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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Fremdsprachen in der Schule

Samstag 11 Juni 2011

Leseprobe Nr. 2 aus Von Babylon nach Globylon

Der Rummel um die Frühförderung grenzt an Hysterie, da stehen die Väter und Mütter zusammen: Es gilt, die Kinder für die Weltsprache rundum fit zu machen: Fitness statt Bildung. Als gäbe es nichts Wichtigeres zu lernen: Intelligenz bilden, Kreativität entfalten, seelische Ausgeglichenheit erwerben, soziale Kompetenz üben, die Grundlagen für ein erfülltes Lernen und Leben.

Es gibt für diese Erziehungs- und Schulziele keine bessere Grundlage als – das Musizieren, allein und mit anderen. Dafür investierte Zeit im Stundenplan ist rundum ergiebiger als den Englischunterricht noch weiter aufzustocken. Pädagogen wissen das, aber gegen den gängigen Angloholismus agieren sie ungern: Da gibt es keine Punkte zu gewinnen!

Was aber, wenn der Aufwand für das Englische vergebens war? „Wenn der Nachwuchs bereits vor der Schule zwei Sprachen lernt, wächst das Risiko, dass die Worte nicht richtig herauswollen“, und zwar in beiden Sprachen! Und die Heilung des Stotterns dauert länger, versichert Mark Hammer.

Eine bittere Überraschung folgt: Spätestens in der Pubertät holen die anderen die Frühstarter ein und überholen sie. Das Pulver ist verschossen, der Donner der Geschütze hat keinen Geländegewinn erbracht. Im Übrigen genügt selbst das beste Schulenglisch nicht dem angestrebten Zweck, dem Vorsprung auf der Karriereleiter. Es leistet nur, was man für Globisch (und für höheres Englisch) benötigt – den Einstieg.

Früher Fremdsprachenunterricht kann Sinn stiften. Waldorf- und Montessorischulen machen damit gute Erfahrungen. Wenn die Schule und die Eltern behutsam bleiben: Was brauchen die Kinder, und in welchem Alter? Kann Immersionsunterricht den muttersprachlichen Fachunterricht ergänzen?(78) Dann erweitert er den Horizont der Kinder. Wenn er die Muttersprache in mehr als zwei Fächern ersetzt, besteht der Verdacht auf Ideologie („gut für die multikulturelle Gesellschaft!“) oder auf Profilbedürfnis der Schule („gut für die Karriere!“).

Würde eine gemeinsame Sprache Nennenswertes für die Völkerverständigung leisten, müsste das Leben im Londoner Völkergemisch paradiesisch sein, es gäbe keine Bürgerkriege wie im Spanien der dreißiger Jahre, Nord- und Südkorea wären vereint, Serben und Kroaten innig verbrüdert. Mit dem Englischwahn lässt sich an den Elternängsten gut verdienen und in den Medien viel Wind machen.

… (im Buch weiter auf Seite 68)


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