baerentatze

Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Lingua franca der Nomaden

Samstag 11 Juni 2011

Leseprobe Nr. 4 aus Von Babylon nach Globylon

Zuguterletzt spricht ein soziologisches und zugleich soziodemografisches (mithin volkswirtschaftliches) Motiv dafür, dass wir Deutsch als Wirtschafts- oder Produktionsfaktor ernstnehmen. Allein in Deutschland leben über 15 Millionen Personen mit sogenanntem „Migrationshintergrund“; das sind Deutsche aus dem Ausland (Spätaussiedler), es sind die Einwanderer mit ihren Kindern sowie Asylanten – zusammen fast ein Fünftel der Bevölkerung: Deutschland ist – wie Österreich und die Schweiz – ein Einwanderungsland.

Neben ihrer Muttersprache brauchen die Einwanderer Deutsch, damit werden sie bei uns heimisch. Nebenbei dient unsere Landessprache nämlich als ihre Lingua franca. Untereinander verständigen sich Wolgadeutsche und Albaner, Polen und Türken im Lande – auf Deutsch. Die Deutschprüfung nach dem Integrationskurs verlangt das GER-Niveau B1 und wir haben sie gefälligst dabei zu unterstützen, dass sie dieses Niveau erreichen – auch in unserem Interesse.

In der Bildungspolitik käme mehr Selbstvertrauen gelegen, sonst behält Walter Jens recht, der schon in den Neunzigern meinte, wenn es so weiterginge, könnten die Deutschen bald nicht mehr richtig Deutsch und noch nicht richtig Englisch.

In der Alltagssprache spielt diese Befürchtung keine Rolle. Zu beachten im Schaubild ist jedoch der obere, blaue Bereich: Wie hoch wird der grüne (englische) Pfeil bestenfalls reichen? Oben ist die Zone der Sprachbeherrschung, in der sich das kreative Denken abspielt, die helle Zone ganz unten genügt zum Leeren der Mülltonnen. Wo die Pfeile einander kreuzen, hätten wir demnach mehr verloren als gewonnen.

Immerhin kämen bei dieser Abwärtsbewegung die Eingeborenen den Einwanderern im Deutschen entgegen, während sie selbst ins Englische flüchten (S. 69).

So stehen wir als Einzelne, wie die Volkswirtschaft, vor der Notwendigkeit, klüger zu investieren: Erst in Deutsch, dann im angemessenen Umfang in die Fremdsprachen, zuerst die der Nachbarn, dann in Englisch, als Grundlage für das Globische. Dass wir Deutsch in der Schule als ein Fach unter vielen ansehen, und Deutsch als Unterrichtsmedium von Englisch verdrängen lassen, das wäre so ziemlich das Dümmste, was wir uns antun können.

Wir tun es, und kommen uns noch pfiffig vor. … (im Buch weiter auf Seite 182)


Die Kommentarfunktion ist zur Zeit geschlossen.