baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Ach, hätte er das Maul gehalten!

Sonntag 14 Mai 2006

Baden-Württembergs Landeschef Günther Oettinger wird „Sprachpanscher des Jahres 2006“, darauf können wir schon wetten. Der Verein Deutsche Sprache hat ihn mit vier anderen Finalisten nominiert, die Mitglieder des Vereins werden in den kommenden Wochen abstimmen. Unsterblich ist Herr Oettinger jedoch schon, seit er kundtat:

„Englisch wird die Arbeitssprache, Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit; die Sprache, in der man Privates liest.“

Jeder, auch der Facharbeiter, müsse Englisch beherrschen, versicherte er treuherzig, nicht nur die Eggseckjutiws. Außer den Einwanderern, versteht sich, von ihnen verlangt der MP, dass sie Deutsch lernen, verdammt nochmal, damit sie integriert würden. Mit den Deutschen. Die sprechen dann tagsüber Englisch, abends Deutsch. Dafür reden die Zugereisten Deutsch, abends Türkisch. Was kann da noch schiefgehen …

Eigentlich gebührt Oettinger der Sprachpanscherpreis nicht. Er panscht nicht, er sagt klar und deutlich, auf Deutsch, was er denkt. Si tacuisses, philosophus mansisses, zu Deutsch: Hättest Du das Maul gehalten, wir hätten Dich mit einem Filosofen verwexelt.


  1.  
    28/05/2006 | 12:14
     

    Liebe Frau Nerling,

    beim Stöbern finde ich in Ihrem Netzauftritt unter dem Titel Dem Volk aufs Maul hauen diese Zehn Thesen zur Rechtschreibreform.

    Hätte ich mich etwa allzu schnell auf eine gemäßigte Reform eingelassen, sogar mit dem ß/ss, welche mir schon gar nicht problematisch erschienen?

  2.  
    27/05/2006 | 10:04
     

    Schön, daß die Politiker Klartext reden: Wir bekommen wieder Verhältnisse, in denen die Sprache die Stände verdeutlicht. Wie die Gebildeten zwischen Goethe und Napoleon und drüber hinaus sich in Französisch verständigten, so war das teutsch maul schon früher Kennzeichen einer minderen Bildung, so war wiederum im Baltikum Deutsch der Code der Oberschicht, estnisch/lettisch/litauisch die Küchensprache, und ebenso hört man jetzt am Gestammel und Genuschel der Schüler oder an ihrer klaren Artikulation, auf welcher Schulstufe sie ihren Lernwillen verlieren oder mühsam erhalten. Jede Zeit hat ihre Schlüsselsprache, und so manchem scheint es ganz recht zu sein, wenn man Plebs und Adel wieder klar unterscheiden kann.

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