baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Den Schmäh abgekauft

Freitag 10 Februar 2012

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hatte eine Pressemitteilung herausgegeben (zu einem Thema, das mich wenig betrifft). Als Mitglied des VDS-Vorstands war ich dann trotzdem Empfänger der folgenden Mail, woraus sich ein kurzer und unfüglicher Dialog entspann:

Hallo, ich habe mit großem Interesse die Pressemitteilung „Sprachschützer rüffeln englische Hitparadentitel“ gelesen.

Hello smart ass! (Bild: Fotolia)

Interessant in dem Zusammenhang ist allerdings auch Ihre Website (Netzseite – was immer man darunter verstehen mag). Selbst Sie, Herr Bär, verwenden den Begriff Coach in Ihrer Email-Adresse (elektronischer Post – Adresse)!

Wenn Sie die deutschsprachige Musik auf die Aussagen und Inhalte überprüfen würden, hätte ich noch Verständnis für Ihre Arbeit und Ihre Schutzansprüche.

Das Sie von Musik nichts verstehen ist ja auch verständlich und deswegen Ihre Kritik in eine untere Schublade zu legen. Vielleicht sollten Sie in Ihrem Deutschwahn auch einmal realisieren, dass wir in einer globalisierten Welt leben und Sprachgrenzen zwar Bestand haben, der Wortschatz aber mit fremdsprachigen Ausdrücken und Fachbegriffen eher gewürzt wird – wie auch zunehmend Deutsche Ausdrücke im Ausland Eingang in die Sprache finden.

Versuchen Sie doch einfach sich aus der hegemonistischen Sicht und dem Lobbyismus zu verabschieden und Ihren Verein aus dem Register zu löschen.

Mit freundlichen Grüßen,
XXX


Herr XXX, bestätigen (Sie) mir freundlicherweise schriftlich, dass Sie mit der Veröffentlichung Ihrer Mail auf meiner Website baerentatze.de einverstanden sind.

Sie können mir die Genehmigung auf Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Niederländisch, Italienisch oder Schwedisch erteilen. Mit Gruß, Oliver Baer


Hallo, diese email war bestimmt für die interne Verwendung in Ihrem ominösen Deutsch-Retter-Club. Jegliche weitergehende Veröffentlichung ist nicht gestattet. MfG, XXX


Also gut: Der Name ist anonymisiert, der Inhalt seiner Mails ist buchstabengetreu wiedergegeben. Der Absender ist mit bemerkenswerten Projekten befasst, er ist ein nützlicher Mitbürger und macht sonst einen intelligenten Eindruck.



  1.  
    28/02/2012 | 12:29
     

    Wunderbar! Ein heerer Anspruch bzw. eine solche Forderung, die Herr XXX da auf den Tisch legt. Zugegebenermaßen kenne ich nicht den genauen Gegenstand der Aufregung. Die genannten Argumente entbehren nicht völlig jeglichen Sinn. Die Art, in der er sich aufregt, hat ein gewisses Potential zur Erheiterung. Falls der erste Kommentar von Oliver Bär selbst stammt, stört mich aber etwas die Keule mit der Schlichtheit des Gemütes des Angreifers. Komplizierte Gemüter wie die einiger unserer Politiker haben wir m.M. schon genug. Ein schlichtes Gemüt, daß seine Seele auf der Zunge trägt, ist danach zumindest offen, ehrlich und kalkulierbar.
    Freundlicher Gruß

  2.  
    25/02/2012 | 09:22
     

    Kleinlich?

    Ja, ein bisschen. Aber es dient dazu einmal das Muster aufzuzeigen:

    * Erkläre den Gegner zum Puristen
    * Erlaube ihm keine Schattierungen: Es gibt nur Schwarz oder Weiß
    * Schlag ihn mit Argumenten, die er selber verwendet
    * Weise ihm nach, dass er als Purist ganz schön inkonsequent ist
    * Prügle auf seinen Purismus ein
    * Unterstell ihm weitere Unkorrektheiten (immer gut eignen sich: Rassismus, Imperialismus, Chauvinismus).

    Wenn es gut geht, ärgert sich der Gegner. Geht es aber meist nicht. Stets blamiert sich der Angreifer mit der Schlichtheit seines Gemütes.

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