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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Als Vladimir Špidla das Englisch verweigerte

Montag 10 Dezember 2012

Der brave Soldat Švejk (Bild: Wikipedia)

EU-Kommissar Vladimir Špidla, der vormalige Ministerpräsident der Tschechischen Republik, wurde einmal gefragt, weshalb er Deutsch spreche statt Englisch, wie alle anderen im Raum. „Es gibt Gedanken, die kann man nur in einer bestimmten Sprache ausdrücken. Auf dieses Erfindungsmoment darf Europa auf keinen Fall verzichten.“

Anlässlich eines Vortrags wollte ein Zuhörer die Quelle für dieses Zitat wissen. Ich hatte sie nicht parat, hier ist sie: Cornelia Jolesch: Dolmetschen in Babylon, Süddeutsche Zeitung, 10. März 2005.

Für flüchtige Leser: Damit ist keineswegs nur der deutschen Sprache ein Kompliment gezollt. Dasselbe gilt für Herrn Špidlas Muttersprache. Beispielsweise die geniale Darstellung des Švejk ist sicher nur deshalb so und nicht anders zustande gekommen, weil Jaroslav Hašek auf Tschechisch dachte und schrieb. Er hat uns – im Gewand einer Satire – viel Wichtiges erzählt. Nicht alles kommt in den Übersetzungen zum Vorschein. Eine Ironie der Geschichte sei hier erwähnt: Es war die deutsche Übersetzung von 1926, die den bis dahin wenig beachteten Schwejk zum Weltruhm führte.


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