grundlage der Muttersprache. Auch wenn das einer politisch korrekten Minderheit nicht in den Kram passt: Das ist nunmal Deutsch, nicht Englisch, nicht einmal Türkisch. Deutsch ist hier beides: Muttersprache und Lingua franca.

However, dear friends, in diesem Lande gibt es welche, die mit Deutsch viel anfangen: Sie zählen zur Poetry-Slam-Szene. Da gehen Sie als Purist natürlich nicht hin, wasndasfürnwort! Schade, dabei ist Poetry Slam die letzte Bastion der Muttersprachler, die auf Deutsch noch Neues schöpfen, und sich dabei mit Fremdwörtern gut auskennen. Wie kommt es zu dieser Wiederentdeckung unserer Sprache? Wollten diese Wortkreativen dasselbe so geistreich und so zügig auf Englisch über die Rampe bringen, müssten sie es drauf haben wie Shakespeare himself, sie müssten native speaker sein, nicht Nachäffer seiner Sprache.

Poetry Slam gelingt in der Muttersprache und nur dort. Also, liebe Spracherhalter, gehet hin und mehret Eure Kenntnis! Vielleicht begegnet Ihr denen von der Schulbehörde. Sonst müssten wir diesen ans Herz legen: Wenn Euch das Deutsch so ekelt, seid standhaft: Sprecht Euren Gutmenschen-Bullshit auf Englisch, aber bitte fehlerfrei, if you don’t mind!

Grübelanstoß: Zum Jahresende 2013 enthielt die Wikipedialiste der auf Deutsch schreibenden türkischen Schriftsteller 267 Autoren.


Dieses gab es auch zu lesen in den Sprachnachrichten des VDS Nr. 61 (I 2014)


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